In das „Dreieck des Sherry“ und über Sevilla bis Granada

9.4. – 19.4.2018

Liebe Freunde,

vorab eine Information: Unser Besuch in Sevilla hat auf dieser Tour nur 1 Stunde gedauert. Während dieser Zeit haben wir versucht, den innerstädtischen Wohnmobil Stellplatz anzufahren, was uns nicht gelungen ist. Die Stadt war eine Woche lang im Ausnahmezustand der „Feria de Avril, einem riesigen Volksfest-Spektakel. Die komplette Verkehrsführung der Innenstadt wurde geändert. Ganze mehrspurige Straßenzüge wurden zu Einbahnen umfunktioniert. Ein Abbiegen an vielen Kreuzung war unmöglich.

Also haben wir beschlossen, unseren „richtigen“ Sevilla Besuch bis nach dem Fest zu verschieben und im nächsten Blog darüber zu berichten.

Hier die Route zum heutigen Bericht. Gelb markiert sind unsere Übernachtungsorte.

Von Tarifa aus fahren wir an der Küste entlang in den Norden. Unzählige Windräder nutzen die starken Luftströmungen an der Straße von Gibraltar

Die Orte Zahora de los Atunes und Barbate sind Zentren für den Fang des roten Thunfisches, der hier vorbei zum Laichen ins Mittelmeer schwimmt.

In Barbate gibt es einen schönen Küstenwanderweg durch den Naturpark Breña y Marisma, in der Nähe dessen westlichen Endes das Kap Trafalgar liegt. Höchster Punkt des Weges ist der Torre del Tajo an einer fast hundert Meter hohen Klippe.

An der Küste entlang geht es weiter bis Conil de la Frontera, vorbei am hoch gelegenen „Weißen Dorf“ Vejer de la Frontera.

Für die nächsten Tage ist Regenwetter vorhergesagt. Wir suchen daher einen Campingplatz, um schöneres Wetter abzuwarten. Die meisten Plätze in der Gegend liegen in schattigen Pinienwäldern. Im Sommer ideal, möchten wir um diese Zeit und bei Regen nicht im finsteren Wald stehen. Zum Glück gibt es außerhalb von Conil den CP La Rosaleda, der terrassenförmig angelegt ist und nicht allzuviel Schatten aufweist. N-36.2931. W-6.0957. 17 € mit ACSI Card. Supermarkt. Schnelles Gratis WLAN.

Wie vorhergesagt, beginnt es am nächsten Tag heftig zu regnen. Dazu kommt ein Sturmtief aus Portugal, das dort schon größere Schäden angerichtet hat. Tags darauf kommt ein kleines, windiges Zwischenhoch. Gelegenheit für eine Wanderung zum weiten Strand von Conil

„Dos Cervezas“ und „Dos mas“ – drei wichtige spanische Vokabeln zur Durstlöschung 😄🍺🍺🍺🍺

Leider kehrt der Regen zurück und so bleiben wir insgesamt 4 Tage auf dem Campingplatz. Am nächsten Morgen ist es endlich wieder wolkenlos und wir fahren weiter – leiblichen Genüssen entgegen.

Vor uns liegt das bekannte „Sherry Dreieck“. Zwischen den Städten El Puerto de Santa Maria, Jerez de la Frontera und San Lucar de Barrameda befindet sich das Zentrum der Sherry Herstellung.

Erstes Ziel ist El Puerto, das einen öffentlichen Stellplatz für Wohnmobile, allerdings ohne jeden Service, zur Verfügung stellt. Er liegt direkt an der Mündung des Rio Guadalete nahe einer Fußgängerbrücke zur Altstadt. 6,- € für 24 Stunden. N-36-35-55 W-6-13-15.

Nur etwa 1 km entfernt liegt der Anleger für die Fähren nach Cadiz. Auf dem Weg dorthin sehen wir ein „sonnengeschütztes Kutschpferd“😄

In knapp einer halben Stunde ist man mit dem Katamaran in Cadiz.

Cadiz ist wirklich sehenswert.Sie gilt als eine der ältesten Städte überhaupt. Antike Chronisten erwähnen ihre Gründung um das Jahr 1.000 v. Chr. Wir wandern vom Hafen durch die Gassen der Altstadt bis zur gegenüber liegenden Meerseite mit schönem Blick auf die Kathedrale

An der Strandpromenade entlang ….

….. geht es durch hübsche Altstadtgassen wieder zurück zur Fähre

Wir verlassen El Puerto, die Heimatstadt der bekannten Sherry-Marke Osborne und besuchen Jerez de La Frontera, die Heimat der Marken Byass (Tio Pepe), Sandeman u.a.

Die dritte Sherry Stadt, Sanlucar de Barrameda an der Mündung des Guadalquivir, hat eine Reihe von guten Bodegas, die aber eher kleiner und familiär geführt sind. Deshalb wollen wir hier einen der Sherry Erzeuger besuchen.

In La Jara, ca. 4 km außerhalb, gibt es in Strandnähe einen privaten Stellplatz mit einer großen Anzahl an geräumigen Wiesenplätzen, Strom, Ver- und Entsorgung, Toiletten und Dusche. Der Besitzer empfängt uns überaus freundlich und auf Deutsch. Er lernt nämlich seit einigen Jahren unsere Sprache und nutzt jede Gelegenheit zum Üben. Unweit des Platzes ist eine Bushaltestelle zur Fahrt in die Stadt. N-36-45-42. W-6-23-44. 10,- € inkl. Strom und gutem WLAN.

Wir nehmen die Räder und fahren nach Sanlucar hinein. Der Guadalquivir ist im Mündungsbereich 1 km breit und unterliegt den Gezeiten des Meeres. Sein Wasser ist so braun wie der riesige Sandstrand.

Am Fluß führt eine kilometerlange Strandpromenade mit breitem Fahrradweg entlang. An seinem Ende beginnt das alte Fischerviertel mit zahlreichen guten Restaurants.

Für nächsten Vormittag haben wir im Internet eine englischsprachige Führung durch eine der ältesten Bodegas der Stadt, „La Gitana“, gebucht. Das wäre nicht notwendig gewesen, denn wir sind die einzigen Gäste. Umso interessanter gestaltet sich der über eine Stunde dauernde Rundgang, die Einweihung in die Geheimnisse der Sherry Erzeugung und die anschließende Verkostung der unterschiedlichen Varianten

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Sevilla. Wir bekommen vom Betreiber des Stellplatzes noch einen Stellplatz-Tipp für die Innenstadt und verlassen dann das nette Städtchen Sanlucar in Richtung Hauptstadt. Ich habe gestern noch gelesen, dass in Sevilla die „Feria de Abril“, ein riesiges Volksfest, gefeiert wird – aber so schlimm wird es verkehrstechnisch ja wohl nicht werden.

Wenn ich mich da nur nicht getäuscht hätte. Schon auf der Stadteinfahrt sind zahlreiche Pferdekutschen unterwegs – je näher zur Innenstadt, umso mehr. Der empfohlene Stellplatz liegt noch dazu in der Nähe des Festgeländes. Wir sind nur mehr 2 km davon entfernt, aber dann geht nichts mehr. Die Straßen sind weiträumig zu Einbahnen umfunktioniert worden und das Abbiegen ist dort, wo man hin will, so gut wie nie möglich. Also kurven wir 1 Stunde lang herum und werfen schließlich das Handtuch.

Die Stadtausfahrt ist schnell gefunden. Östlich von Sevilla gibt es ein paar interessante kleine Städte zu besuchen und natürlich Cordoba, eines der Highlights jedes Spanienbesuchs.

Vorbei am Flughafen fahren wir auf der Schnellstraße bis zum uralten, hoch über der Ebene auf einem Hügel liegenden Städtchen Carmona. An einem der antiken Stadttore, der Puerta de Cordoba, gibt es einen großen Parkplatz mit schönem Blick über das weite Land. Der Platz ist gut zum Übernachten geeignet. N-37-28-33. W-5-37-57. Kein Camperservice.

Helgas Bordküche liefert heute ein feines Spargelrisotto.

Wir wollen gerade zur Stadtbesichtigung aufbrechen, als wir auf einmal von einer Ziegenherde umgeben sind.

Carmona ist ein reizendes Städtchen mit einer reichen Vergangenheit. Kirchen und alte Paläste prägen das Bild der lang gestreckten Altstadt. Auf dem höchsten Punkt liegt ein Kastell, das heute zu einem staatlichen Hotel, einem Parador, umgebaut wurde

Auf dem letzten Foto sieht man in ca. 30 km Entfernung ein grelles Licht leuchten, das am Abend erlischt. Am nächsten Morgen leuchtet es wieder Wir können es uns nicht erklären, denn eine Sonnenspiegelung kann es nicht sein. Später werden wir nahe daran vorbeifahren.

Carmona ist alter Siedlungsboden. Vor der Stadt liegt eine große römische Nekropole, die man auf einem interessanten Rundgang besichtigen kann.

Nach dem Rundgang und einigen Sherry’s des Typs „Manzanilla“ (trockene Spezialität von Sanlucar) gehen wir durch die Puerta de Cordoba zurück zum Wohnmobil ………

….. und genießen den Blick über die weite Ebene in der Abendsonne

Nach einer ruhigen Nacht in Carmona fahren wir am nächsten Morgen nach Ecija, die Stadt der Türme. Sie liegt in der Nähe des Rio Genil und ist von Baumwollfeldern umgeben. Auch Ecija ist eine Gründung der Römer und weist heute eine große Anzahl prächtiger alter Paläste und viele buntbemalte Kirchtürme auf. Ecija trägt den Beinamen „Bratpfanne Andalusiens“. Sie gilt als heißeste Stadt der Gegend. Im Sommer sind Temperaturen um die 45 Grad keine Seltenheit

Auf dem Weg nach Ecija kommen wir dem „seltsamen Licht“, das wir von Carmona aus gesehen haben, immer näher. Im Internet finden wir die Erklärung. Es handelt sich um ein Solarkraftwerk mit dem Namen „Gemasolar“. Das solare Turmkraftwerk ist 2011 in Betrieb gegangen. Es arbeitet mit geschmolzenem Salz als Medium und besteht aus 2650 Spiegeln (Heliostate), die auf 185 Hektar rund um den 140 m hohen Turm angeordnet sind. Sie sind beweglich und folgen dem Sonnenstand. Die Spiegel bündeln das Sonnenlicht an der Spitze des Turmes und erhitzen das Salz auf 500 Grad. Das geschmolzene Salz wird dann zu einem Wärmetauscher geleitet, der Wasserdampf erzeugt und eine Turbine antreibt. Die Jahresleistung beträgt 110 Gigawattstunden.

Das Kraftwerk ist ein Spanisch-Arabisches Joint Venture. Hier zwei Bilder von der Internetseite des Betreibers (Fotos: Torresol)

Interessenten finden Näheres unter https://www.golem.de/1110/86865.html

Bevor wir weiterfahren, essen wir auf dem Markt von Ecija „eine Kleinigkeit“. Es handelt sich allen Ernstes jeweils nur um „eine Portion

Der Wirt ist sehr freundlich und hat sogar eine deutsche Übersetzung seiner Speisekarte mit einigen kuriosen Wortschöpfungen 😄

Am 11., 12. und 13. Mai ist Stierkampf angesagt

Welcher Torero welchen Stier „bekommt“, wird ausgelost

Wir machen uns wieder auf den Weg und steuern unseren heutigen Übernachtungsplatz an. Das Städtchen Palma del Rio stellt einen großen Parkplatz für PKW und Wohnmobile kostenlos zur Verfügung. Es gibt Ver- und Entsorgung. Nachts ist es recht ruhig. N-37-41-33. W-5-17-05. Nach einem abendlichen Stadtbummel zeigt Helgas Schrittzähler 17.000 Schritte an. Das ist genug für heute.

Der Wetterbericht für die nächsten Tage könnte nicht besser sein: wolkenlos, sehr warm. Gute Voraussetzungen für einen Besuch in Cordoba.

Wir fahren an der „schönsten Burg Spaniens“ in Almodovar del Rio vorbei und beschließen, sie auf dem Rückweg nach Sevilla zu besuchen.

Auf der breiten Westeinfahrt von Cordoba erreichen wir schnell den großen Wohnmobil-Stellplatz unweit der Altstadt. 11.95 € pro 24 Stunden. Ticketautomat. Wasser 2,- €. Entsorgung. N-37-52-28. W-4-47-11

Besser kann man für einen Besuch von Cordoba nicht stehen. Das Altstadtzentrum beginnt unweit des Stellplatzes. Die Mezquita Catedral ist keine 2 km entfernt und schon der Spaziergang dort hin ist ein Erlebnis. Aber mehr dazu nächstes Mal. Und natürlich auch ein Bericht zu Sevilla.

Soviel für heute. Danke für Euren Besuch und liebe Grüße

Helga und Willi.

Advertisements
Veröffentlicht unter 2018 Südspanien | 3 Kommentare

Nach Ronda und durch die Berge bis Gibraltar und Tarifa

2.4. – 8.4.2018

Liebe Freunde,

dieses Mal geht es ein wenig auf und ab auf der Landkarte. Die gelben Markierungen zeigen die im Text beschriebenen Übernachtungsplätze

Von Granada aus fahren wir zunächst auf der Autobahn bis an die Küste bei Salobrena. Die hübsche Stadt liegt wie viele Städte in Südspanien weiß leuchtend auf einem Hügel.

Von hier aus nehmen wir die Strasse am Meer entlang. Die Küste ist in diesem Bereich – ganz unüblich für Spanien – wenig bebaut. Ab Nerja beginnt die totale Verbauung wieder, allerdings nicht wie so oft mit Hotelburgen, sondern eher mit Villen und kleineren Appartmenthäusern. Bis in die Gegend von Velez-Malaga fährt man durch die endlos scheinenden Touristensiedlungen. Wir meinen, dass man sich diese Strecke ersparen und gleich die Autobahn nehmen kann, es sei denn, man möchte hier irgendwo bleiben.

In der Nähe von Velez-Malaga übernachten wir auf dem Campingplatz Almayate-Costa bei N-36-43-28. W-4-8-4. ACSI Card Rabatt. Gegen 2 € Aufpreis stehen wir direkt am Strand – vor einem Zaun, den man mit Hilfe eines Codes „überwinden“ kann. Im Sommer für einen Badeurlaub sicher geeignet, ist es jetzt hier ziemlich leer. Für eine Nacht ist der Platz aber gut geeignet.

Am nächsten Morgen umfahren wir Malaga und biegen auf die kleine MA 424 nach Almogia ab. Die Hotelburgen von Torremolinos und Fuengirola und die Metropole der großen und kleinen Millionäre „Marbella“ wollen wir uns ersparen und statt dessen die bergige Landschaft nördlich von Malaga erkunden.

Das Bild ändert sich nun völlig. Je höher wir kommen, umso grüner wird es, weitläufige Getreidefelder breiten sich aus und die Gerstenhalme wiegen sich schon im Wind.

Zentrum der Agrarwirtschaft ist die nette Stadt Antequera. Bevor wir sie erreichen, führt die Bergstraße auf 1000 m hinauf zum Naturpark Torcal mit Wanderwegen durch eine seltsam geformte Felslandschaft.

Beim Eingang zum Naturpark gibt es einen großen Parkplatz, der zum Übernachten geeignet ist. Wir fahren aber weiter bis 5 km vor Antequera auf den Campingplatz El Torcal unterhalb einer Felwand. N-36-59-9. W-4-31-55. 22,- €. Es ist alles sehr einfach und für Dauercamper eingerichtet. Ein riesiger derzeit leerer Pool und ein großes ebenfalls nicht offenes Restaurant deuten auf regen Sommerbetrieb hin. Jetzt sind wir mit einem weiteren Wohnmobil die einzigen „mobilen Gäste“ und genießen die wunderbar ruhige Stellplatzwiese im Olivengarten.

Die Fahrt führt uns nun weiter durch eine schöne Landschaft mit Getreidefeldern, riesigen Olivenplantagen und Zitruskulturen bis Alora. Ab Alora geht es auf der manchmal ganz schön engen Straße zum nördlich gelegenen Gebiet der großen Stauseen.

Kurz davor beginnt der Naturpark „Garganta del Chorro“. Das Wandergebiet weist ein absolutes Highlight auf, den „Desfiladero de los Gaitanes“. In die Felsen dieser Schlucht wurde in den 1920er Jahren der Caminito del Rey, der „Königspfad“gehauen. Im Lauf der Jahre ist er immer mehr verfallen und mußte im Jahr 2000 wegen mehrerer Todesfälle gesperrt werden. Nun ist er wieder geöffnet und kann im Rahmen einer gebührenpflichtigen vierstündigen geführten Wanderung begangen werden. Wie wir gehört haben, ist zeitgerechte Voranmeldung notwendig. Der Andrang ist enorm. Uns genügt der Blick in die Schlucht und auf den schwindelerregenden Steig.

Wir übernachten am Stausee „Embalse del Guadalteba“ auf dem Campingplatz „Parque Ardeles“, der schön in einem Kiefernwald mit Blick auf die steilen Felswände ringsum liegt. N-36-55-12. W-4-48-14. Saubere neue Sanitäranlage. Wenig Plätze für Wohnmobile. Viele Zeltplätze und Plätze für Campingbusse. Restaurant. Brotservice.

Bei sonnigem und warmem Wetter fahren wir am nächsten Tag zunächst nach Ardales und weiter am Stausee entlang

Dann das schon gewohnte Bild. Getreidefelder und Olivenhaine soweit das Auge reicht.Später wird die Straße, die mit Warnschildern als „Bergstraße“ gekennzeichnet ist, kurvig, ist aber gut ausgebaut. Sie führt bis 1000 m hinauf und dann hinunter in die auf 700 m liegende Stadt Ronda. Südlich sieht man die Berge der „Sierrania de Ronda“.

Wir umfahren Ronda und erreichen den sehr gut ausgestatteten Campingplatz El Sur. N-36-43-16. W-5-10-19. Er wirkt trotz seiner Luxusausstattung richtig gemütlich. 22,- €. Vom Platz aus kommt man zu Fuß oder mit dem Fahrrad bis ins 3 km entfernte Zentrum von Ronda, begleitet von „blühenden Olivenwiesen“. Die Rezeption ruft aber gerne auch ein Taxi.

Noch vor dem Stadttor liegt eine weiträumige Plaza mit einigen Restaurants. Wir nutzen die Gelegenheit und werden mit einem originell servierten Spieß bewirtet.

Ronda selbst ist eine der vielen „Weissen Städte“ Südspaniens. Hübsche Gassen mit kunstvollen Fenstergittern prägen das Stadtbild. Touristische Highlights sind die älteste Stierkampfarena Spaniens, die Stadtmauer und natürlich die berühmte Punte Nuevo, die die 150 m hohe Schlucht zwischen den zwei Stadtteilen überspannt.

Die Stierkampfarena ist bis heute in Verwendung.

Für ein Foto aus diesem Blickwinkel muß man ein gutes Stück in die Schlucht hinabsteigen

Schmucke Gassen prägen das Stadtbild

Die Weiterfahrt nach Süden führt durch fruchtbares Ackerland und wieder hinauf in die Berge auf 1000 m Höhe. Links von uns liegt die Sierra Bermeja, rechts die Sierra de Grazalema, ein bekanntes Wandergebiet. Der Blick reicht weit über die Gebirgslandschaft hinaus und manchmal tief hinunter ins Tal. Die Fahrt ist zwar „kurbelig“, aber sehr zu empfehlen, führt sie doch vorbei an einer Reihe von „Weissen Dörfern“

Hinter Jimena de la Frontera wird es zusehends flacher und nach Castellar de la Frontera geht es am Fluß entlang hinaus nach San Roque, La Linea de la Concepcion und Gibraltar.

Kurz vor der Grenze, in „La Linea“ gibt es einen offiziellen Wohnmobilstellplatz auf dem Großparkplatz am Yachthafen. 12,- pro 24 Stunden. Ticket am Automaten. Sehr günstige Lage für einen Besuch Gibraltars. V/E. Kein Strom. N-36.1561. W-5.3544. Leider wird die V/E-Einrichtung nicht gereinigt und so verzichten wir auf deren Verwendung.

Wir packen die Fahrräder aus und fahren die paar Kilometer nach Gibraltar hinüber. Die Einreise ist problemlos, obwohl es angeblich wegen der Unstimmigkeiten zwischen Spanien und Großbritannien wegen Gibraltar immer wieder einmal zu Verzögerungen kommen soll.

Nach der Grenze überquert man das Flugfeld des Flughafens, das bei Flugverkehr gesperrt wird. Es starten und landen aber nur wenige Maschinen.

Auf den zum Teil schmalen Straßen der Stadt herrscht dichter Verkehr. Zum Glück wird rechts gefahren, sonst wäre das Chaos noch größer. Wir kämpfen uns mit den Rädern durch bis zur Talstation der Seilbahn, die uns in wenigen Minuten hinauf auf das Felsplateau bringt. Schon von der Gondel aus hat man einen schönen Blick auf die Stadt

Oben angekommen, geht es zunächst einmal zur Aussichtsplattform mit dem bekannten Postkarten-Motiv

Und hier warten auch schon die berühmten Bewohner des Felsens

Der hier hat genug für heute 😄

Das Füttern der Affen ist bei strengsten Strafen verboten.

Es wird eindringlich darauf hingewiesen, dass es sich um an Menschen gewöhnte unberechenbare Wildttiere handelt. Trotzdem wollen viele ein Foto gemeinsam mit einem „niedlichen Äffchen“ haben. Abgesehen davon, dass sie beißen, sind sie auch bestens geübt im Ausräumen von Taschen und Rucksäcken. Wir sehen selbst, wie einer einer Frau auf den Rucksack springt, nicht mehr losläßt und dann mit ihrem Mobiltelefon in einen Baum springt. Er sitzt damit keine 2 m entfernt im Geäst. Ein Mann, der ihm das Telefon entreissen möchte, wird von einem Securitymann zurückgehalten, der ihm sagt, dass er keine Chance hat, es zu bekommen und riskiert, böse gebissen zu werden. Das Ende der Geschichte erleben wir nicht, denn wir haben beschlossen, die 400 Höhenmeter auf einem schön ausgebauten Weg in die Stadt hinunter zu wandern. Das Ticket für die Talfahrt lassen wir verfallen. Es gibt übrigens Tickets für die Bergfahrt allein und wir empfehlen jedem, der einigermaßen gut zu Fuß ist, diesen Weg hinunter zu gehen. Man hat ständig einen schönen Blick auf die Stadt tief unter sich und weit hinüber nach Algeciras.

Diese beiden genießen wie wir den Fernblick

Es ist Regen vorhergesagt. Wir verbringen daher den Tag ganz in der Nähe auf dem Campingplatz Sureuropa an der Ostseite von La Linea. Der Platz ist sehr gepflegt, hat aber nur wenig Stellplätze für größere Wohnmobile. Wir sind aber ohnedies fast allein hier. N-36-11-29. W-5-20-4. 18,10 €. Keine Grauwasserentsorgung. Sonst alles vorhanden.

Am nächsten Tag ist es wieder sonnig und warm. Wir fahren vorbei an der Hafenstadt Algeciras auf aussichtsreicher Straße bis nach Tarifa. Die kleine, freundliche Stadt ist DAS Zentrum für Windsurfer und Kiter in Europa. Es bläst ständig Wind durch die nur 14 km breite Enge zwischen Europa und Afrika – entweder von West noch Ost oder umgekehrt. Heute meint er es besonders gut. Wir würden das, was des Kiters Herz erfreut, eher Sturm nennen .

Das Thema „Starkwind“ findet sich auch in den Andenkenläden wieder, ……….

………, das Thema „Wellen“ leicht ironisch an dieser Strandbar 😄

Tarifa bietet einen offiziellen Stellplatz auf einem riesigen Platz in der Nähe des Strandes an. Angeblich wurden hier einmal 8 € verlangt. Nun kümmert sich niemand mehr um den Platz und es wird auch nichts kassiert. Es gibt zwar noch die Ver- und Entsorgungsstation, aber die Wasserhähne sind abmontiert. Entsorgen ist aber möglich. N-36-1-4. W-5-36-37.

Am kilometerlangen Sandstrand entlang führt eine schöne Strandpromenade zur sehenswerten, arabisch anmutenden Altstadt von Tarifa. Wir haben zum Glück „Rückensturm“ und so bekommen wir nur ein Sandpeeling für die Wadeln ab. Vor uns liegt die über einen Damm erreichbare Isla de Tarifa. Das Betreten ist allerdings verboten. Angeblich werden hier illegal aufgegriffene Flüchtlinge bis zur Klärung ihres Status‘ interniert

Blick nach Afrika

Östlich von Tarifa gibt es ein schönen Küstenwanderweg mit ständigem Blick nach Marokko und zum 800 m hohen Dschebel Musa. Die alten Griechen nannten den Felsen von Gibraltar auf der einen Seite und den Dschebel Musa auf der anderen die „Säulen des Herkules“. Im Altertum galt diese Stelle als das Ende der Welt.

Wir wandern ein Stück auf dem schönen Weg und freuen uns an der Aussicht und an den prächten Blütenpflanzen.

Saftige Kuhweide am Strand zwischen verblühten Agaven

Zurück in der malerischen Altstadt ……

….. gibt es – in Erinnerung an unsere Marokko-Tour – ein Couscous

Liebe Freunde, das war heute ja ganz schön viel. Daher ein besonderes Danke für Euer Interesse.

Unsere nächsten Ziele sind die „Costa de Luz“, Cadiz, Jerez de la Frontera und dann schön langsam Sevilla.

Bis bald, servus und tschüss

Helga und Willi

Veröffentlicht unter Uncategorized | 5 Kommentare

Osterwoche in Granada

29.3. – 1.4.2018

Liebe Freunde.

Ein Besuch in Granada gehört zweifellos zu den Höhepunkten jeder Südspanien-Reise. Zur Semana Santa (Osterwoche) hier zu sein, ist aber ein ganz besonderes Erlebnis. Für gläubige Katholiken sowieso, aber auch für jeden anderen Besucher.

Vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag ziehen täglich vom Nachmittag bis teilweise spät nach Mitternacht zahlreiche Bruderschaften in langen Prozessionen durch die Stadt. Es gibt dafür einen genauen Plan, wer wann wo unterwegs ist.

Nachdem zur gleichen Zeit mehrere Prozessionen stattfinden, die sich ganz langsam vorwärts bewegen, trifft man in der Innenstadt immer wieder auf die von Musikkapellen begleiteten Züge. Die Musik ist feierlich. Die Schläge der Trommler spürt man im ganzen Körper.

Wie lang die einzelnen Züge sind, kann man gar nicht abschätzen. Sie winden sich schlangenförmig durch die Gassen. Dabei sind je nach Bruderschaft in verschiedenen Farben gekleidete Büßer mit ihren Ku-Klux-Klan-ähnlichen Kapuzen und unzählige Mädchen und Frauen, die die traditionellen Mantillas tragen. Die ganze Stadt scheint auf den Beinen zu sein. Oft warten die Menschen stundenlang, bis „ihre“ Gruppe vorbeikommt.

Jede Prozession führt entweder eine Christus- oder eine Marienstatue auf einer großen Trage mit sich. Die ganze Plattform wiegt bis zu 1,5 Tonnen und wird von 36 kräftigen Männern getragen. Immer wieder wird sie für kurze Zeit abgesetzt. Die Männer können während des Marsches so gut wie nichts sehen und werden von Begleitpersonen von außen „kommandiert“. Ein besonderer Moment ist jeweils das gemeinsame Anheben des „Paso“ auf ein Kommando hin, begleitet vom Applaus der Zuschauer. Dann bewegt sich der Zug mit der hin- und her schwankenden Figur wieder ein Stück weiter. Erst viele Stunden später ist die Prozession zu Ende.

Hier ein paar Eindrücke von den Feierlichkeiten

Für Kinder ein besonderes Erlebnis. Ihre Wachskugel wird immer größer, dank des Wachses, das die Büsser auf die Kugel tropfen.

Die Träger arbeiten im „Schichtbetrieb“ und müssen sich immer wieder abwechseln.

Ein Höhepunkt in Granada ist natürlich ein Besuch der Alhambra. Pro Tag werden in den ältesten Teil der Palastanlage, den Nasriden Palast, nur mehr rund 8.000 Besucher eingelassen. Auf dem Ticket ist die genaue Eintrittszeit vermerkt. Es sind daher zur gleichen Zeit immer nur kleinere Gruppen unterwegs, es gibt kein Gedränge und man kann die Pracht des Palastes der muslimischen Herrscher auf sich wirken lassen.

Ein paar Bilder aus dem Nasriden Palast der Alhambra

Gegenüber des Alhambra-Hügels liegen das alte arabische Viertel Albaicin und das Flamenco-Viertel Sacromonte. Von der Alhambra aus hat man einen prächtigen Blick darauf.

Unweit der Alhambra liegt der Sommerpalast der muslimischen Herrscher, der Generalife. Man erreicht ihn durch eine prächtige Parkanlage.

Vom Generalife spazieren wir wieder zurück zur Alhambra und genießen noch einmal den Blick auf auf Granada mit der riesigen Kathedrale

Zum Abschluss unseres Granada Besuches spazieren wir mit einer deutschen Führung (wir sind nur zu viert) 2 1/2 Stunden lang kreuz und quer durch das alte arabische Viertel Albaicin und nach Sacromonte. In Sacromonte, dem alten Zigeunerviertel, gibt es noch heute zahlreiche Häuser, deren hinterer Teil als Höhle in den Berg gegraben ist.

Auch eine Möglichkeit, sein Handy für ein Selfie zu montieren 😄. Hoffentlich hält die Konstruktion!!

Vom Viertel Albaicin aus hat man einen schönen Blick auf die gegenüber liegende Alhambra und die schneebedeckte Sierra Nevada

Schließlich erwartet uns nach der Rückkehr auf den Campingplatz noch ein prächtiger Sonnenuntergang

Mit diesen Bildern verabschieden wir uns für heute. Unsere nächsten Ziele sind: Die Bergwelt nördlich von Malaga, die weisse Stadt Ronda und Gibraltar.

Danke für Euren Besuch und bis zum nächsten Mal.

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2018 Südspanien | Kommentar hinterlassen

Über Cartagena an der Sierra Nevada entlang nach Granada

23. – 28. März 2018

Liebe Freunde,

Bisher war das Wetter ja ziemlich sprunghaft, windig bis Sturmstärke und kühl. Nun wird es von Tag zu Tag wärmer. So, wie man es vom Süden Spaniens erwartet.

Unsere Tour führt uns von Elche hinaus an die Küste und weiter nach Cartagena. Dann geht es zurück ins extrem trockene Landesinnere und entlang am Nationalpark Sierra Nevada bis Granada.

Hier die Route mit unseren Übernachtungsplätzen

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Nacht auf dem CP Marjal bei Elche ist stürmisch mit Böen bis 80 km/h. Ein Wunder, dass nichts beschädigt wurde. Für Mittag sind bis zu 100 km/h vorhergesagt. Wir packen daher unsere Sachen und „flüchten“ an die windärmere Küste, die bei Torrevieja erreicht ist. Vorbei an einer riesigen Saline, endlosen Gemüsefeldern und dem „Mar Menor“, dem größten „Lagunen-See“ Europas umfahren wir die alte Festungsstadt Cartagena.

Unser Ziel ist der Campingplatz Los Madriles beim kleinen Ort Isla Plana. N-37-34-46. W-1-11-42. 19,- € mit ACSI Card. Mindestaufenthalt ist 3 Tage. Der Platz zieht sich terrassenförmig am Hang hinauf und gilt als einer schönsten Überwinterungsplätze in Spanien. Dementsprechend viele Gäste sind auch schon Monate da. Zugegeben – es ist wirklich schön hier. Aber so lange Zeit auf einem Platz zu verbringen wäre nichts für uns – trotz beheiztem Meerwasser-Pool und allem sonstigen Komfort.

Blick von unserem Stellplatz aus auf die Bucht bei Isla Plana

Wir nutzen das schöne Wetter bei 26 Grad zu einer Rollertour und besuchen Cartagena und das östlich davon gelegene ehemalige Bergwerksgebiet, in dem schon Carthager und Römer Erz abgebaut haben. Es ist Palmsonntag und die Stadt hat sich schon für die Prozessionen der Semana Santa (Karwoche) bereit gemacht. Überall sind Sessel für die Besucher aufgestellt.

Wir wandern durch vormittags stark besuchte Fußgängerzone zum Hafen, zum römischen Amphitheater und hinauf zur imposanten Festungsanlage.

„Römische Musikkapelle“ auf dem Weg zur Palmsonntagsveranstaltung

Blick vom Kastell auf das Amphitheater, das später als Stierkampfarena genutzt wurde und schön langsam verfällt, wenn nichts unternommen wird. Der 50 m hohe Lift links im Bild bringt Besucher bequem zum Kastell hinauf.

Am Nachmittag fahren wir von Cartagena ostwärts ist das ehemalige Bergbaugebiet der Sierra de la Fausilla, auch als Sierra Minera bezeichnet. Die hier vorhandenen Erze gelten als Grund für die Besetzung Südspaniens durch die Carthager und später die Römer. 100 Jahre n. Chr. waren die Römer mit ihren technischen Möglichkeiten am Ende und der Bergbau stand für beinahe 2000 Jahre still. Mitte des 19. Jahrhunderts begann ein wahrer Erzrausch. Fast 40 Schmelzöfen waren im Einsatz und es entstanden Orte wie La Union und Portman. Die ganze Sierra wurde geradezu umgegraben. Der Niedergang setzte Anfang des 20. Jahrhunderts ein und heute ist – außer der zerstörten Landschaft und zahlreicher Industrieruinen – vom „Erzrausch“ nichts mehr geblieben.

Eines der letzten damals aktiven Unternehmen kippte noch Mitte des 20. Jahrhunderts täglich tausende Tonnen Abraummaterial in die Bucht von Portman, das mit hohen Konzentrationen an Schwermetallen und anderen Giftstoffen belastet war. Die ganze Meeresflora und -fauna ging zugrunde. Jahrelang ist nichts geschehen. Nun hat angeblich ein Unternehmen damit begonnen, riesige Becken anzulegen, das giftige Material zu recyceln und die Inhaltsstoffe zu verwerten. Im Hintergrund ist so ein gefülltes Becken zu sehen. Daneben befindet sich eines gerade in Bau

So schön kann es hier sein – wenn man Wasserqualität und Umfeld ausser acht läßt.

Aber es soll ja wieder so werden wie früher. Darauf trinken wir einen 🍺

Langsam wird es Abend und auf der 40 km langen Rückfahrt mit dem Roller wird es richtig kalt. Es ist halt doch noch nicht Sommer.

Am nächstem Morgen wollen mit dem Roller eine Küstentour unternehmen. Aber die Batterie ist leer und der Roller nicht zu starten. Warum, wissen wir bis heute nicht. Jedenfalls ging nichts mehr. Und das kleine Ladegerät, das ich sonst immer dabei habe, liegt zu Hause in der Garage. Wir können jedoch eines ausleihen und nach einigen Stunden läuft der Roller wieder. Für eine Tour ist es jedoch zu spät und so genießen wir einen Tag in der warmen Sonne.

Und dann grüßt auch noch die Heimat in Form einer „Österreich Wolke“ 😄

Es ist mittlerweile Dienstag, 26. März und wir wollen weiter nach Granada. Wir haben gehört, dass man Eintrittskarten für die Alhambra auf jeden Fall über das Internet vorbuchen muss, denn es werden pro Tag nur knapp 9.000 Tickets vergeben. Wir schauen also auf verschiedenen Ticketplattformen nach, jedoch überall das gleiche Bild. Zwei Wochen Wartezeit für eine Alhambra-Karte. Dann lesen wir im Campingführer, dass der Campingplatz Reina Isabel in La Zubia bei der Besorgung der Eintrittskarten behilflich ist. Und tatsächlich. Es gibt Karten für den 1. April.

Wir können uns also noch etwas Zeit lassen bis Granada und so fahren wir erst einmal an der Küste entlang bis kurz vor Almeria und biegen dann ab ins Landesinnere. Über Sorbas erreichen wir Taberna, das mitten in einer wüstenartigen gebirgigen Landschaft liegt. Es gibt hier das größte Solarforschungszentrum Europas mit einer riesigen Experimentieranlage, die man besichtigen kann – allerdings erst in 2 Tagen. So lange wollen wir aber nicht warten.

In der Nähe von Taberna gibt es dann noch 2 „Sehenswürdigkeiten“ für Filmfreunde. Hier wurden in den 1970er Jahren zahlreiche Italo-Western gedreht. Clint Eastwood hat hier seine ersten „Gehversuche“ in diesem Genre gemacht. Und auch die „Halunken“ Bud Spencer und Terrence Hill waren hier. Und dann wurde hier in jüngerer Vergangenheit noch nach dem „Schuh des Manitou“ gesucht. 😄

An zwei Orten blieben die Filmkulissen aus der glorreichen Western Zeit stehen, die man nun als Touristenattraktion mit Western Shows vermarktet. Einen der beiden, das Fort Bravo, besuchen wir und können hier auch gemütlich übernachten. N-37-02-53. W-2-25-47.

Da wird die „gute alte Westernzeit“ wieder lebendig

Showdown im Saloon

Selbst die Haus-Katze hat hier einen scharfen Blick 😄

Am nächsten Morgen ist es wolkenlos und die Temperatur steigt im Lauf des Tages noch bis 28 Grad!

Wir wollen weiter nach Granada und nehmen dazu die A 348, eine kurvige, aber schön ausgebaute Landstraße entlang der Sierra Nevada. Die Landschaft ist spektakulär und erinnert da und dort an den Westen der USA.

Direkt an der Straße liegt hoch über dem Tal die kleine Stadt Canjayar, die einen kostenlosen öffentlichen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung anbietet. N-37-0-49. W-2-44-42.

Dann tauchen die Berge der Sierra Nevada auf und begleiten uns bis Granada. Entlang der Straße gibt es zahlreiche Rastplätze, die auf Grund des geringen Verkehrsaufkommens durchaus auch als Übernachtungsplätze geeignet sind. Wir machen hier Mittagspause. Im Hintergrund sieht man den knapp 3500 m hohen Mulhacén, den höchsten Berg Festlandspaniens.

Helgas Bordküche liefert heute Dorade mit Risotto und Salat, dazu einen frischen Weisswein. 👍

Und so lustig kann der Abwasch sein 😄

Kurvig geht es weiter über Cadiar, Orgiva und Lanjaron bevor wir die Autobahn erreichen, die uns nach Granada bringt. Wir verlassen sie bei der Ausfahrt 132, um zum Campingplatz Reina Isabel in La Zubia zu gelangen. Der Platz ist klein, aber zum Glück haben wir schon per email für 4 Tage reserviert. N-37-7-28. W-3-35-9. Wegen der Karwoche gilt der Hochsaison Preis von 28 € pro Tag. Direkt vor dem Platz fährt der Bus (Linien 175, 176, 177) in kaum 30 Minuten bis zum Kongresspalast in die Innenstadt von Granada. Für die Kartenbuchung in die Alhambra werden 5 € pro Person berechnet. Es gibt ein Restaurant. Brot kann bestellt werden.

Liebe Freunde, soviel für heute. Im nächsten Bericht Näheres zu Granada und zur Semana Santa.

Wir wünschen Euch allen ein frohes Osterfest und freuen uns auf Euren nächsten Besuch auf unserem Reiseblog.

Bis bald. Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2018 Südspanien | 3 Kommentare

Vom Ebro Delta über Valencia in die Palmenstadt Elche

14. – 22. 3. 2018

Liebe Freunde, es geht weiter in den Süden. Hier die in diesem Bericht beschriebene Route

Auf der extrem stark von LKWs befahrenen N-340 fahren wir zunächst nach Peniscola, das sich wie ein kleines Gibraltar auf einem Felsen ins Meer schiebt, nur durch einen schmalen Streifen mit dem Land verbunden. Die „Stadt im Meer“ mit ihren hübschen, steilen Gassen wird gekrönt von einer mächtigen Templer-Zitadelle, die im 15. Jahrhundert Wohnsitz des Gegenpapstes Benedikt XIII war. Direkt am kleinen Hafen gibt es einen großen, gebührenpflichtigen Parkplatz, der mit dem Wohnmobil gut zu erreichen ist.

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz landen wir auf dem Campingplatz Tauro in Benicassim. N-40-2-14 O-0-2-27. Benicassim ist wie viele Städte an Spaniens Küste ein mit Hotels zugepflasterter Badeort. Aber um diese Zeit ist es extrem ruhig und man hat die lange Strandpromenade fast für sich allein. Von Benicassim aus gibt es einen Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse, die „Via Verde“, die man gemütlich entlang radeln kann.

Nach 2 Übernachtungen fahren wir bei sonnigem Wetter und frühlinghaften 22 Grad weiter nach Valencia. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nicht, was in diesen Tagen hier los ist. Südlich von Valencia, am Rand des Naturschutzgebietes Albufera, fahren wir zum Campingplatz Penedo. Ausgebucht. Der nächste Platz liegt nur ein paar Hundert Meter entfernt. Hier gibt es ein paar Restplätze zum doppelten Preis (37,- €) als normal. Der Grund: das alljährliche Falles Fest vom 15. – 19. März, zu dem ganz Valencia Kopf steht. Die Stadt ist ca. 7 km Luftlinie vom Campingplatz entfernt, aber bis hierher hört man die Feuerwerke, von früh bis spät. Der Campingplatz heißt übrigens „El Saler“ und liegt auf N-39-23-16. W-0-19-55.

Am nächsten Morgen kurz nach 7 Uhr knallt es bereits wieder in der Stadt. Es ist kalt geworden, windig und regnerisch. Direkt vom Campingplatz aus führt ein prächtiger Radweg am Meer entlang bis ins Zentrum. Der Lärm wird immer lauter. Wir sind gespannt.

Zunächst erreichen wir ein nach einer Überschwemmungskatastrophe vor rund 70 Jahren trocken gelegtes Flussbett. Es dient heute als Park und Erholungsgebiet. Hier wurde aus dem Nichts die „Stadt der Künste und Wissenschaften“ hochgezogen, ein bombastisches Projekt, das seinesgleichen sucht.

Valencia versuchte damit – und mit weiteren Großprojekten (Formel 1, Americas Cup etc.) – Anschluß an die Metropolen Madrid und Barcelona zu finden. Das Ganze fand offenbar in einem korrupten Umfeld statt, sodass die Stadt heute laut verschiedenen Berichten so gut wie pleite ist. Der Feierlaune der Bevölkerung tut das, zumindest beim Falles-Fest, keinen Abbruch.

Die Falles sind bis zu haushohe Figurengruppen aus brennbaren Materialien, die in mühevoller Arbeit durch namhafte Künstler und den Bewohnern der verschiedenen Stadtteile gebaut werden. Kostenpunkt bis zu 200.000 € – pro Stück. Am Ende des Festes werden sie um Mitternacht unter Aufsicht der Feuerwehr verbrannt. Ein Modell der besten Gruppe kommt ins Falles-Museum.

Tagelang ziehen 300 Musikkapellen, die einen unglaublichen Lärm produzieren, begleitet von tausenden prächtig gekleideten Trachtengruppen und Hunderttausenden Zuschauern durch die Straßen. Es ist für unsere Ohren fast unerträglich. Eine Flucht aus dem „Chaos“ ist kaum möglich, außer man rettet sich aus der Innenstadt in einen Randbezirk.

Schließlich ist es genug und wir fahren mit den Rädern zurück zum Campingplatz, begleitet vom sich langsam entfernenden Lärm. Das Erlebnis war jedenfalls einzigartig – und unser Hörvermögen ist auch unbeschädigt geblieben 😄

Am nächsten Morgen, es ist der 18. März, grüßt „wie gewohnt“ der Lärm der Knallkörper aus der Stadt herüber. Es ist kühl und windig und an die geplante Radtour durch das Naturschutzgebiet Albufera ist nicht zu denken. Also fahren wir weiter in der Hoffnung auf Wetterbesserung.

Vorbei an weitläufigen Reisfeldern, die die Basis für die Valencianische Paella liefern, und ausgedehnten Zitrusplantagen rücken die Berge langsam näher an die Küste heran.

Wir fahren bis Oliva auf den riesigen, aber netten Campingplatz „Eurocamping“, der ziemlich voll ist. Die ACSI Card wird akzeptiert. N-38-54-21. W-0-4-1. Es ist sonnig, aber extrem windig. Also gibt es nur einen kurzen Abendspaziergang an den prächtigen Strand mit Blick auf die Stadt Denia und ihren „Hausberg“, den Montgo.

Waschtag auf dem Campingplatz – bei Starkwind ist die Wäsche binnen kurzem trockenWegen des starken Windes bleiben wir einige Tage hier und warten „auf ruhigere Zeiten“. Schließlich lässt der Wind nach und wir machen doch noch eine kleine Radtour, vorbei ein unzähligen Orangenbäumen, die fruchten und gleichzeitig blühen.

Ein Speichenbruch an Helgas Rad wird notdürftig repariert

Letztes Ziel dieser Etappe ist die Palmenstadt Elche. Wir fahren an Calpe (einer einzigen völlig mit Hotels zugebaute Bausünde) und an Benidorm vorbei. Benidorm übertrifft alles, was man sich an spanischem „Hotel-Wahnsinn“ vorstellen kann – aber den Besuchern gefällt es offenbar. Über 300 Hochhäuser stehen auf engem Raum, eines dieser Monster ist 200 m hoch. Benidorm hat mehr 100 m hohe Wohnhausbauten wie z.B. Berlin, Barcelona oder Rom. Hier ein paar Fotos „im Vorbeifahren“

Wir durchqueren Alicante und erreichen bald darauf die Stadt Elche. Die ganze Innenstadt ist ein einziger Palmenwald, in dem sich die einzelnen Stadtviertel verteilen. 200.000 bis 300.000 Dattelpalmen sollen es sein, so genau weiss es niemand. Das Weltkulturerbe ist allerdings in Gefahr. Wie überall auf der Welt hat sich auch hier der asiatische Rüsselkäfer verbreitet, dessen Larven sich durch den gesamten Stamm fressen. Wird der Befall bemerkt, ist die Palme schon nicht mehr zu retten.

Wir verlassen Elche in Richtung Westen und erreichen kurz darauf den Campingplatz Marjal Costablanca in der Nähe von Crevillent. N-38-10-44. W-0-48-29. Diesen Platz muss man zumindest einmal gesehen haben. Im Niemandsland neben der Autobahn, allerdings gut davon abgeschirmt, wurde vor nicht allzu langer Zeit eine Anlage der feinsten Kategorie aus dem Boden gestampft. Schon der Check-In wirkt wie der eines Luxushotels. Hat man die Formalitäten erledigt, darf man auf den Platz mit seinen 1200 ! Stellplätzen, jeder mit Strom, Wasser, Abwasser und TV-Anschluß – und das ganze für nur 19,- € mit ACSI Card. Der Platz ist ziemlich voll, es sind zahlreiche Überwinterer hier.

Zugegeben – das ist nicht wirklich was für uns. Aber für eine Nacht macht es Spass: Restaurant, Tapas Bar mit Happy Hour Preisen von 18 bis 19 Uhr, danach Live Music für Oldies und gute Stimmung überall. Und wer Golf spielt und unbedingt will, findet hier sogar eine Putting Green Anlage. Dass es auch ein Fitness Studio, eine Pool-Landschaft, eine Spa-Bereich usw. gibt, braucht man eigentlich nicht zu erwähnen.

Der großzügige Wartebereich vor der Rezeption

So, liebe Freunde, das war’s für heute. Morgen früh gehts es wieder weiter – in Richtung Andalusien.

Liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2018 Südspanien | 6 Kommentare

Zu den Klöstern Santes Creus und Poblet und weiter ins Ebro Delta

11. – 13. März 2018

Liebe Freunde, wie im letzten Blog angekündigt, wenden wir uns nun Erbaulichem zu.

Vorher aber noch eine kleine Routenkarte zu dieser Tour

437C732B-62F9-4489-93CD-313198D3DFB8.jpeg

Wir verlassen Tarragona und fahren zum 30 km entfernten Kloster Santes Creus, einem von mehreren bedeutenden Zisterzienserklöstern in Katalonien aus dem 12. Jahrhundert. Die Zisterzienser entstammen dem Benediktiner Orden, der sich ihrer Meinung nach verweltlicht hatte und von der Ordensregel des Hl. Benedikt, „Ora et labora“ – „Bete und arbeite“ – weit entfernt war. Sie wollten „back to the roots“ und gründeten einen neuen Orden im Kloster Citeaux in Frankreich. Von dort aus verbreitete sich dieser „trotz“ oder „wegen“ der strengen Ordensregeln schnell über weite Teile Europas.

Die Klosterbauten der Zisterzienser sind groß und mächtig, aber von einer beeindruckenden Schlichtheit im Inneren. So auch das Kloster Santes Creus, das als Besonderheit zwei Gräber aragonesischer Könige und einen wunderbaren Kreuzgang besitzt. Es gibt eine Multimedia Schau und sehr gute Audioguide Informationen – man fühlt sich zurück versetzt in das mittelalterliche Klosterleben.

Wir parken auf dem riesigen Klosterparkplatz, auf dem wir auch die Nacht verbringen – wie man sieht ungestört vom „Trubel der Welt“. 😇

Frisch ausgeruht starten wir am nächsten Morgen zu einer 10 km langen interessanten Rundwanderung durch Mandelplantagen und Föhrenwälder zu einer Gruppe von Trockensteinhäusern, die den Landarbeitern in früheren Zeiten als Unterkunft für Mensch und Tier gedient haben. Die Wanderung ist im Rother Wanderführer „Costa Daurada“ beschrieben und heißt „Von Santes Creus zu den ‚Pedra Seca‘ von La Capone.

Vom Wanderweg hat man einen schönen Blick auf die Klosteranlage Santes Creus

Ein kleines Naturschauspiel auf dem Wanderweg. Tausende Schmetterlingsraupen machen sich im „Gänsemarsch“ auf den Weg zu ihren „Weidegründen“. Die Gruppen sind teilweise länger als 1 Meter.

Wir recherchieren bei „Tante Google“ und stellen fest, dass es sich dabei um die giftigen Raupen des „Prozessionsspinners“ handelt. Ihre Fressspuren sieht man deutlich an den kahlen Ästen vor allem junger Föhren.

Die weite Ebene wurde Jahrhunderte lang durch das Zusammentragen von Steinen nutzbar gemacht. Meterdicke, hohe Trockensteinmauern schützen den Boden vor dem Wind. Die Steine wurden auch zum kunstvollen Aufschichten von zahlreichen Trockensteinhäusern genutzt.

89533C81-8999-4A37-895D-6E71DA48248B580C824F-9FF1-4BBC-A9AA-3D62363E4450

Nach der Rückkehr ist noch Zeit, zu einem weiteren Zisterzienser Kloster zu fahren – zum Kloster Poblet. Poblet ist das größte und bedeutendste der katalonischen Zisterzienserklöster. Es wurde zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und ist Grabstätte mehrere Könige von Aragon. Es ist heute noch aktiv und wird von Mönchen bewohnt und bewirtschaftet.

Wir parken auch hier wieder auf dem riesigen, leeren Klosterparkplatz und bleiben über Nacht im Schutz der Klosterbrüder N-41-22-47. O-1-04-48

Die Klosteranlage Poblet mit ihren Weingärten96C71D1B-7125-483C-B8FD-8A31AB6AF419.jpeg

Am nächsten Morgen regnet es leicht. Wir fahren durch die Berge über Prades, das auf 1000 m Höhe liegt, weiter bis Reus und dann über Mora d’Ebre am Ebro entlang  nach Tortosa. 20 Grad, sonnig. So kann es bleiben.

Blick auf den ruhig dahinfließenden Ebro unweit der Küste0160E81A-FD8C-4038-8F32-D265386D1CCC.jpeg

Von Tortosa aus fahren wir hinaus ins Ebro Delta, vorbei an endlosen Reisfeldern. In wenigen Wochen werden die Flächen geflutet und das Auspflanzen der Reissetzlinge beginnt.9A86AFA5-9011-4426-84F4-D7501109C180.jpeg

Direkt am Nationalparkzentrum liegt die Casa de Fusta mit einem riesigen, kostenlosen Wohnmobil Stellplatz. N-40.6588. O-0.6749. V/E für 6 €. Es stehen schon geschätzte 50 Wohnmobile hier, trotzdem ist noch genug Platz für Neuankömmlinge. Gleich nebenan befindet sich ein schönes Restaurant und ein Turm zur Beobachtung der Tiere im Vogelschutzgebiet0589B4D5-7887-4808-A9F9-6B53837424F8.jpeg

5E71B241-1CCF-4CA1-BD23-EF9BF398B99C.jpeg

Soviel für heute. Nächste Ziele sind Peniscola, Benicassim und Valencia. Bis bald.

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 3 Kommentare

Über Genua und Barcelona nach Nordostspanien

5. – 11. März 2018

Liebe Freunde,

Hier sind wir wieder und freuen uns über Euren Besuch auf unserer Reiseblog-Seite.

Das Vorbereiten des Womos war heuer eine ziemlich frostige Angelegenheit. Eine Woche lang bis zu minus 12 Grad und jede Nacht ein wenig Neuschnee.

Am 5. März ist es dann soweit und die Reise kann los gehen. Wir fahren über Innsbruck und den Brenner Paß bis an den Gardasee. In Innsbruck weht ein warmer Föhn und es hat 15 Grad. So hätten wir uns das vorgestellt. Am späteren Nachmittag treffen wir auf dem öffentlichen Stellplatz der Gardasee Gemeinde Colá, der speziell für die Besucher des örtlichen Thermalbad eingerichtet wurde, ein. Der Platz ist riesig. Wir zählen über 200 Stellplätze, die samt und sonders zur Zeit leer sind. Der Platz kostet 1,- € pro Stunde. Man zahlt am Automaten. Es gibt 2 beheizte Toiletten und 2 Duschen. Sogar WLAN ist vorhanden. Der Platz ist für eine Übernachtung sehr zu empfehlen. N-45-28-5. O-10-44-59

Am nächsten Morgen startet wir bei leichtem Nieselregen und fahren bis an die Riviera westlich von Genua. Je näher wir Genua kommen, umso mehr Schnee liegt neben der Straße. Kurz vor Genua durchquert die Autobahn eine bergige Landschaft. Es sieht aus wie im tiefen Winter. Als wir schließlich Genua erreichen, ändert sich das Wetter zum Glück schlagartig. Es ist sonnig und hat 17 Grad 😎.

Im kleinen mittelalterlichen Ort Cervo finden wir einen privaten Stellplatz für die Nacht. 12 € inkl. Strom, Duschen und WC. N-44-55-46. O-8-6-19. Für eine Nacht zu empfehlen. Der Ort selbst liegt malerisch auf einem Hügel und ist einen Besuch wert.

Der nächste Tag bringt herrliches Frühlingswetter mit angenehmen 19 Grad. Wir fahren heute rund 300 km bis in die Gegend von Aix-en-Provence. Über Imperia und Ventimiglia erreichen wir die französische Grenzstadt Menton. So schön die Strecke zu fahren ist, die Durchfahrten durch die Städte sind ein Geduldspiel und wir kommen nur langsam voran.

Wir umfahren Monte Carlo und nehmen dann die Autobahn bis kurz vor Aix-en-Provence. Im kleinen etwas abseits gelegenen Ort Greasque gibt es bei einem Minen-Museum einen offiziellen Stellplatz der Gemeinde. N-43-25-58. O-5-32-3. Im Ortszentrum liegt ein großer Boule-Platz, auf dem geschätzte 50 Männer in mehreren Gruppen ziemlich professionell die Kugeln werfen. Wir nehmen am kleinen Sportplatzbuffet stilecht einen „Pastis“ und genießen den Abend. Am Morgen darauf kommt die Ortspolizei und kassiert die Stellplatzgebühr von 5 € inkl. Ver-/Entsorgung (V/E).

Am nächsten Tag wollen wir eigentlich bis Spanien durchfahren, aber es kommt anders. Schon auf der letzten Reise haben wir bemerkt, dass die Lade unter dem Spülbecken manchmal feucht ist. Leider haben wir vergessen, die Sache zu Hause reparieren zu lassen. Und heute der Schreck: In der Lade steht regelrecht das Wasser und das Spülbecken ist nicht mehr zu verwenden. Unsere Abdichtversuche scheitern und so suchen wir notgedrungen nach der nächsten Carthago-Werkstätte, die zum Glück bei Beziers liegt – und somit direkt an unserer Strecke. Dort stellt man fest, dass die Wasserarmatur gebrochen ist. Die Lieferung dauert ca. 5 Tage. Wir zahlen 400 €, lassen uns provisorisch eine gebrauchte Armatur einbauen und entschließen uns zur Weiterfahrt, nachdem nun wieder alles dicht ist. Das bestellte Teil soll uns direkt nach Hause in Österreich geschickt werden. Hoffentlich klappt das.

Bei Fitou in der Nähe von Leucate übernachten wir auf einem kleinen privaten Stellplatz. 7 €. Strom 2 €. V/E. N-42-53-33. O-2-59-48. Für eine Nach o.k.

Die nächste Etappe ist wieder ca. 300 km lang und führt uns – vorbei an Barcelona – auf den Montserrat mit seinem berühmten Klosterkomplex. Die Vergangenheit läßt grüßen: Vor 41 Jahren waren wir hier auf unserer Hochzeitsreise ❤️.

Gleich „um die Ecke“ liegt das Weinbaugebiet „Penedés“, die Heimat des „katalonischen Champagners“, des „CAVA“. Die Herstellungsmethode ist die gleiche wie in Frankreich, nur „Champagner“ darf er nicht genannt werden. So hat man die Bezeichnung Cava gewählt. Es gibt im Penedés zahlreiche Cava Hersteller, die wirklich gute Ware erzeugen. Die Perlage ist jedenfalls so fein wie die des französischen Champagners und „gut trinkbar“ ist er auch 🥂🥂.

Die kleine feine Cava-Kellerei ARTCAVA in der Nähe von Vilafranca del Penedés bietet einen kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz mit V/E an. Die Benutzung ist nicht an einen Einkauf gebunden. Abends gibt es für die Gäste die Möglichkeit, an einer Kellereiführung teilzunehmen und die Produkte des Hauses zu verkosten. Man freut sich natürlich über einen entsprechenden Einkauf und wir können die verschieden alten Cavas wärmstens empfehlen.

Vom Stellplatz aus hat man einen schönen Blick auf den Montserrat

Das nahe gelegene Sadurni d’Anoia ist so etwas wie die Hauptstadt des Cava. 80 Kellereien gibt es hier, darunter die zwei größten Hersteller Freixenet und Codorniu. Wir besuchen beide, bei Codorniu machen wir jedoch eine 1 1/2 stündige Führung mit. Die Anlage ist riesig, große Teile davon stammen aus der Zeit des spanischen Jugendstils und sind denkmalgeschützt. Die Jahresproduktion liegt bei 40 Millionen Flaschen. Freixenet ist noch deutlich größer.

Ein paar Eindrücke von Codorniu, das seit dem 16 Jahrhundert existiert und das älteste Unternehmen Kataloniens ist. Schon die Eingangshalle ist beeindruckend.

Die Produktionsanlagen von Freixenet ziehen sich geschätzt einen Kilometer entlang einer Bahnstrecke. Hier der historische Eingangsbereich

Wir fahren weiter an die Küste bei El Vendrell. In Bellvei finden wir unseren heutigen Übernachtungsplatz. Es ist ein privater Stellplatz mit allem Komfort. 8 €. Strom 3 €. Wifi verfügbar. Dusche. WC. V/E. N-41-14-46. O-1-34-11.

Der Sommer läßt grüßen

Nach so viel „leiblichem Genuß“ geht es jetzt zur „Besinnung“ in die Bergeinsamkeit – zu den prächtigen Zisterzienser Klöstern Santes Creus und Poblet. Vorher aber statten wir noch der alten Römerstadt Tarragona einen Besuch ab. Vorbei an einem römischen Amphitheater steigen wir zur Kathedrale hinauf. Auf der Rambla Nova findet heute, Sonntag, ein stundenlanger Corso von geschmückten Pferdegespannen, die verschiedene Motive aus der früheren Landwirtschaft darstellen, statt. Ein Erlebnis.

Liebe Freunde, damit es nicht zu viel auf einmal wird, sparen wir uns den Bericht zu den Klöstern und den weiteren Erlebnissen dieser Woche für’s nächste Mal auf. Bis dahin.

Liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2018 Südspanien | 7 Kommentare

An die Costa Brava

23.10. – 9.11.2017

Liebe Freunde,

bevor es zurück nach Hause geht, verbringen wir noch schöne Herbsttage an der Costa Brava mit Wanderungen, Rollertouren und auf gemütlichen Campingplätzen.

Nachdem dies der letzte Bericht unserer 2 1/2 monatigen Tour ist, vorab ein Überblick über die gesamte Reiseroute (Rot=Hinreise, Türkis=Rückreise)getmapimg

Von Barcelona aus fahren wir rund 100 km an der Küste entlang bis Calonge. Hinter Loret de Mar führt die kurvenreiche, gut ausgebaute Straße bergauf bergab durch eine prächtige Küstenlandschaft.

Wir bleiben 2 Nächte auf dem Camping Internacional de Calonge, einer weitläufigen Ferienanlage, die um diese Zeit fast ausgestorben ist. Der Platz ist ganzjährig geöffnet, die Stellplätze sind riesig. Im Sommer möchten wir als Wohnmobilfahrer nicht hier sein, zu groß ist dann der Rummel. Jetzt ist es aber angenehm ruhig auf dem gepflegten Areal. ACSI CC Card wird akzeptiert. 19,- € inkl. Strom pro Nacht. N-41-49-58  O-3-5-4. Der Strand ist ca. 300 m entfernt und über einen steilen Zugang erreichbar.

Direkt am Strand führt der Cami de Ronda, ein 200 km langer Küstenwanderweg, vorbei. Zwischen den Bettenburgen der großen Badeorte tut sich eine wunderbare, ruhige Küstenlandschaft auf, an der es sich prächtig wandern lässt.DSC02450DSC02448Attachment-1

Wir fahren weiter – auf der Suche nach einem netten Platz, auf dem wir die letzte Woche vor der Heimreise verbringen können.

Bei L’Estartit werden wir fündig. Der ganzjährig geöffnete Campingplatz Les Medes ist eine empfehlenswerte Adresse, um ein paar gemütliche Tage zu verleben. Top gepflegt und mit modernster Ausstattung kostet er mit ACSI CC 19,-. Selbst der kleine Supermarkt hat um diese Zeit noch geöffnet und es gibt sogar ein Hallenbad für den Winter. Der Platz liegt zwar nicht direkt am Meer, aber der Strand ist nach einem kurzen Fußmarsch schnell erreicht.

Am Abend radeln wir in den kleinen Ort L’Estartit. Hier an der Klippe endet der Weg.DSC02468

Am nächsten Tag steht eine Rollertour auf dem Programm. Wir sind ja hier sozusagen im “Dali-Land”. Drei Orte sind es, die man als Dali-Interessierter besucht haben muss. In Figueres waren wir schon auf der Hinreise. Bleiben noch Pubol und Cadaqués. In Pubol steht das mittelalterliche Schloss, das Dali seiner Frau Gala geschenkt hat und in Cadaqués/Portligat das aus mehreren Fischerhäuschen entstandene Domizil, in dem Dali viele Jahre lang gelebt und gearbeitet hat.

Mit dem Roller geht es erst einmal nach Pubol zur Schloss Besichtigung. Man sieht Galas Privaträume, Dalis Atelier der letzten Jahre, seinen Original Cadillac und einen prächtigen Phantasiegarten mit Skulpturen des Meisters.DSC02473

DSC02476

Dalis Frau Gala hat sich angeblich gerne mit jungen Männern umgeben Zwinkerndes SmileyDSC02493

Dalis Atelier der letzten JahreDSC02497

Sein Original Cadillac in der Schloss GarageAttachment-1

Zahlreiche “Hochbein-Elefanten” bevölkern den SchlossgartenAttachment-1

Über Ullastret, die antike Ibererstadt mit ihrem riesigen Ausgrabungsgelände und die prächtig erhaltene Mittelalterstadt Peratallada geht es zurück zum Campingplatz und zu einem netten Abend mit unseren schwedischen Campingnachbarn.

Stillleben mit Katze in PeratalladaAttachment-1

Wieder wartet ein sonniger Tag auf uns. Mit dem Roller fahren wir ein Stück südwärts über Palafrugell zum Cap Roig. Hoch über der Bucht liegt das Schloss mit einem weitläufigen, prächtigen botanischen Garten, in dem man stundenlang herumspazieren kann – immer mit Blick aufs Meer.DSC02572

DSC02573

DSC02580

DSC02584

Strand-Figuren aus TreibholzDSC02592

Noch einmal wechseln wir den Campingplatz. 30 km nördlich von L’Estartit liegt der kleine Ort Sant Pere Pescador. Bis 4. November hat der am Strand liegende Platz “Aquarius” geöffnet. Das passt genau, denn danach wollen wir die Heimreise antreten.

Der CP Aquarius ist vom ADAC empfohlen. Dementsprechend groß ist der Anteil deutscher Camper. Die Anlage ist top gepflegt und noch gut besucht. Der Supermarkt ist bis zum letzten Tag geöffnet. 19,- € mit ACSI CC. N-42-10-37  O-3-6-29.

Badewetter am menschenleeren Strand. Im Hintergrund die Stadt RosesDSC02612

Wanderung im nahe gelegenen Nationalpark Aiguamolls, einem Vogelparadies im Mündungsgebiet des Flusses Fluvia. Im Hintergrund ehemalige Reis-Silos und ganz hinten die Pyrenäen. Hier schließt sich der Kreis unserer Reise.Attachment-1

Und noch eine Rollertour, dieses Mal  über die Stadt Roses in den Nationalpark “Cap de Creus”, eine gebirgige Halbinsel nördlich von uns. Hier liegt auch Cadaqués, der langjährige Wohnort von Salvador Dali.800px-Dali_2012_099

Dali’s Haus in Cadaqués/Portligat ist heute ein Museum. Karten am besten via Internet vorreservieren. Vor Ort geht ohne stundenlanges Warten gar nichts.Dali Haus Cadaques

Auf dem Weg nach Roses liegt die 1967 gegründete Retortenstadt Empuriabrava mit der größten Marina Europas. Ein 30 km langes gitterförmig angelegtes Netz aus befahrbaren Kanälen durchzieht die Stadt und bietet rund 5000 Bootsanlegeplätze direkt an den Wohnhäusern.Empuriabrava

Empuiabrava 2

Vom Campingplatz aus sind es nur wenige Kilometer nach L’Escala. Ein Radweg führt gemütlich am Strand entlang bis zu den Ausgrabungen von Empúries, einem gigantischen Grabungskomplex, der sich vom Meer aus über einen ganzen Hügel erstreckt. Direkt am Badestrand liegt die ehemalige griechische Stadt, oberhalb die spätere Römerstadt DSC02630

Nach einem ausgiebigen Rundgang durch das Grabungsgelände steht die Sonne schon tief, gerade recht für ein Foto:

Herbstwiese im abendlichen GegenlichtDSC02601

Langsam leert sich der Campingplatz. Am Morgen des 4. November sind wir fast alleine auf dem riesigen Gelände. Es ist der letzte Tag, bevor der Platz für den Winter schließt. Und auch wir nehmen Abschied und machen uns auf den Heimweg.Selfie CP Aquarius

Liebe Freunde, danke für Euer Interesse. Unsere nächste Reise soll uns Anfang März bis Mitte Mai 2018 nach Süd- und Zentralspanien führen. Wir hoffen, Ihr seid auch dann wieder mit dabei.

Liebe Grüße

Helga und Willi

Anhang: Der Vollständigkeit halber führe ich hier noch unsere Übernachtungsplätze während der Heimreise an:

Palavas les Flots bei Montpellier: Offizieller perfekte organisierter Stellplatz in einer Marina. 24 Stunden Rezeption. Bewacht. Inkl. Strom und Entsorgung € 16,99                     N-43-31-51    O-3-55-24Attachment-1

Andance im Rhonetal, das wir über Montelimar und Valence erreichen. 3 markierte Wohnmobil Stellplätze direkt an der Rhone an einer Slip Anlage. Kostenfrei. 100 m entfernt ist eine öffentliche Toilette. Mülltonne. N-45-14-25  O-4-48-0.DSC02661

Damerey bei Chalon s/Saone: Von Chalon aus in Richtung Dole. Im kleinen Ort Damerey liegt ein Bauernhof, der für 10,- € Übernachtung, Strom und Ver-/Entsorgung anbietet. Sehr freundlicher Besitzer. N-46.8357  O-4.9893DSC02672

Fessenheim in der Nähe von Mulhouse südlich von Colmar: Großer Parkplatz für Wohnmobile neben dem Sportplatz. Supermarkt gleich daneben. Stellplatz und Entsorgung gratis. Im Supermarkt bzw. Restaurant bekommt man Jetons für Wasser und Strom.       N-47-55-9  O-7-31-53

Landsberg am Lech: Offizieller Wohnmobil Stellplatz auf einem Großparkplatz in der Nähe der schönen Altstadt. Für Wohnmobile markiert. 7 € für 24 Stunden. Strom 1 € pro 6 Stunden. N-48-3-21  O-10-52-21

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 5 Kommentare

Barcelona

17. – 23. 10. 2017

Barcelona, die katalonische Metropole, wartet auf uns. Wir wollten der Stadt eigentlich nur einen zweitägigen Besuch abstatten, geworden sind es dann 6 volle Tage. Fast 100 km waren wir zu Fuß kreuz und quer durch die sehenswerten Viertel zwischen Mittelmeer und den Hügeln im Nordwesten unterwegs. Barcelona ist tatsächlich ein außergewöhnliches Erlebnis. Nicht umsonst ist die Stadt rappelvoll mit Touristen.

Ich möchte hier nur ein paar ausgewählte Eindrücke wiedergeben. Alles andere steht in den unzähligen Reiseführern und Büchern, die über Barcelona geschrieben wurden.

Gleich am ersten Tag kaufen wir an der Bahnstation El Masnou unweit von unserem Campingplatz (she. letzter Blog) ein 10-Fahrten-Ticket für Bahn und Metro für günstige 20 €., später dann noch eine 4 Tages Metrokarte. Die Züge fahren in kurzen Abständen ohne Umzusteigen bis zur Placa Catalunya mitten ins Zentrum. Die Fahrt dauert nur knapp 30 Minuten.

Hier starten auch die Tour Busse zur “Hop-on-Hop-off” Stadtrundfahrt. Knapp 30 Euro kostet das Ticket, mit dem man hintereinander 2 verschiedene Touren fahren kann. Man fährt an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei und bekommt einen ersten Eindruck von der Stadt. Selbst wenn man an keiner der Haltestellen aussteigt, ist man dabei schon fast 5 Stunden unterwegs.

Gegen Abend spazieren wir von der Placa Catalunya die Rambles hinunter und genehmigen uns für 26 € ! zwei Gläser Sangria. Touristen wollen halt “geneppt” werden Smiley. Gut geschmeckt hat es aber jedenfalls.DSC02065

DSC02128

Direkt an den Rambles liegt der größte und lebendigste Lebensmittelmarkt der Stadt, der 6000 m2 große Mercat de la Boqueria. Das Angebot ist überwältigend.DSC02138DSC02142DSC02150DSC02152

Am nächsten Morgen wartet “das” Highlight von Barcelona auf uns: die Kathedrale “Sagrada Familia”, geplant und teilweise noch selbst umgesetzt von Antoni Gaudi, dem berühmten Architekten des spanischen Jugendstils “Modernisme”, der überall in der Stadt gegenwärtig ist. Seit 1882 wird an ihr gebaut. Als Gaudi 1926 starb, hatte er 43 Jahre an der Kathedrale gearbeitet. Er selbst rechnete mit einer Bauzeit von 200 Jahren. Im spanischen Bürgerkrieg stand der Bau still. Die meisten Baupläne und Modelle wurden durch Brände zerstört. Seit 1952 wird wieder gebaut, 2010 war die Eröffnung durch Papst Benedikt XVI. Im Jahr 2026 soll die Sagrada Familia fertiggestellt sein, zum einhundertsten Todestag von Gaudi.

Blick vom Montjuic, dem Hausberg Barcelonas, über die StadtDSC02410

Intensive Bautätigkeit an der Kathedrale. Es fehlt noch einiges, so auch die beiden Haupt-Türme, die noch höher als die bereits fertig gestellten Türme werden sollen.DSC02415

Gaudi hat die Kirche vielfarbig geplant. Noch sieht man davon wenig, aber angeblich soll sie bunt bemalt werden.DSC02096

Die Ostfassade wurde noch zu Gaudis Zeiten errichtet. Die anderen Fassadenseiten wirken deutlich moderner.DSC02205

Das Innere der Kathedrale macht sprachlosDSC02224

DSC02231

Blick in die Modellwerkstatt der DombaumeisterDSC02239

Eines der von Gaudi für reiche Bürger gebaute WohnhäuserDSC02062

Nicht weit von der Sagrada Familia liegt das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau, ein weiteres Beispiel für den “Zuckerbäcker-Stil” des Modernisme. Das Spital wurde ab 1905 errichtet und ist seit 1984 Weltkulturerbe. Näheres unter https://www.barcelona.de/de/barcelona-hospital-santa-creu.html

DSC02165DSC02170DSC02171

Wir fahren mit der Metro zurück zur Placa Catalunya und wandern durch das Barrio Gotic, zum Rathaus, zum Regierungsgebäude und zurück zu den Rambles. Über 20.000 Schritte zeigt die Fitness-Uhr. Entsprechend “lahm” sind die Füße. Zum Glück haben wir auf der Rückfahrt nach El Masnou Sitzplätze.

Ein neuer Tag … und neue Eindrücke.

Auf dem Montjuic, dem 213 m hohen “Hausberg” der Stadt, erstreckt sich ein ausgedehntes Erholungsgebiet mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Auch das Olympia Stadion befindet sich hier oben. Und das Museum “Joan Miro” mit zahlreichen farbig-fröhlichen KunstwerkenDSC02394

Blick vom Dach des Miro-Museums über die StadtDSC02395

Die Placa Espanya – vom Montjuic aus gesehen. Die ehemalige Stierkampf Arena beherbergt heute ein Einkaufszentrum. Der Lift davor bringt die Besucher zu einer rundum laufenden Aussichtsterrasse.DSC02416

Gegen Abend besuchen wir das ehemalige Rotlichtviertel “El Raval”, heute ein lebendiges Multi-Kulti-Gebiet mit vielen kleinen Geschäften und Lokalen. Mit Sangria und Mojitos beschließen wir den Tag.

Katzenskulptur” in El RavalDSC02275

Kreuzfahrt-Terminal im Hafen von Barcelona.  DSC02261

Eine Seilbahn führt über den Hafen bis hinüber zum MontjuicDSC02263

Letzter Tag in Barcelona. Heute geht es zunächst in den Nordwesten der Stadt, hinauf zum Parc Güell, einen an einem steilen Hang gelegenen, von Gaudi gestalteten, öffentlichen Erholungspark. Gaudi sollte hier im Auftrag seines Mentors Güell eine Reihe von Wohnhäusern für die “Reichen und Schönen” seiner Zeit errichten. Offensichtlich war die Hanglage jedoch zu mühsam zu erreichen und zu weit vom Zentrum entfernt. Die errichteten Musterhäuser fanden keine Abnehmer. Heute ist der wunderschöne Park ein Touristenmagnet.

Gaudis Wohnhaus, von dem er einen schönen Blick auf die Stadt und die Baustelle der Sagrada Familie hatte.DSC02307

DSC02310

Spazierweg im Park GüellDSC02323

Nachdem wir wieder kreuz und quer durch die unterhalb des Parks gelegenen Stadtviertel gewandert sind, fahren wir mit der Metro nach Barceloneta an den gut besuchten 4 km langen Stadtstrand. Es ist Samstag und die Menschen nutzen das milde Wetter zum Sonnenbad. Im Hintergrund der Port Olimpic.DSC02350

Sandkünstler bauen in mühevoller Arbeit wahre Kunstwerke auf. Die Kinder haben ihren Spaß daran, aber eigentlich wollen die Erbauer von den Passanten ein wenig “Bares” für ihre Mühe.DSC02357

DSC02360

Barcelonas Fischskulptur ist eines der vielen Kunstwerke der Stadt. Sie  befindet sich im Port Olimpic neben dem Hotel Arts, einem der höchsten Gebäude der Stadt.
Der bekannte Architekt Frank O. Gehry entwarf den Fisch für die Sommerolympiade von 1992. Er besteht aus Stein, Stahl und Glas. Die kupferfarbenen und glänzenden Metallplatten schimmern in der Sonne und verändern je nach Lichteinfall ihre Farbe.DSC02368

Liebe Freunde, das war’s aus Barcelona.  Viele von Euch werden die Stadt ja kennen. Diejenigen, die noch nicht hier waren, erwartet eine abwechslungsreiche Metropole mit vielen spannenden Gesichtern. Eine der schönsten Städte, die wir je gesehen haben.

Und dass Barcelona als Welthauptstadt der Taschendiebe gilt, können wir nicht bestätigen. Anders als in anderen Metropolen wie Rom, Valencia und Lissabon wurde ich hier nicht bestohlen Smiley

Bis bald von der Costa Brava, unserem nächsten Reiseziel.

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | Kommentar hinterlassen

Vom Baskenland nach La Rioja und über Zaragoza nach Barcelona

8.10 – 13.10.2017

Liebe Freunde,

wir verlassen Bilbao und fahren weiter ins Landesinnere in die baskische Hauptstadt Vitoria-Gasteiz. Die Stadt liegt inmitten eine ausgedehnte Ebene auf etwa 500 m Höhe und hat fast 250.000 Einwohner. Bedeutende Industriefirmen haben sich hier niedergelassen wie z.B. Mercedes-Benz Espana, Michelin Autoreifen und das Luftfahrtunternehmen Aernnova Aerospace.

Vitoria-Gasteiz bietet dem Wohnmobilreisenden einen angenehmen Übernachtungsplatz mit Ver- und Entsorgungstation im Bereich eines Großparkplatzes.      N-42-51-55          W-2-41-7. Der Platz ist gut besucht. Sollte er voll sein, so kann man auch auf dem Parkplatz daneben stehen.

Die äußerst sehenswerte Altstadt liegt etwa 3 km vom Wohnmobil-Stellplatz entfernt. Rund um den zentralen Hügel findet man zahlreiche Kirchen, romantische Gassen und beeindruckende Plätze.

Die gerade in Renovierung befindliche Kirche Santa Maria hat sich der Autor Ken Follet zum Vorbild für seinen historischen Roman “Die Tore der Welt” genommen. Er engagiert sich auch persönlich für die aufwendige Renovierung und so hat ihm die Stadt vor der Kirche ein Denkmal gesetzt.DSC01854

Am Ende unseres Stadtrundganges entdecken wir eine kleine feine Pintxos Bar mit kreativen KöstlichkeitenIMG_1848IMG_1849

Am nächsten Morgen fahren wir über Miranda de Ebro in das bekannteste Weinbaugebiet Spaniens, die kleine autonome Provinz “La Rioja”.

In Haro, das sich selbst als “Hauptstadt Riojas” bezeichnet, gibt es einen großen, aber trotzdem gemütlichen Campingplatz, auf dem wir uns für ein paar Tage einrichten. N-42-34-41  W-2-51-15. Der Platz liegt sehr zentral. Das Stadtzentrum und die bekannten Bodegas mit Weinverkostung können bequem zu Fuß erreicht werden.DSC01882

Schönes Lebensmotto unserer britischen Camping Nachbarn DSC01884

Im Zentrum von HaroDSC01888

Imposante Bodegas finden sich überall La Rioja ….DSC01903

Attachment-13 (007)

WeinverkostungIMG_1861

Attachment-14(009)

Stilleben im Innenhof ……Attachment-12

… und im WeinkellerDSC01909

Die nächste Verkostung SmileyDSC01910DSC01931

Auf Rollertour rund um Haro mit Blick auf die herbstliche WeinlandschaftDSC01937

DSC01951

DSC01939a

DSC01968

Architektonische Meisterleistung des weltbekannten spanischen Architekten Santiago Calatrava: Das Weingut “YSIOS”, das sich wie viele der großen Weingüter Riojas im Besitz eines internationalen Konzernes befindet, wird von Enthusiasten als “Kathedrale für den Wein” bezeichnet wird.DSC01963DSC01964

Nach mehreren Rollertouren und abendlichen Weinverkostungen verlassen wir La Rioja und machen uns auf den Wag nach Barcelona.

In Zaragoza übernachten wir auf dem städtischen Campingplatz am Stadtrand, der wegen eines 10 tägigen Stadtfestes fast voll belegt ist. Deshalb nimmt man auch stolze 30,- € für die Nacht. N-41-38-16  W-0-56-34.

Gemütlicher geht es auf unserem nächsten Übernachtungsplatz in Montblanc zu, der sich schon in der Nähe von Barcelona befindet. Das Weingut “Finca Heretat Masia Poblet hat Stellplätze für einige Wohnmobile und ein Restaurant vom Feinsten. (N-41-24-52.            O-1-10-22)   10,- € pro Nacht inkl. Ver-/Entsorgung. Strom 3,- €. Wenn man im Restaurant isst, zahlt man nichts für den Stellplatz. Es hat ab Nachmittag geöffnet. Zum Glück sind wir schon um 15 Uhr dort, denn später hätten wir keinen Tisch mehr bekommen. Die Besitzerin ist äußerst freundlich, spricht Englisch und Französisch und berät einen perfekt bei der Speisenauswahl. Es gibt sogar eine deutsche Speisekarte.DSC02021DSC02022

Am nächsten Morgen fahren wir an die Küste und erreichen bei El Vendrell westlich von Barcelona das Meer. Hier könnte man die Autobahn nach Barcelona nehmen. Wir entscheiden uns aber für die Küstenstraße, die nach Sitges kurvenreich, aber gut ausgebaut direkt am Meer mit schönen Ausblicken direkt in die Stadt führt.

Wir durchqueren Barcelona mitten durch das Zentrum. Es gibt zwar viel Verkehr, aber ohne Probleme erreichen wir die östliche Stadtausfahrt und das 10 km weiter gelegene El Masnou.

Hier gibt es einen Campingplatz, der ideal geeignet ist für die Besichtigung von Barcelona. Nur ein paar Hundert Meter entfernt ist die Bahnhaltestelle. Hier fährt in kurzen Abständen der Zug bis zur Plaza Catalunya mitten im Zentrum

Der Campingplatz El Masnou selbst ist einfach ausgestattet, aber es gibt eine kleine Bar mit Brotservice. Der Preis ist mit 30,- € pro Nacht zwar hoch, erklärt sich aber durch die Nähe zum Stadtzentrum. Wir bleiben 7 Nächte und sind positiv überrascht, dass man uns ungefragt nur 5 Tage berechnet!  (N-41-28-33  O-2-18-12)DSC02031

Soviel für heute und bis bald “in Barcelona”.

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 3 Kommentare

Im spanischen Baskenland – San Sebastian und Bilbao

4. – 7. 10. 2017

Liebe Freunde,

eigentlich hatten wir vor, noch einige Tage im französischen Baskenland zu bleiben. Leider leuchtet seit einigen Tagen die “Bremsbelag-Abnutzungsanzeige” im Display des Wohnmobils auf. Wir befürchten, dass die vielen langen Bergabfahrten in den Pyrenäen die Bremsbeläge vorzeitig abgenutzt haben. Von Saint-Jean-Pied-de-Port, dem Ende der letzten Etappe, ist es nicht weit nach Bayonne am Atlantik. Hier gibt es eine Fiat Werkstatt.

Um nicht einen Schaden an den Bremsscheiben zu riskieren, fahren wir daher schon heute bei sonnigem Wetter hinaus ans Meer. Die Werkstatt ist schnell gefunden und ein Techniker sieht sich unsere Bremsen an. Zum Glück sind die Beläge völlig in Ordnung. Möglicherweise ist bei der Fehleranzeige etwas defekt. Wir können also beruhigt weiterfahren.

Unser nächstes Ziel ist San Sebastian. Im Universitätsviertel gibt es einen offiziellen Wohnmobilstellplatz, der am Abend völlig ausgelastet ist. Man sollte also so früh wie möglich ankommen. N-43-18-28  W-2-0-52. Am Automaten zahlt man 3,30 für 24 Stunden.

Vom Stellplatz aus sind es etwa 2 km zur Playa de la Concha, dem von 2 Hügeln eingerahmten, sichelförmigen Sandstrand von San Sebastian. An der durchgehenden Promenade erreicht man nach nochmals 2 km die Altstadt am anderen Ende der Bucht.DSC01685

Prächtige Kandelaber am Eingang zur Altstadt, dahinter auf dem Hügel eine Christus StatueDSC01689

Was für die Spanier die Tapas, sind für die Basken die Pintxos. Diese unterscheiden sich durch besonders aufwendige Varianten von der einfacheren spanischen Art. In der Altstadt gibt es ein Vielzahl an feinen Pintxo Bars und wir haben das Glück, gleich eine der traditionsreichen zu finden. Sie heißt “Casa Alcalde”, wurde 1912 gegründet und gilt als eine der besten der Stadt. Der Tresen ist voll mit Köstlichkeiten und es fällt schwer, sich zu entscheiden.DSC01698

Unsere Wahl.DSC01703DSC01702

Nach der Stärkung mit Pintxos und Wein schlendern wir durch die freundlichen Altstadtgassen und die Boulevards der Neustadt bis wir wieder an der Concha ankommen. DSC01707

Das Abendsonne taucht die Bucht in warmes LichtDSC01713DSC01715

Je später es wird, umso mehr Menschen flanieren auf der Promenade an der Bucht entlang. Ein Hochzeitspaar nutzt das schöne Licht für Hochzeitsfotos DSC01759

Stillleben “Vergessene Rose am Strand” – hoffentlich kein schlechtes Omen für die beiden Rote RoseHerzRote RoseHerzDSC01674

Nach dem schönen Tag in San Sebastian mit 14 km Fußmarsch regnet es am nächsten Morgen leicht. Für 2 Tage ist richtig regnerisches Wetter “a la Biskaya” vorhergesagt. Also suchen wir in unseren Stellplatzführern nach einem netten Platz, um auf bessere Zeiten zu warten.

Nur wenige Kilometer westlich von San Sebastian liegt an einer langen Sandbucht der Ort Zarautz. Hier gibt es einen hoch über der Stadt gelegenen Campingplatz. N-43-17-22      W-2-8-45. Wir bekommen einen prächtigen Stellplatz mit direktem Blick vom Wohnmobil auf Stadt und Bucht. Ein Weg mit 400 Stufen führt die etwa 100 Höhenmeter hinunter zum Strand, an dem eine schöne Strandpromenade angelegt ist. Rechts das Meer, links ein kleiner Golfplatz.DSC01766

Auf dem Platz sind viele junge Leute. Überall hängen Neoprenanzüge zum Trocknen. Des Rätsel Lösung: Zarautz ist einer der Surf Hotspots am Atlantik mit entsprechend hohen Wellen. Es werden hier auch internationale Surf Wettbewerbe ausgetragen. Trotz des trüben Wetters tummeln sich geschätzte 50 Surfer in den Wellen.

Ein Gruppe junger Anfängerinnen beim TrockentrainingDSC01774

Ihr Kollege beherrscht sein Board bereits souverän.DSC01783

Nach 2 trüben Tagen scheint schließlich wieder die Sonne und  die Welt sieht durch die Wohnmobiltür gleich wieder freundlicher aus.Cooles SmileyDSC01792

Ab jetzt ist Schönwetter angesagt. Für die nächsten 2 Wochen höchstens ein paar Wölkchen. Nachts kühlt es zwar auf 10 Grad ab, tagsüber erreicht das Thermometer jedoch bis 29 Grad.

Von Zarautz fahren wir an der Küste entlang über Zumaia nach Deba. Hier beginnt eine enge Küstenstraße, die über Ondarroa bis Lekeitio führt. An den Steilhängen wachsen zu unserer Überraschung ausgedehnte Eukalyptus Wälder.

Hinter Lekeitio führt die Straße ins Landesinnere nach Gernika, die “Heilige Stadt der Basken”. Seit dem 10. Jahrhundert tagte hier der baskische Ältestenrat. Der Ort hat traurige Berühmtheit erlangt, als die deutsche Fliegerstaffel “Legion Condor” 1937 zur Unterstützung des faschistischen Diktators Franco dieses ausschließlich zivile Ziel bombardierte und dem Erdboden gleichmachte. Das berühmte Monumentalgemälde von Picasso, “Guernica”, erinnert an diese Gräueltat. Bis heute ist der Stumpf der uralten Eiche, unter der der Ältestenrat tagte, zu sehen. Er ist ein Nationalsymbol der Basken.

Obwohl zum Glück der Terror der baskischen Unabhängigkeitsbewegung ETA vorbei ist, ist der Gedanke an die Selbständigkeit nicht vergessen.DSC01804

Von Gernika ist es nicht mehr weit bis Bilbao. Die Straße wird breiter und kurz darauf sind wir mitten in der Stadt. Die Durchfahrt ist problemlos, es ist gerade Mittag und auf den Straßen ist es verhältnismäßig ruhig.

Bilbao bietet einen “Edel-Stellplatz” auf dem Kobetamendi Hügel hoch über der Stadt. Dort wollen wir hin. Unser Navi zeigt zwar die richtige Abzweigung, aber wir verpassen sie und nehmen die dann vorgeschlagene Alternative. Das hätten wir besser nicht gemacht. Auf einmal finden wir uns in einer sehr, sehr schmalen Gasse wieder. An Zurückfahren ist nicht zu denken, also “Augen zu und durch”. Irgendwie erreichen wir dann doch die “richtige” Straße und den Stellplatz. Wir lernen wieder einmal, dass vom Navi alternativ vorgeschlagene Straßen mit äußerster Vorsicht zu akzeptieren sind. Das “Kerlchen” hat zwar eine spezielle LKW-/Wohnmobil-Software mit allen Fahrzeug-Daten, nur ist leider das Datenmaterial der Karte dafür sehr mangelhaft. Das Geld für die LKW-Software kann man sich ruhig sparen. Wir haben nur schlechte Erfahrungen damit gemacht.

Zurück zum Stellplatz. Hoch über der Stadt mit prächtigem Blick hinunter liegt er auf zwei Terrassen. Große Parzellen, eine ständig besetzte Rezeption, Strom, Wasser an jedem Stellplatz. Brotservice. Toilette. 2 Entsorgungsstationen. Alles vom Feinsten. Dafür sind die 15 Euro pro Tag absolut gerechtfertigt. N-43-15-34  W-2-57-48.

Blick vom Stellplatz auf die Stadt. Im Vordergrund das Stadion von Athetico Bilbao. Dahinter, rechts neben dem Büroturm, liegt das Guggenheim Museum.DSC01795

Gleich unterhalb des Stellplatzes fährt Bus Nr. 58 für 1,25 € im 20 Minuten Takt bis direkt in die Altstadt (die ca. 4 km bis zur Altstadt könnte man auch gehen, aber man muss auch wieder hier herauf Smiley mit herausgestreckter Zunge) Der Bus auf dieser Linie fährt bis ca. 22.00 Uhr.DSC01796

Von der Altstadt wandern wir am Fluss entlang bis zum weltberühmten Guggenheim Museum. Die Stadt Bilbao war früher eine eher schmutzige Industriestadt mit Werften und Fabriken. Das ist alles verschwunden. Man sagt, dass die Verwandlung der Stadt mit der Errichtung des phantastischen Gebäudes des Museo Guggenheim und seiner Eröffnung 1997 begonnen hat. 1992 wurde der Plan verabschiedet, die Stadt und die Uferzonen des Nervion wieder lebenswert zu machen. Eine Vision, die Wirklichkeit geworden ist.

Das markante Gebäude des Guggenheim MuseumsDSC01814

Davor “Die Spinne”DSC01811

Daneben der Liebling der Einheimischen. “Puppy”,  ein vollständig mit Blumen bewachsener “Riesen-Terrier”. Als er abgebaut werden sollte, gab es massive Proteste der Bevölkerung. Im Scherz sagt man: “Wenn man schon so eine seltsame Hundehütte wie das Museo Guggenheim hat, dann braucht man doch auch ein Hundchen dafür” SmileyDSC01824,

Vom Guggenheim Museum wandern wir durch die Boulevards der Stadt zurück zur Bushaltestelle am Rand der Altstadt. Es wird schon dunkel und immer mehr Menschen tummeln sich in den Einkaufstraßen. Das ist südliche Lebensart.

Bevor wir zurück fahren, geht es noch in die Altstadt mit ihren “Siete Calles” (Sieben Straßen). Sie sind das Herz des historischen Zentrums mit einer einzigartigen Atmosphäre, zahlreichen Kneipen und Pintxo Bars. Auch hier können wir nicht wiederstehen und laden uns einige der Köstlichkeiten auf unsere Teller.

Spät am Abend kommen wir zum Stellplatz zurück und genießen nun den Blick auf das nächtliche Bilbao.DSC01847

Liebe Freunde, soviel für heute. Unsere nächsten Ziele sind die Hauptstadt des Baskenlandes, Vitoria Gasteiz und danach die Region “La Rioja”. Die Weinherzen schlagen schon höher Smiley 

Liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 5 Kommentare

Durch die Pyrenäen – der Westen

Montag, 25.9 – Dienstag, 3.10.2017

Liebe Freunde,

von El Pont de Suert geht es zunächst in Richtung Westen, quer durch eine beeindruckende Gebirgslandschaft. Am Morgen ist es noch kühl, später erreicht das Thermometer fast 30 Grad. Und mit diesem Temperaturmix geht es bis zum Wochenende weiter.

Die N-260 führt kurvig hinauf auf 1500 m und dann weiter bis Castejon de Sos. Durch die Schlucht Congosto de Ventamilla bringt sie uns nach Campo und dann weiter bis zum – zur Zeit fast ausgetrockneten – Stausee Embalse de Mediano und zum Städtchen Ainsa.

Durch die Schlucht Congosto de VentamillaDSC01243

Die mittelalterliche Altstadt von Ainsa liegt oberhalb der Neustadt auf einem HügelDSC01257

Ainsa ist als eines der schönsten mittelalterlichen Städtchen weit und breit bekannt. Für die zahlreichen Besucher wurde direkt am Eingang zur Burg ein großer Parkplatz eingerichtet, auf dem auch übernachtet werden kann. Die Parkscheinautomaten sind außer Betrieb; wahrscheinlich wird nur zu Zeiten des alle 2 Jahre stattfindenden Mittelalterfestes und bei anderen Veranstaltungen Parkgebühr verlangt.                            N-42-25.105’      O-0-08.063’.

Nördlich von Ainsa liegen die höchsten Berge der Zentralpyrenäen, der Aneto, der Posets und der Monte Perdido, alle an die 3.500 m hoch. Von der Burg in Ainsa hat man einige von ihnen schon im Blick. DSC01276

Nach einem Bummel durch die alten Gassen ……DSC01262

……. fahren wir heute noch weiter bis kurz vor die Grenze nach Frankreich. In Bielsa bleiben wir auf dem örtlichen Campingplatz.  N-42-37-42  O-0-13-45. Es handelt sich dabei um eine größere Ferienanlage, die zur Zeit jedoch so gut wie ausgestorben ist – ideal um die warme Abendsonne in Ruhe zu genießen.DSC01290

Am nächsten Tag wartet bei strahlendem Wetter eine 80 km Rollertour in zwei prächtige Bergtäler auf uns.

Von Bielsa aus fahren wir zuerst in das Valle de Pineta bis zum Fuß des Monte Perdido (3325 m, links im Bild). Die Straße endet in einem riesigen Talkessel eingerahmt von mehreren Wasserfällen. Auf dem Bergkamm verläuft die Grenze zu Frankreich und dahinter befindet sich mit dem “Cirque de Gavarnie” ein noch gewaltigerer Talkessel, den wir später noch erwandern werden.DSC01305

Zurück in Bielsa müssen wir ein paar Kilometer südwärts nach Salinas de Sin fahren. Hier beginnt die Straße ins Valle de Gistain. Anfangs breit, führt sie später durch eine enge Schlucht und durch einige ziemlich schmale Tunnel. Breit genug für den Roller – aber ziemlich eng fürs Womo.DSC01330

Dahinter weitet sich das Tal wieder und die Straße endet nach einigen Serpentinen beim “luftig” gelegenen Ort Gistain. Im angrenzenden Nationalpark liegt der “Posets”, mit     3371 m einer der höchsten Pyrenäengipfel.DSC01308

Am nächsten Morgen fahren wir zur französischen Grenze. An den Grenzübergängen von Spanien nach Frankreich gibt es große Supermärkte, die vor allem alkoholische Getränke deutlich billiger verkaufen wie in Frankreich. Aber auch das Preisniveau der übrigen Lebensmittel liegt unter dem französischen und viele Reisende, vor allem Franzosen, nutzen diese Einkaufsmöglichkeit.

Bevor der Tunnel von Bielsa (in fast 1900 m Höhe) eröffnet wurde, war hier Schluss mit dem Fahrzeugverkehr. In der Zwischenzeit kommt man bequem hinüber nach Frankreich. Vorbei an mehreren Schigebieten führt der kurvige “Abstieg” durch eine wunderbare BerglandschaftDSC01357

DSC01354

Am Fluss “Nest d’Aure” entlang erreichen wir das Städtchen Arreau und am Ende des Tales – schon in der Ebene – die Stadt Capvern-les-Bains. Die erste unserer Gastankflaschen ist leer und in Spanien sind die Autogas Tankstellen rar. In Frankreich ist es wesentlich einfacher und schon in Capvern können wir die Flasche an einer Gastankstelle wieder füllen.

Es ist noch früh am Nachmittag und so beschließen wir, weiter nach Lourdes und auf den dortigen offiziellen Stellplatz zu fahren. N-43-5-17  W-0-3-9. Der Platz befindet sich neben dem riesigen Busparkplatz und kostet 10,- pro Nacht + 2,50 für die Entsorgung + 2,50 für Wasser. Kassiert wird an der Einfahrt. Von hier erreicht man nach einem Spaziergang von 30 Minuten das Zentrum.

Wir waren 2011 schon einmal in Lourdes. Es hat damals stark geregnet, wir waren kurz an der Grotte und haben die Basilika und die unterirdische Kirche für 20.000 Menschen besucht. Es war Mai und Hochsaison. Unzählige zum Teil unheilbar Kranke wurden, eingehüllt in Regenmäntel, von ihren Betreuern durch die Grotte geschoben, in der Hoffnung auf Heilung. Die Stimmung war so bedrückend, dass wir eigentlich nie wieder hierher fahren wollten. Nun hat es sich aber auf Grund des Tourenverlaufs so ergeben und wir hoffen , dass das Ganze bei sonnigem Wetter nicht gar so deprimierend sein wird.

Und so ist es dann auch. Um diese Jahreszeit ist der Trubel deutlich geringer und man kann sich gar nicht vorstellen, dass jährlich 5 Millionen Pilger hierher kommen. Dieses Mal nehmen uns auch Zeit, durch “das andere Lourdes” zu spazieren. Abseits vom religiösen Bereich kann man durch die netten Altstadtgassen hinauf zum Kastell schlendern und den Abend genießen. Und so “versöhnen” wir uns schließlich doch noch mit der Stadt.

Religiöser Kitsch in den Läden rund um die BasilikaDSC01371DSC01370

Kranke Pilger auf dem Platz vor der BasilikaDSC01393

Die Mariengrotte ist Hauptanziehungspunkt für Millionen Pilger. Hier entspringt eine Quelle, deren Wasser an zahlreichen Wasserhähnen (kostenlos) zum Mitnehmen abgefüllt werden kann.DSC01398

Zum Glück gibt es bei 30 Grad Hitze nicht nur “heiliges Wasser”, sondern auch ein kühles Bierchen.DSC01415

Am Donnerstag fahren wir von Lourdes südwärts über Luz-Saint-Saveur bis nach Gavarnie, um in den “Cirque de Gavarnie” zu wandern. Wie oben schon erwähnt, liegt dieser gigantische Gebirgskessel auf der französischen Seite des Monte Perdido.

Gavarnie ist im Sommer hoffnungslos überlaufen; jetzt ist es jedoch angenehm ruhig. Es gibt außerhalb des Ortes einen offiziellen Stellplatz mit dem Nachteil, dass man von dort schon einmal einige Kilometer nach unten nach Gavarnie wandern muss, um zum Cirque-Wanderweg zu kommen. N-42-44-17  W-0-01-08.

Wir nutzen daher die Möglichkeit, schon am Ortsrand auf einem Wohnmobil – Parkplatz zu übernachten, zahlen am Parkautomaten die für Wohnmobile verlangten 8,- € für 24 Stunden und können von hier aus gleich zum Wanderweg gehen. Wer möchte, könnte nach der Rückkehr von der Wanderung zum Stellplatz hinauffahren. Das schon bezahlte Parkticket gilt dann auch dort oben.

Auf dem Weg zum “Cirque de Gavarnie”DSC01428

DSC01433

DSC01432

DSC01479

DSC01492

Am Ende des Talkessels,  umgeben von Drei Dreitausendern,  ist man fast sprachlos, so gewaltig sind die Felswände ringsum. Die Cascade de Gavarnie ist mit 423 m der höchste Wasserfall Europas. Auch wenn es auf dem Foto nicht so wirkt: es sind tatsächlich 400 m !!DSC01454

Am Freitag fahren wir wieder zurück nach Lourdes. Dabei bietet sich uns ein kurzer Blick auf die “Breche de Roland”, eine bekannte Gebirgsformation, die der Rolandssage nach vom Schwert des Helden in den Fels geschlagen wurde.DSC01507

Kurz nach Lourdes machen wir Halt in Betharram, um die dortige Grotte zu besuchen. Über 400 Stufen steigt man 80 m tief hinunter und wandert anschließend tief hinein in eine beeindruckende Tropfsteinlandschaft. DSC01522

Ein kleines Stück des Jakobsweg ist der von Kapellen gesäumte Kreuzweg beim Kloster von Betharram, den wir “tapfer” bis zur letzten Station hinauf stapfen.DSC01519

Am nächsten Morgen starten wir wieder zum “Seitenwechsel” nach Spanien. Leider macht uns ein Wettersturz einen Strich durch die Rechnung. Zunächst fahren wir durch die hügelige Landschaft westlich von Lourdes bis Laruns. Die Stadt ist gerade hoffnungslos überlaufen, der Stellplatz ist gesperrt, überall stehen Wohnmobile an den Straßen. Der Grund ist eine mehrtägige “Käsemesse” verbunden mit einem Volksfest.

Wir fahren daher weiter durch das Valle d’Ossau. Es beginnt zu regnen. Weil es schon spät ist, bleiben wir gleich hinter Laruns im kleinen Ort Les-Eaux-Chaudes stehen. Es gibt hier eine kleine Wohnmobil Entsorgungsstation und man kann an der Straße auch die Nacht verbringen. Nachts fährt hier so gut wie kein Fahrzeug und es ist angenehm ruhig.           N-42-57-8   W-0-26-24.

In der Früh regnet es noch immer und wir beschließen, den wenige Kilometer weiter oben liegenden Stellplatz von Fabreges für einen Ruhetag zu nutzen. Er liegt an der Talstation einer Seilbahn an einem jetzt fast leeren Stausee. Und es gibt auch hier eine Entsorgungsstation. Man steht ruhig auf einer ebenen Schotterfläche direkt am See.         N-42-52-39  W-0-23-42.

DSC01560

Die Ruhe wird nur unterbrochen von einer Kuh- und Eselgruppe, die laut bimmelnd zwischen den Wohnmobilen herumwandert. Besonders die Esel sind sehr zutraulich und betteln um FutterDSC01572

Am nächsten Tag in der Früh hat der Regen aufgehört und der Nebel lichtet sich. Die Straße auf den Col du Pourtalet (1800 m) ist gut ausgebaut und führt gemächlich zur Passhöhe. Genau so geht es auf der spanischen Seite wieder hinunter.DSC01586

Vorbei an einigen “künstlich angelegten” Ski-Orten ….DSC01589

……  erreichen Biescas und fahren am Ende des Tales westwärts in Richtung Pamplona. Im kleinen Städtchen Jaca nutzen wir noch den sehr guten örtlichen Wohnmobil Stellplatz, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. N-42-34-3  W-0-32-43.

Jaca hat sich übrigens mehrmals als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele beworben und gegen Nagano und später gegen Granada verloren. Übrig geblieben ist eine der größten Eishallen Spaniens. Man kann sich kaum vorstellen, dass so ein kleiner Ort eine derartige Veranstaltung hätte “stemmen” können – aber man war tatsächlich kurz vor der Zusage.

Von Jaca führt eine mautfreie Autobahn fast durchgehend bis nach Pamplona, vorbei am kilometerlangen Stausee von Yesa.  Im Sommer ist er ein Surfer- und Badeparadies. Jetzt ist der Wasserstand dafür schon zu tief abgesunken.DSC01607

Abseits der Autobahn säumt eine seltsam geformte Erosionslandschaft die Straße.image

Am frühen Nachmittag sind wir in Pamplona und fahren auf den nördlich der Stadt gelegenen Campingplatz Ezcoba. N-42-51-26  W-1-37-26. Der Platz kostet jetzt mit ACSI CC 19.- €. Ein 9 km langer durchgehender Radweg führt in die Altstadt. Es regnet wieder leicht und wir warten erst einmal auf besseres Wetter.

Am nächsten Morgen ist es noch wolkig und es soll ab Mittag wieder regnen. Wir verzichten deshalb auf die Radtour in die Stadt und fahren statt dessen auf den neuen offiziellen Stellplatz nahe der Altstadt. N-42-49-15  W-1-39-23.  Am Automaten bezahlen wir für 24 Stunden 10 € inklusive Strom und Frischwasser. Zu Fuß ist man von hier nach ca. 1 km am Schrägaufzug zur Altstadt von Pamplona.

Um diese Jahreszeit ist das Zentrum unglaublich ruhig. Offenbar sind die schönen Altstadtstraßen für Autos so gut wie gesperrt (außer mit Genehmigung). Man kann wunderbar bummeln und die Atmosphäre genießen – und man kann sich kaum vorstellen, dass hier im Juli zum Fest von San Fermin eine Woche lang das pure Chaos herrscht, wenn täglich die Stiere durch die Gassen zur Arena getrieben werden.

Einige vom großen Fest übrig geblieben Plakate an der Stierkampfarena erinnern noch daran.DSC01626

DSC01625

Vor der Arena steht ein Denkmal für Ernest Hemingway, der in seinen frühen Jahren mit seinem Roman “Fiesta” die Stadt weltberühmt gemacht hat.DSC01623

Pamplona liegt am Jakobsweg. Einschlägige Geschäfte bieten “Alles für den Pilger” an – von der Regenpellerine bis zum Blasenpflaster.DSC01633

DSC01634

Der “Toro “ ist allgegenwärtig – wenn auch nur für uns Touristen SmileyDSC01636

Heute Früh scheint wieder die Sonne – und wir brechen zur letzten Pyrenäen-Überquerung unserer Reise auf. Von Pamplona geht es über den Pass Ibaneta. Mit knapp 1000 m Höhe kann er unseren bisherigen Pyrenäenpässen nicht das Wasser reichen.

Durch ausgedehnte Wälder geht es hinauf zur Passhöhe. Hier oben liegt der historische Hintergrund der Roland-Sage. Ritter Roland, der den Rückzug seines Herrn Karl d. Großen gedeckt hat, fand hier 778 in einer Schlacht den Tod. Näheres bitte der einschlägigen Literatur zu entnehmen.

Roland zu Ehren hat man auf dem Pass ein steinernes Denkmal aufgestellt. Gerade als wir aus dem sonnigen Tal kommend die Passhöhe erreichen, fällt Nebel ein, sodass man den Stein von der Straße aus kaum sehen kann. Schließlich gelingt aber doch noch ein Foto von ihm.

DSC01646

Von der Passhöhe geht es bis Saint-Jean-Pied-de-Port stetig bergab – bis auf 200 m ü.M. Kurz vor der Stadt überqueren wir “wieder einmal” die Grenze.

Auf unserer großen Frankreich-Tour 2011 waren wir schon einmal hier. Und schon damals haben uns die baskischen Dörfer und Städte mit ihren wunderschönen weißen Häusern mit rotem Fachwerk und ebenso gefärbten Fensterläden fasziniert.

Saint-Jean-Pied-de-Port ist seit dem Mittelalter ein Zentrum für Jakobspilger. Hier laufen mehrere Jakobs-Routen zusammen. Der Grund dafür ist, dass der Weg durch die Pyrenäen nach Spanien hier am einfachsten zu schaffen ist.

Die Stadt bietet einen Campingplatz und einen Stellplatz mit Strom, Ver- und Entsorgung an. Wir nehmen den Stellplatz, für den am Automaten 7,- € zu entrichten sind.                  N-43-9-54. W-1-13-55.

Vom Platz aus ist es nicht weit bis ins historische Zentrum mit seinen prächtigen, teils Jahrhunderte alten Häusern.

DSC01654

DSC01658

DSC01648

20.000 Jakobspilger kommen jährlich durch Saint-Jean-Pied-de Port. Es gibt hier eine Registrierungsstelle, günstige Pilger-Unterkünfte und alles, was man sonst “zum Pilgern” braucht.DSC01656

DSC01659

Wer nicht mehr weiter will, der hängt sein Schuhwerk an den Nagel SmileyDSC01660

Liebe Freunde, das war’s von unserer Pyrenäen-Tour. Jetzt geht’s weiter an den Atlantik. San Sebastian, Bilbao, Burgos und La Rioja stehen als nächste Ziele auf dem Programm.

Zum Schluss zum Schmunzeln noch ein kleines Beispiel der “sorgfältigen” Übersetzungen französischer Hinweise ins Deutsche. Es geht darum, dass man als Wohnmobil Fahrer kein Schmutzwasser ablassen darf. Man beachte die letzte Zeile SmileyDSC01359

Bis bald und liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 3 Kommentare

Durch die Pyrenäen – der Osten

18.9. – 24.9.2017

Liebe Freunde

Bevor wir zur großen Pyrenäen Fahrt von Ost nach West aufbrechen, fahren wir noch einmal hinaus ans Mittelmeer. Kurz vor der Grenze zu Spanien – oder Katalonien, wie die Einheimischen sagen würden – liegt der Fischereihafen Port Vendres, der einen offiziellen Stellplatz für Wohnmobile anbietet. N-42-31-3  O-3-6-48. Am Morgen kommt die Stadtpolizei und kassiert den Stellplatzbetrag von 10,- €.

Vom Stellplatz aus erreicht man zu Fuß in ca. 20  Minuten den Yachthafen und die Stadt.DSC01016

Port Vendres ist ein Fischereihafen. Heute kommt aber nur ein kleineres Fangschiff an. Das Ausladen des Fangs wird von Touristen und Einheimischen interessiert beobachtet.DSC01030

Offenbar wurde hier mit Schleppnetzen gefischt, denn es muss erst mühsam sortiert werden, was verkaufbar ist. Der Rest kommt zurück ins Wasser.DSC01020

Das ganze sieht ja nicht wirklich appetitlich aus SmileyDSC01029

Von Port Vendres aus fahren wir an der Küstenstraße weiter über die spanische Grenze. Die beiden Grenzstädte Cerbere und Portbou haben riesige Gleisanlagen eingerichtet. Die spanische Eisenbahn hat eine andere Spurweite wie die französische. Also musste umgeladen werden. Heutzutage gibt es aber bereits technische Möglichkeiten, die Waggons “umzuspuren”.DSC01036

Unser Zwischenziel am heutigen Tag ist die katalonische Stadt Figueres, die Geburtsstadt des exzentrischen Künstlers Salvador Dali. Im ehemaligen abgebrannten Theater hat Dali selbst ein Museum gestaltet, das wahre Touristenmassen anzieht. Interessanterweise auch zahlreiche Russen. Auf den Speisekarten steht das Angebot in russischer Sprache ganz oben.

Der Meister persönlich       DSC01056

Im Hof des MuseumsDSC01072

Ein beliebtes FotomotivDSC01062

Von Figueres aus fahren wir wieder an die französische Grenze zurück. In der Grenzstadt La Jonquera ist die Hölle los. Massen an Franzosen kaufen in den zahlreichen Einkaufszentren und Geschäften ein, was das Zeug hält. Tatsächlich ist das Preisniveau in Spanien deutlich niedriger als in Frankreich.

In der Nähe der Stadt Ceret, in der schon Picasso und andere Maler seiner Zeit gearbeitet haben, bleiben wir auf dem sehr guten Stellplatz in Maureillas-las-Illas, dessen Sanitärbereich gerade völlig erneuert worden ist. N- 42-29-13  O-2-48-26

Von Ceret geht es durch das Tal des Tech über die Berge wieder an die spanische Grenze. Auf dem Col d’Ares in 1500 m Höhe gibt es ein mittägliches PicknickDSC01080

Übrigens: Wir sprechen hier immer von spanischer Grenze. Die meisten Katalanen sehen das anders und fühlen sich nicht als Spanier. Die Magnolie ist dabei ein Symbol für die Freiheit Kataloniens.DSC01085

Dieser Stein an der spanischen (katalonischen) Grenze sagt es noch deutlicher. Hier ist nicht Spanien. Spanien beginnt erst 210 km weiter.DSC01082

Über Mollo und Camprodon erreichen wir die Kleinstadt Ripoll mit einem offiziellen Gratistellplatz direkt gegenüber der Kathedrale Santa Maria. N-42-12-9  O-2-11-37

DSC01086

Ripoll präsentiert sich uns als freundliche Stadt; die Kathedrale ist ein wahres Schmuckstück mit einem prächtigen Eingangsportal. Als ich im Internet etwas über die Stadt suche, stoße ich auf mehrere Artikel, die sich auf den Terroranschlag im Sommer auf der Rambla in Barcelona beziehen. Acht der zumeist jungen Terroristen kamen aus Ripoll. Es waren ganz normale junge Männer mit marokkanischem Hintergrund, die hier aufgewachsen sind und nie auffällig waren. Sie gingen nicht in die Moschee und niemand kann sich erklären, wie sie sich radikalisiert haben.

Am nächsten Tag wollen wir hoch hinaus – über die Berge nach Andorra. Vorher aber heißt es noch, die Windschutzscheibe zu säubern, damit uns auch ja nichts entgeht.DSC01116

Von Ripoll geht es zunächst über eine Gebirgsstraße hinauf auf 1800 m, und – vorbei an einigen Schigebieten – hinunter nach Puigcerda. Wir überqueren hier wieder die Grenze nach Frankreich und fahren über eine breit ausgebaute Straße auf den 2000 m hohen Col de Puymorens.

Noch einmal geht es bergab und dann über die Grenze nach Andorra. Andorra ist nicht Mitglied der EU und fast steuerfrei. Kurz nach der Grenze in Pas de la Casa stehen große Einkaufstempel. Das erklärt die Kolonnen französischer Autofahrer, die sich hier herauf zum Einkaufen begeben.

Die gut ausgebaute Straße führt nun auf den Pass Port d’Envalira, mit 2400 m wahrscheinlich der höchste Punkt unserer Reise.DSC01121

DSC01128

Oben angekommen passieren wir die angeblich höchst gelegene Tankstelle Europas, sicher aber die billigste. Diesel kostet aktuell 93 Cent.DSC01134

DSC01135

Nun geht es stetig bergab. Man hat den Eindruck, bis zur Hauptstadt wäre alles ein einziges Schigebiet. Schließlich erreichen wir auf etwa 1000 m Andorra La Vella – das Chaos schlechthin. Autoschlangen wälzen sich durch die Stadt. Alle wollen billig einkaufen. Als wir schließlich den Parkplatz Nr. 23 passieren, ohne einen Platz für unser Wohnmobil gefunden zu haben, verzichten wir auf einen Stadtbesuch und fahren weiter.

Blick auf Andorra La VellaDSC01139

Im nächsten Ort liegt das River Einkaufszentrum mit einem eigenen kostenlosen Wohnmobil Stellplatz. N-42-27-11  O-1-29-11. Es gibt eine Ver- und Entsorgungsmöglichkeit und man kann über Nacht hier stehen bleiben.

Wir aber suchen einen Platz mit einem angenehmeren Ambiente und fahren weiter bis nach La Seu d’Urgell. Die alte Bischofstadt bietet einen deutlich angenehmeren Stellplatz an.    N-42-21-31  O-1-27-53.

Die romanische Kathedrale mit ihrem KreuzgangDSC01144

Überall in Katalonien zur Zeit das selbe Bild. Es geht um das Referendum am 1. Oktober, bei dem die Katalanen über ihre Unabhängigkeit von Spanien abstimmen sollen.DSC01147

Die Altherrenrunde am Springbrunnen scheint es wenig zu kümmern. Oder doch nicht. Vielleicht diskutieren sie ja gerade darüber, ob die Unabhängigkeit kommen soll oder nicht. Angeblich ist die Mehrheit der Katalanen gar nicht so überzeugt davon. Es scheint eher ein nationalistisches als ein wirtschaftliches Thema zu sein.DSC01148

La Seu d’Urgell hat noch eine Besonderheit aufzuweisen. 1992 – bei den Olympischen Spielen in Barcelona – wurden hier in einem künstlich angelegten “Wildwasser-Kanal” die Slalombewerbe der Kanuten ausgetragen. Heute können hier Freizeitpaddler ihr Training abhalten, aber auch große Wettbewerbe finden noch statt.DSC01151

DSC01153

Und weiter geht’s – auf kurvenreicher Strecke 1000 m hinauf und wieder hinunter – nach Sort, einem bedeutenden Rafting Zentrum. Durch ein Tal mit einer Felsenlandschaft, die ein wenig an die Canyons im Westen der USA erinnert, erreichen wir “La Pobla de Segur”. Die Stadt bietet einen kostenlosen Stellplatz an einem Freizeitgelände an. Ver- und Entsorgung und sogar zwei kostenlose Stromanschlüsse sind vorhanden. N-42-14-18        O-0-57-57 !!! Ja- richtig gelesen. Wir sind fast auf dem Null-Längengrad angekommen. Zur Zeit geht hier die Sonne um 8.00 Uhr auf und um 20.00 Uhr unter.DSC01167

Ein Wort zur Stellplatz-Situation. Wir wussten von mehreren Frankreich Reisen, dass es dort eine Vielzahl von öffentlichen Stellplätzen gibt. Man braucht also nur selten einen Campingplatz. In den spanischen Pyrenäen hätten wir das nicht erwartet. Aber bisher ist alles einfach perfekt.

Irgendwann aber brauchen wir wieder einmal eine Waschmaschine. Wir suchen daher einen Campingplatz und finden nördlich von El Pont de Suert den Platz Baliera, ruhig an einem Fluss gelegen und mit einer sehr guten Ausstattung. N-42-26-21  O-0-41-56

Pyrenäen-Landschaft auf der Fahrt nach El Pont de SuertDSC01177

Waschtag auf dem Campingplatz BalieraDSC01190

Ein paar Kilometer vom Campingplatz Baliera entfernt liegt ein beeindruckendes Tal, das Vall de Boi. Es liegt am westlichen Rand eines ausgedehnten Nationalparks und ist schön mit dem Roller zu befahren, vor allem bei wolkenlosem Himmel und weit über 20 Grad. An der Staumauer am Ende des Tals auf 1800 m ist für Fahrzeuge Schluss.DSC01211

DSC01214

Das Gebimmel einer vermeintlichen Kuhglocke stellt sich als Irrtum heraus. Die Glocke wird von einer Leitstute getragen, die von ihrer Gruppe begleitet wird.DSC01218

Das Vall de Boi ist UNESCO Weltkulturerbe. Ganze 9 romanische Kirchen aus dem 11. – 13. Jahrhundert finden sich auf wenigen Kilometern. Der Baustil wird als “Lombardische Romanik” bezeichnet. Die Türme erinnern auch wirklich an Italien. Man nimmt an, dass die damaligen Bauherren italienische Baumeister und Arbeitskräfte “abgeworben” haben. Hier einige Beispiele.DSC01226

DSC01234

DSC01235

Und wie überall weht auch hier die katalanische Flagge. Es wird spannend am 1. OktoberDSC01236

Liebe Freunde, das war’s wieder einmal. Die nächste Tour wird uns in den Bereich der Hochpyrenäen und dann weiter in den Westen führen. Wir waren ja schon 2011 in den französischen Pyrenäen unterwegs. Daher werden wir uns dieses Mal mehr im spanischen Teil aufhalten. Im Blog Archiv finden sich bei Interesse unsere Erlebnisse von damals.

Bis bald – Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 4 Kommentare

Durch die Cevennen; an den Strand bei Agde; über Narbonne nach Lagrasse und zu den Katharerburgen Peyrepertuse und Queribus

9.9. – 18.9.2017

Liebe Freunde,

vom Rhone Tal geht es nun westwärts durch die einsame Gebirgsgegend der Cevennen. Die Route führt zunächst nach Alès, Anduze und St. Jean du Gard und über enge kurvige Bergstraßen bis nach Meyrueis am Jonte Fluss. Es ist kalt geworden. Auf 1000 m hat es nur mehr 11 Grad.

Wir bleiben über Nacht auf dem Campingplatz Le Champs d’Ayres. 17,- €, N-44-10-51.  O-3-26-9.

Am nächsten Morgen fahren wir durch das malerische Tal der Jonte in Richtung Millau.  Zahlreiche Geier, die hier vor Jahren wieder angesiedelt wurden, kreisen am Himmel.

Bei Millau überspannt eine spektakuläre Autobahnbrücke die Schlucht des Tarn Flusses. Sie wurde 2004 eröffnet, ist mit 2460 m die längste Schrägseilbrücke der Welt und mit einer maximalen Pfeilerhöhe von 343 m das höchste Bauwerk Frankreichs.DSC00786

Hinter Millau nehmen wir die Autobahn in den Süden nach Beziers. Das ca. 110 km lange Teilstück ist mautfrei. Schnell erreichen wir einen unserer Lieblingsbadeorte an der Mündung des Herault ins Meer – das unweit von Agde gelegene La Tamarissiere. Es gibt hier einen der ganz wenigen naturbelassenen Campingplätze der ganzen Küstengegend. Man steht prächtig in einem riesigen Pinienwald. Der Platz schließt am 15. September und dementsprechend leer ist es schon. Er liegt bei N-43-17-12. O-3-26-32.

Leider weht ein kräftiger kühler Wind und auch die Wassertemperatur lädt nicht mehr zum Baden einDSC00789

Der fast menschenleere Strand gehört nun den Schatzsuchern, die mit Metalldetektoren nach Wertvollem suchen, das die Touristen im Sommer verloren haben.DSC00793

Am nächsten Tag fahren wir – nun schon zum dritten Mal – am Canal du Midi entlang 25 km bis nach Beziers. Es ist immer wieder schön, hier zu radeln.DSC00884

Das verdiente Mittagessen unter Platanen auf dem prächtigen Boulevard im Zentrum von BeziersDSC00823

Der ganze Boulevard ist heute ein bunter FlohmarktDSC00839

Die berittene Polizei sorgt für Ordnung. Die “Äpfel” ihres Pferdes werden von der Polizistin (links unten im Bild) sorgsam eingesammelt und entsorgt. Die Statue im Hintergrund stellt den Erbauer des 240 km langen und 1681 fertiggestellten Canal du Midi, Pierre-Paul Riquet, dar.DSC00868

Nach dieser schönen Radtour fahren wir weiter nach Narbonne. Es ist heiß mit bis zu 33 Grad. Die Stadt liegt am Canal de la Robine mit Anschluss an den Canal du Midi und war die erste römische Kolonie außerhalb Italiens. Sie verfügt über ein bedeutsames Gebäude-Ensemble mit Bischofssitz und einer Kathedrale, von der nur der Chor fertiggestellt wurde. Er gehört mit 41 m Chor Höhe zu den höchsten Frankreichs. Man kann sich kaum vorstellen, wie kühn der Plan für die ganze Kathedrale gewesen sein muss, wenn schon der Chor derart monumental ist. Wahrscheinlich ist den Bauherrn im 13. Jahrhundert das Geld ausgegangen oder man hat sich bautechnisch zu viel zugemutet.IMG_0250

Am Canal de la Robine. Im Hintergrund in Bildmitte links der Bischofspalast – rechts davon das Dach des Chors der KathedraleDSC00918

Auf dem Platz vor der Kathedrale hat man einen Teil der alten Römerstraße “Via Domitia” freigelegtDSC00910

Unser heutiges Ziel ist das mittelalterliche Dorf Lagrasse, westlich von Narbonne. Es gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Die mittelalterliche Bausubstanz ist nahezu vollständig erhalten. Der Ort verfügt über einen großen Wohnmobil Stellplatz mit Ver- und Entsorgung und einen prächtig hoch oberhalb gelegenen gemeindeeigenen Campingplatz. 13,- € + 3,-€ für Strom. N-43-5-43. O-2-37-5.

Blick vom Wohnmobil auf Lagrasse. Rechts im Bild die alte Abtei.DSC00922

Die alte Brücke führt vom Ort zur Abtei DSC00934

Südlich von Lagrasse liegt die Landschaft der “Corbieres” – eine Hügellandschaft in den Vor-Pyrenäen und ein endlos scheinendes Weinbaugebiet. Wir sind im Land der Katharer, einer religiösen Volksgruppe, die vom 12. – 14. Jahrhundert hauptsächlich im Süden Frankreichs gelebt hat. Sie standen im radikalem Gegensatz zur katholischen Kirche, lebten asketisch und wurden vom südfranzösischen Adel unterstützt. Nachdem sie der Kirche zu mächtig geworden waren, rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen sie auf.

Die letzte Zuflucht vor ihrer Vernichtung fanden sie in mehreren heute als Ruinen erhaltenen Katharerburgen, von denen wir zwei besuchen werden.

Die erste heißt “Peyrepertuse”. Sie liegt hoch oben auf einem Felsen über dem Dorf Duilhac und ist von der Ferne aus kaum vom Felsmassiv zu unterscheiden.DSC00947

Der Ort Duilhac verfügt über einen schönen kostenlosen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung. N-4251-41. O-2-33-53.

Eine Serpentinenstraße führt hinauf zur Burg. Mit kleineren Wohnmobilen kann man hinauf fahren. Wir aber nehmen unseren Roller. Beim Näherkommen erkennt man die verschiedenen Gebäudeteile hoch oben auf den Felsen.DSC00953

Die Anlage besteht eigentlich aus zwei Burgen. Der Anstieg zur ersten ist ziemlich steil. Zur zweiten führt dann eine teilweise betonierte und mit einem Geländer versehene  Treppe hinauf. Beim letzten Besuch 2006 gab es statt des Geländers nur Seile und ein Eisengestänge, an dem man sich “hochziehen” konnte und die Stufen waren glatt und rutschig.DSC00965

Der Blick von oben ist grandios. Man sieht vom Mittelmeer bis zu den Pyrenäen Gipfeln. Bei starkem Wind muss man hier oben allerdings vorsichtig sein.DSC00959

Weit im Hintergrund sieht man die zweite Burg, die wir morgen besuchen werden. Sie heißt Queribus und sieht zunächst wenig spektakulär aus. DSC00968

Mit dem Roller fahren wir bis zum Einstieg des Burgfelsen. Ab hier geht es zu Fuß weiter.DSC00982

Prächtig ist der Blick zu den schneebedeckten Pyrenäen Gipfeln. In Bildmitte erkennt man den Pic du Canigou, 2785 m hoch. Er gilt als “heiliger” Berg der Katalanen und ist ein Symbol für deren Einheit.DSC00970

Der Aufstieg zur Burg ist lang und steil mit atemberaubenden Tief- und Fernblicken.DSC00978

Von unserem Stellplatz in Duilhac aus fahren wir am nächsten Tag mit dem Roller zu einem landschaftlichen Highlight der Gegend – die Schlucht von Galamus. Was mit dem Roller kein Problem ist, ist für Autos eine Herausforderung. Die Straße ist so eng, dass es kein Umdrehen gibt. Die maximale Durchfahrtshöhe ist 2,70 m. Wir sind 2006 mit unserem Pössl-Kastenwagen durchgefahren und haben uns heuer gefragt, wie das eigentlich möglich war.

Blick in die Schlucht und auf die oberhalb verlaufende Straße. Wenn man genau schaut, kann man einige Fußgänger erkennen.DSC00989

Entgegenkommende Fußgänger sind ja kein Problem …..DSC00994

…. aber bei Autos wird’s schon ganz schön eng SmileyDSC00998

Übrigens – in Frankreich kann man ihn noch häufig sehen – den Wunschtraum aus Studententagen SmileyDSC00939

Und zum Abschluss noch ein “Wohnmobil mit 2 PS” SmileyDSC00941

Liebe Freunde, das war’s wieder einmal. Bei uns geht’s jetzt weiter an die Küste bei Perpignan und dann kreuz und quer durch die französischen und spanischen Pyrenäen an den Atlantik.

Bis bald

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 3 Kommentare

Verdon Schlucht, Mont Ventoux, Orange, Ardeche Schlucht

1. – 8. 9. 2017

Liebe Freunde,

nach mehreren Frankreich Reisen werden wir in den nächsten Wochen viele interessante Ziele auslassen, die wir schon früher besucht haben. Bei Interesse bitte im Blog Archiv unter “2011 Frankreich Rundfahrt” und „2015 Nordfrankreich, Belgien, Luxemburg“ nachschauen. Von den davor unternommenen Reisen existieren leider keine Blog Berichte.

Nach einem Regentag, den wir in Vizille bei Grenoble verbracht haben, geht es weiter südwärts über die Berge nach Sisteron. Die Nacht verbringen wir auf dem Campingplatz “Les Prés Hauts” N-44-12-53  O-5-56-10.

Von Sisteron fahren wir zunächst südwestlich in die Gegend bei Apt, um die berühmten Ockerfelsen von Roussillon und Rustrel zu besuchen. Auf dem Weg dorthin machen wir einen kurzen Stopp im netten Städtchen Banon. Kaum jemand würde es kennen, stünde nicht in den Reiseführern etwas von kulinarischen Spezialitäten, die es nur hier gibt.

Zum einen ist das der “ Banon” – Ziegenkäse, der in Kastanienblätter eingewickelt und mit Bast aus Madagaskar verschnürt zu einer wahren Köstlichkeit heranreift.DSC00518

Zum zweiten gibt es hier in einer kleinen Metzgerei die fast einen Meter langen, dünnen Würste “Brindille”, die in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten werden. Wir entscheiden uns für die Varianten “Nature” und “Piments”. DSC00515

Wer in der Gegend ist, sollte sich hier eindecken. Wir haben die beiden Köstlichkeiten nirgendwo sonst mehr gesehen. Hier die Karte des kleinen Ladens. Außer Juli und August ist Mittwoch und Donnerstag geschlossen.DSC00585

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Ockerbrüche von Rustrel. Am Eingang gibt es einen großen baumbestandenen Parkplatz mit Übernachtungsmöglichkeit. N-43-55-12   O-5-56-10. Tagesparkplatz mit Eintritt 8,- €, bei Übernachtung kommen nochmals 4,- € dazu.

Hier und im nahe gelegenen Roussillon wurde bis in die 1930er Jahre Ocker abgebaut. Die alten Ockerbrüche bieten ein unglaubliches Farbenspiel. Die Felsen leuchten in den unterschiedlichsten Ockertönen – von hellem Gelb bis zu kräftigem Rot. Auch die Häuser der Ortschaften sind in diesen Ockertönen bemalt.DSC00550

DSC00546

DSC02441

DSC02427

DSC02428

DSC02437

Am nächsten Morgen entscheiden wir spontan, wieder ostwärts zu fahren. Wir waren ja schon 2011 an der Verdon Schlucht, einem der größten Canyons Europas; trotzdem wollen wir dieses Erlebnis noch einmal genießen, überqueren die Rhone bei Manosque und fahren über Greoux-les-Bains und Riez nach Moustiers-St. Marie. Wir bleiben auf dem sehr empfehlenswerten Campingplatz Manaysse  N-43-50-41  6-12-55.

Das kleine Städtchen liegt malerisch vor steil aufragenden Felsen und ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Umrundung des Verdon-Stausees “Lac de Sainte Croix” und einem Besuch der Verdon Schlucht.DSC00564

Steiler Aufstieg zur oberhalb von Moustiers liegenden Kapelle, im Hintergrund der Stausee.DSC00573

Alte Handwerkskunst am Beispiel des Türriegels an einem mittelalterlichen Haus in Moustiers.DSC00576

Winzige Schnecken besiedeln einen Weidezaun – ob sie das Kribbeln des Stroms genießen?SmileyDSC00583

Im Umland von Riez befindet sich das Lavendel-Anbauzentrum Frankreichs. Endlos ziehen sich die leider schon abgeernteten Felder dahin. Zur Blütezeit muss das ein herrliches Bild sein.

Die Erntemaschinen haben für uns ein paar Blüten zum Pflücken übrig gelassenDSC00589

Blick auf den Stausee, für den mehrere Dörfer und eine 2000 Jahre alte Römerbrücke geflutet wurden.DSC00596

Dort, wo der Verdon in den Stausee mündet, haben sich zahlreiche Bootsverleiher niedergelassen. Die Touristen machen ausgiebig Gebrauch von ihrem Angebot und paddeln ein Stück in die Verdon-Schlucht hinein.DSC00603

Wir aber machen eine ca. 100 km lange Rollertour rund um die Schlucht mit spektakulären Tiefblicken – und teilweise ohne Leitschienen am Fahrbahnrand.DSC00611

DSC00618

Von rechts oben im Bild – auf 1400 m Höhe – führt die spektakuläre Teilstrecke “Route des Cretes” abenteuerlich am Schlucht Rand entlang.DSC00623

Die steil aufragenden Felsen sind ein Paradies für Freikletterer – und Adler, die manchmal knapp über unseren Köpfen über die Aussichtsparkplätze kreisenimage

Ein Wohnmobil auf einem solchen Aussichtspunkt am Abgrund. Dort hinüber müssen wir auch noch – zum Glück fahren wir fast immer auf der Bergseite der Straße Zwinkerndes SmileyDSC00635

Nach 3 Tagen in Moustiers geht es nun wieder westwärts. Wir wollen über den Mont Ventoux, einen dominanten 1912 m hohen Berg 50 km nördlich von Avignon fahren. Der Berg ist heutzutage durch eine prächtige Straße erschlossen. Als ihn der Dichter Petrarca im Jahre 1336 mit seinem Bruder bestieg, muss es deutlich mühsamer gewesen sein.

Der Berg besteht im Gipfelbereich aus weißem Kalksteingeröll, so dass man aus der Ferne meint, er wäre schneebedeckt. Für die Radfahrer der Tour-de-France ist er eine der größten Herausforderungen. Aber auch unzählige Hobbyradler quälen sich hinauf auf den Gipfel.DSC00655

DSC00665

Die Abfahrt ist “nichts für schwache Nerven”. Nein – so schlimm ist es nicht. Aber wie schon gewohnt, gibt´s auch hier auf längeren Abgrundpassagen keine Leitschienen – und das bei grandiosem Tief- und Fernblick. Nur Fliegen ist schöner SmileyDSC00678

DSC00672

Kilometerlang geht es ziemlich steil hinunter – und die Bremsen werden heiß. Leider haben wir keine Motorbremse und die viereinhalb Tonnen schieben ganz schön nach. Nach einer Abkühlpause erreichen wir am Fuß des Mont Ventoux den netten Ort Malaucene. Es gibt hier einen offiziellen Stellplatz mit Ver-und Entsorgung auf N-44-10-27  O-5-7-19. Am Abend und am Morgen kommt jemand und kassiert die 5 € Stellplatzgebühr.

Unser nächstes Ziel ist “zur Abwechslung” mal wieder eine Schlucht, und zwar die der “Ardeche”. Auf dem Weg dorthin besuchen wir die Stadt Orange, in der wir ziemlich genau vor 40 Jahren auf unserer Hochzeitsreise waren.

Orange hat zwei große Sehenswürdigkeiten aus der Römerzeit – einen “Stadtgründungsbogen” (kein Triumphbogen) und das beeindruckende Theater.

Das Theater stammt aus dem 1. Jhdt. n. Chr. und ist eines der besterhaltenen der Welt.

Wie jedes Mal, wenn wir ins Rhone Tal kommen, weht auch heute wieder ein kräftiger Mistral SmileyDSC00687

Die 103 m lange und 38 m hohe Szenenwand des Theater wurde schon von Ludwig XIV.  als “schönste Mauer Frankreichs” bezeichnetDSC00692

Das Theater fasste ursprünglich 10.000 Besucher. Zum Schutz der Bühnenwand wurde eine moderne Dachkonstruktion aufgesetzt. Heute finden hier prächtige Opernaufführungen statt.DSC00696

Zum Vergleich das Foto von unserer Hochzeitsreise vor 40 JahrenPICT0005

Letztes Ziel dieser Etappe ist die Schlucht der Ardeche nordwestlich von Orange. Lang nicht so spektakulär wie die Verdon Schlucht, ist sie dennoch eine Reise wert. Im Sommer hoffnungslos überlaufen von Paddel-Touristen – angeblich gibt es 14.000 Kanus und Kajaks zum Ausborgen – ist es jetzt schon angenehm ruhig. An der Straße wurden  zahlreiche Aussichtsplattformen errichtet, von denen aus man Schlucht und Paddler beobachtet kann.DSC00717

Die bekannteste Sehenswürdigkeit in der Ardeche Schlucht ist “Le Pont d’Arc”, eine natürliche 60 m lange und 54 m hohe Steinbrücke und ein beliebtes FotomotivDSC00746

Zum Schluss noch etwas zum Thema “Mann und Frau” Smiley

Ein älteres Paar nähert sich einer Stromschnelle – beide arbeiten hart mit ihren Paddeln am DurchkommenDSC00748

Nach einigen Versuchen hat der Mann aufgegeben – seine Frau kämpft weiter und er sieht “wohlwollend” zu. Ob sie es denn alleine schafft? image

Soviel zum Schluss – die Sache ist gut ausgegangen. Sie sind wohlbehalten in ruhigeren Gewässern angekommen.

Wir lernen daraus: Was täten Männer ohne ihre Frauen?❤️❤️❤️🌹🌹🌹

Soviel für heute. Danke für Euer Interesse und liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 2 Kommentare

Aosta-Tal, Kleiner St. Bernhard, Grenoble

27.8. – 31.8.2017

Liebe Freunde,

unser Wohnmobil ist reisefertig. Nach einigen kleineren Ausfahrten im Frühling geht es endlich wieder auf “Grand Tour”.IMG_1572

Zum besseren Überblick  hier vorab die Karte unserer Tour (rot=Hinreise, türkis=Rückreise)getmapimg.jpg

Die erste Etappe führt uns nach Italien in die Nähe von Caorle. Unweit der Autobahn bietet die Stadt Latisana einen Gratisstellplatz mit Ver- und Entsorgung an (N-45-46-54  O-12-59-35)

Am nächsten Morgen geht es weiter über Venedig, Verona und Mailand bis vor Turin und weiter ins Aosta Tal. Wie fahren bis zur mittelalterlichen Stadt Bard, die einen schön gelegenen Wohnmobil-Stellplatz anbietet. (N-45-36-41  O-7-43-58)

Der Stellplatz liegt direkt “am rauschenden Bach” DSC00436

Hoch über der Stadt thront die Festung Bard, die nach einer aufwändigen Restaurierung seit 2006 für Besucher geöffnet istDSC00450

Blick von der Festung ins Aosta TalDSC00444

Die Häuser der mittelalterlichen Altstadt sind mit Schieferplatten gedeckt.DSC00446

Am nächsten Morgen geht es bei strahlendem Sonnenschein weiter in Richtung Aosta. Kurzfristig beschließen wir, hinauf in den Skiort Cervinia (2000m) am Fuß des Matterhorns zu fahren. Der Anblick ist beeindruckend. Immerhin ist das Matterhorn 4478m hoch und zeigt sich heute vor wolkenlosem Himmel.DSC00459

Der Skiort Cervinia am Fuß des Matterhorn. Im Vordergrund ein Golfplatz – in dieser Höhe wahrscheinlich kein zweites Mal in Europa zu finden.DSC00458

Nach einem kurzen Halt in Aosta müssen wir uns entscheiden. Nicht weit von hier liegt der Ort Courmayeur. Hier beginnt der Montblanc Tunnel, durch den wir nach Chamonix in Frankreich fahren könnten.

Wie beschließen jedoch, das schöne Wetter auszunutzen und über den Kleinen St. Bernhard Pass nach Frankreich zu fahren. Seit Tagen stöhnen wir unter der Hitze. 37 Grad am Nachmittag sind zur Zeit “normal”. Die Passhöhe liegt auf 2.200 m Höhe. Trotzdem hat es hier oben noch immer 25 Grad. In der Nacht kühlt es allerdings auf 5 Grad ab.

Von der Passhöhe aus sehen wir unseren zweiten “Viertausender” an diesem Tag – den Montblanc (4810m)DSC00488

Auf der Passhöhe sind einige gemütliche Wanderwege markiert mit Informationstafeln zu Natur und Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg verlief hier die Maginot Linie, die befestigte Grenze zwischen Frankreich und dem faschistischen Italien.

Ein kurzer Spaziergang führt zu einem besonders schönen Aussichtspunkt. Der Montblanc im Hintergrund trägt noch ein Wolkenhäubchen.IMG_1707

Später legt er sein Häubchen ab und zeigt sich in voller Pracht. Die gemütlich verdauenden Kühe beeindruckt das wenig…..DSC00492

…..uns dafür umso mehrDSC00475

Jetzt am Beginn des Herbstes blüht hier oben das Wollgras – Erinnerungen an unsere Skandinavien Reisen werden wachDSC00495

Dieser kleine Geselle hat es sich auf Helgas Oberschenkel bequem gemacht.DSC0049923

Unser traumhafter Übernachtungsplatz auf der Passhöhe (N 45-40-47  O-6-52-59) mit Blick auf den Montblanc DSC00501

Am nächsten Morgen erwachen wir umgeben von dichtem Nebel, der sich jedoch bald lichtet. Wir beginnen “den Abstieg” hinunter nach Bourg St. Maurice in der Nähe des Skigebietes Les Arcs, wo wir vor vielen vielen Jahren eine tolle Ski Woche verbracht haben.

Die Straße führt weiter nach Albertville, einem Olympia Austragungsort, vorbei an Wegweisern zu berühmten Skiorten wie Meribel, Courchevel, La Plagne etc.

Im Thermalort La Lechere steuern wir den dortigen Gratisstellplatz an                             (N-45.5194   O-6.4842). Er bietet eine kostenlose Ver- und Entsorgungsstation.

Weiter geht es über Albertville nach Grenoble, eine weitere Olympiastadt in der Region. Wir nehmen die parallel zur Autobahn an der Isère verlaufende Nationalstraße, die uns rasch ans Ziel bringt.

Zwischen Albertville und Grenoble überrascht uns die “Savoyische Weinstraße”. Hatten wir doch mit den beiden Städten  in unseren Hinterköpfen “Wintersport” verbunden. Dass sich hier ein ausgedehntes Weinanbaugebiet befindet, hatten wir nicht erwartet. Kurz vor Grenoble fahren wir dann noch durch “Wälder” von Walnussbäumen, die nächste Überraschung.

Zwischenzeitlich ist das Thermometer auf gnadenlose 38 Grad geklettert. Langsam wird es ungemütlich.

Wir durchqueren Grenoble und erreichen kurz danach das Städtchen Vizille. Hier beginnt die “Route Napoleon” (N85), die auf historischen Pfaden bis an die Cote d’Azur führt.

In Vizille fahren wir auf den kleinen, freundlichen Campingplatz “Le Bois de Cornage”      (N-45-5-15  O-5-46-12). 17 € inkl. Strom. Hier wollen wir eine Nacht verbringen und morgen weiter in den Süden fahren. Es bleibt die ganze Nacht über unglaublich heiß.

Noch in der Früh hat es 27 Grad. Allerdings soll es gewittrig und regnerisch werden. Tatsächlich regnet es dann den ganzen Tag und es kühlt endlich ab. Nach der Hitze der letzten Tage eine Wohltat. Wir hängen daher noch einen gemütlichen Campingplatz-Tag an und planen die nächste Etappe.

Soviel für heute. Danke für Euer Interesse und liebe Grüße. Bis bald.

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 6 Kommentare

Herbstreise 2017

 

Liebe Freunde unserer Reiseberichte,

wir sind wieder da. Nach 6 Jahren mit Frühjahrs- und Herbstreisen sind wir heuer erstmals im Frühling zu Hause geblieben und haben unseren blühenden Garten genossen. Darum gibt es seit letzten Herbst keinen neuen Reisebericht.

Nun geht es aber wieder los.

Wir starten demnächst zur Herbstreise 1017.

Unsere vorläufig geplante Reiseroute sieht folgendermaßen aus:

Verona – Mailand – Turin – Grenoble

über die Route Napoleon an die Cote d’Azur und in die Provence

Provence, Languedoc-Roussillon

entlang der französischen Pyrenäen ins Baskenland am Atlantik

Bilbao, San Sebastian

entlang der spanischen Pyrenäen mit verschiedenen Abstechern nach Barcelona

Anfang November zurück nach Hause.

 

Ich werde mich bemühen, wieder in ein- bis zweiwöchigem Abstand einen Reisebericht zu veröffentlichen und hoffe auch dieses Mal auf Euer Interesse.

Bis bald

Helga und Willi

Veröffentlicht unter Uncategorized | 9 Kommentare

Sizilien – West und Nordwest

Mazara del Vallo – Marsala – Trapani – Erice – San Vito Lo Capo – Segesta – Monreale – Palermo

26. 10. – 12.11.2016

2016 Sizilien West Nordwest

Wir verlassen unseren schönen Stellplatz in Granitola-Torretta und fahren weiter nach Mazara del Vallo. Es hat schon am Morgen 20 Grad und tagsüber wird es wieder richtig heiß. Wir beziehen unseren Übernachtungsplatz auf einem großen Parkplatz am Hafen. N-37-39-1.  O-12-35-14. Wie auf vielen Parkplätzen in dieser Ecke Siziliens kommt ein “selbsternannter” Parkwächter und kassiert 5 €. Wir zahlen mit einem Augenzwinkern und bekommen sogar einen kleinen Zettel mit einer aufgestempelten Nummer als “Beleg”. Leben und Leben lassen :-). Und siehe da: Als ich Nachts irrtümlich die Warnblinkanlage einschalte, kommt sofort einer dieser “Wächter” gelaufen und fragt, ob alles in Ordnung ist. Also liebe Wohnmobil-Fahrer: mokiert Euch nicht in diversen Internet Foren über diese “Abzocke” und seid ein wenig großzügig 😉

Mazara beherbergt eine große Fischfangflotte und frisches Meeresgetier gibt es in Hülle und Fülle.DSCN1242

DSCN1244

Abseits des großen Hafens mündet der Mazaro-Fluss ins Meer. Hier liegt so mancher abenteuerlich aussehender Fischkutter und wartet auf bessere ZeitenDSCN1241

Interessante Anker-Konstruktion aus Baustahl 🙂DSCN1240

Am nächsten Morgen fahren wir weiter an der Westküste entlang auf den Campingplatz Biscione bei Petrosino.                               N-37-42-04.   O-12-28-39. Außer uns ist nur eine Besucherin mit einem Zelt auf dem Platz. Es gibt einen sehr schnellen Internet-Zugang, sodass ich den letzten Blog veröffentlichen kann. Eine freundliche Angestellte wäscht für uns 2 Waschmaschinen voll Wäsche – und weigert sich, dafür Geld zu nehmen. Und dann gibt es auch noch das täglich geöffnete Restaurant: Von außen völlig unscheinbar, stellt es sich fast als Nobellokal heraus. Wir haben uns zum Glück “ordentlich” angezogen, als wir zum Abendessen gehen. Das Essen ist ausgezeichnet, die Preise sind absolut fair. Empfehlenswert.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Marsala. In der Stadt des berühmte Weines empfängt uns auf dem Parkplatz wieder der schon gewohnte Parkwächter. Für 5 € werden wir freundlich eingewiesen. Nach dem Stadtbesuch – der Parkplatz ist zwischenzeitlich fast leer – sind die “Wächter” allerdings verschwunden.

Marsala zeigt sich wie schon Mazaro del Vallo  als nette, freundliche Stadt mit schönen Barockkirchen, hübschen Gassen und Restaurants.         DSCN1273

In Marsala kommt dazu noch der bekannte Wein, der je nach Süße als Aperitif oder nach dem Essen getrunken wird. Es gibt in trocken, halbsüß und süß in den auf dem Foto dargestellten Qualitätsklassen.DSCN1264

Die Aufschrift auf dem Fenster des Restaurants nehmen wir uns zu Herzen – und essen hervorragend .-)DSCN1270

Anschließend fahren wir noch ein Stück weiter bis zum Parkplatz an der Ablegestelle der Boote zur kleinen Insel Mozia, wo wir auch übernachten. 3 € für den “Parkwächter”. Nachts ruhig. N-37-51-45. O-12-29-5.

Mehrere Inseln liegen in der weitläufigen Lagune, in der bis heute Salz gewonnen wird. Die Insel Mozia ist nur 15 Bootsminuten entfernt (im Bild Hintergrund) und im privaten Besitz der Familie Witaker, einer alten englischen Wein-Dynastie. Sie war schon in der Antike besiedelt. Man kann wunderbar von Ausgrabungsstätte zu Ausgrabungsstätte wandern und Befestigungsanlagen, Tempelreste und Nekropolen sehen. Unser Schlafplatz, links im Bild ein restauriertes Windrad mit Salzmuseum.DSCN1353

DSCN1312 

Früher wurde das Wasser in den Salzbecken mit Hilfe von Windrädern umgepumpt. Einige davon sind restauriert wordenDSCN1340

DSCN1327

Unser nächstes Ziel sind die Salinen von Trapani. Auf dem Bild sieht man mit Ziegeln geschützte Salzhügel, im Hintergrund die auf 700 m Höhe gelegene mittelalterliche Stadt Erice.DSCN1393

Salzarbeiter in der Saline von TrapaniDSCN1400

Wir durchqueren die Stadt Trapani und fahren zu unserem Übernachtungsplatz am Golfo di Bonagia. In Tonnara di Bonagia finden wir diesen ruhig gelegen Stellplatz. Im Hintergrund links der Monte Cofano, der “Zuckerhut Siziliens”, den wir schon bald umwandern werden. N-38-4-7.  O-12-35-47.DSCN1415

Neben unserem Stellplatz liegen diese schönen alten Holzboote an Land.DSCN1420

Am nächsten Morgen wolkenloser Himmel und schon über 20 Grad – ideal für eine Bergwanderung. Wir fahren ans andere Ende des Golfs von Bonagia bis zum Strand von Cornino. Unser Platz, auf dem wir auch übernachten werden, liegt auf                              N-38-5-49. O-12-39-45 an der Cala Buguto – links der Bildmitte unterhalb des Monte Cofano.DSCN1557 

Die im Rother Wanderführer “Sizilien” und im Buch “Wandern auf Sizilien” aus der Serie “Dumont-aktiv” beschriebene Tour führt zunächst zur Höhle Mangiapane mit einer Reihe intakter Wohnhäuser davor und innerhalb der Grotte. Die ehemals bewirtschafteten Gebäude wurden mit viel Liebe als bäuerliches Freiluft Museum eingerichtet.DSCN1433

Der Weg führt an kleineren Marmorsteinbrüchen vorbei. Rund um den Hauptort Custonaci befinden sich weitere riesige Marmorvorkommen, deren Abbau die wirtschaftlich Grundlage der Region ist.DSCN1440

Vom höchst gelegen Punkt der Wanderung auf gemütlichen 250 m Höhe öffnet sich der Blick auf 2 Buchten: hinter uns der Golf von Bonagia und vor uns der Golf von Cofano mit dem Blick auf San Vito Lo Capo mit seinem langgestreckten Kletterfelsen.DSCN1489

Wir steigen hinunter zu einer alten Thunfisch Fabrik und wandern am Meer entlang durch ausgedehnte “Zwergpalmen-Wälder” zurück                 DSCN1513

Nach 3 1/2 Stunden sind wir wieder zurück beim WohnmobilDSCN1517

Nach mehreren Tagen auf freien Stellplätzen brauchen wir Frischwasser und fahren weiter zum Capo San Vito auf den Campingplatz El Bahira. N-38-9-1.  O-12-43-54. Der Platz ist ganzjährig geöffnet und sehr liebevoll gestaltet. Er liegt direkt unterhalb des rund 2 km langen flachen Felsmassivs am Meer. Wir fühlen uns hier sehr wohl und so bleiben wir ganz 8 Tage.

Am 1. November fahren wir mit dem Roller ins 35 km entfernte Erice, 700 m über der Stadt Trapani. Man kann die Mittelalterstadt entweder mit der Seilbahn von Trapani aus erreichen oder man fährt die kurvenreiche Panoramastraße hinauf.

2010 sind wir mit der Seilbahn hinaufgefahren …..P1000152

….. heuer “klettern” wir mit dem Roller von Valderice hinauf und genießen den prächtigen Blick auf den Golf von Bonagia mit dem schon bekannten Monte Cofano. Im Hintergrund erkennt man noch das Capo San Vito.DSCN1562

Während im Mai 2010 die mittelalterlichen Gassen von Erice voller Touristen waren und wir vor dem Trubel geflüchtet sind, ist es um diese Jahreszeit fast gespenstisch ruhig hier oben. Wir verspeisen in luftiger Höhe verschiedene Varianten der lokalen Pasta, “Busiate” genannt,  und zum Schluss einige “Cannoli” – mit einer Riccotta-Creme gefüllte gebackene Teigröllchen.DSCN1579

Vom Campingplatz El Bahira aus erreicht man nach einer kleinen Wanderung die Stadt San Vito Lo Capo, das touristische Zentrum mit zahlreichen Hotels und Restaurants. DSCN1622

Achtung. Kühe auf der Straße 🙂 DSCN1601

Die bis zu 40 m hohen Felsen erstrecken sich über rund 2 km und sind ein Paradies für Freikletterer. DSCN1665

Hunderte Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden wurden in den letzten 10 Jahren angelegt und dokumentiert.DSCN1630

DSCN1714

Sonnenuntergang am Strand von El Bahira – im Hintergrund der Monte CofanoDSCN1679

Am nächsten Morgen zeigt sich das Meer von seiner wilden Seite. DSCN1695

Von San Vito Lo Capo aus machen wir einen Abstecher zum Tempel “Segesta”. Er wurde nie fertiggestellt und beeindruckt durch seine Schlichtheit und seine einsame Lage in einer stillen Hügellandschaft.DSCN1748

Langsam geht unsere Zeit auf Sizilien zu Ende und wir machen uns auf den Weg nach Palermo. Bei Custonaci fahren wir an kilometerlangen Marmor-Steinbrüchen vorbei.DSCN1742

Gegen Abend kommen wir in Monreale, 8 km vor Palermo,  an und bleiben über Nacht auf einem Parkplatz unterhalb der Kathedrale.    N-38-04-46. O-13-17-31. Zwischen 8.00 und 20.00 Uhr ist der Platz bewacht und kostet 2,- / Stunde. Nachts ist er kostenlos.

Die normannische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert ist beeindruckend. Ihr Inneres ist mit über 6.000 m2 im Originalzustand erhaltenen Mosaiken geschmückt, die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament darstellen.DSCN1798

DSCN1774

Turmbesteigung mit herrlichem Blick auf die Conca d’Oro, die Bucht von Palermo und ….DSCN1779

…..  auf den Kreuzgang eines ehemaligen Benediktiner-KlostersDSCN1787

228 unterschiedlich gestaltete Marmor-Doppelsäulen mit vielfarbigen Intarsien und prachtvollen Kapitellen  schmücken den Kreuzgang.           DSCN1792

Letztes Ziel auf Sizilien ist Palermo. Wir fahren auf den Stellplatz Greencar . N-38-06-53. O-13-20-33. Der Platz liegt im Zentrum, fast alle Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar. Er ist rund um die Uhr bewacht und bietet allen Komfort inkl. schnellem Internet für 20,- pro Nacht. Man kann für 2,- € pro Stunde auch kurzzeitig parken.

Schon bei unserem letzten Besuch 2010 hat uns die Stadt mit ihren prächtigen Gebäuden aus normannisch-arabischer Zeit beeindruckt. In der Kathedrale liegen unter anderem die normannisch-staufischen Könige begraben.DSCN1825

Gruselig ist ein Besuch der Katakomben unterhalb des Kapuzinerklosters. 8.000 Tote werden hier zur Schau gestellt – Mumien von Mönchen und wohlhabenden Bürgern. Die Verstorbenen wurden von Ihren Familien regelmäßig besucht und neu eingekleidet. 1881 war Schluss mit dem Mumifizieren. Es wurde verboten.DSCN1851

Wir wandern 2 Tage lang kreuz und quer durch die Stadt und legen dabei an die 30 km zurück. Es gibt eine Menge zu sehen, aber ich verzichte hier auf Details. Das kann jeder Reiseführer besser.

Trotz viele Erfolge bei der Bekämpfung der sizilianischen Mafia ist die “Cosa Nostra” immer noch sehr aktiv. Man schätzt, dass mehr als die Hälfte der Betriebe Schutzgeld bezahlt. Aber während noch vor einigen Jahrzehnten das Thema völlig tabu war und die Existenz der Organisation allgemein geleugnet wurde, ist heute der Umgang damit deutlich entspannter. In den Andenken Läden Palermos kann man allerlei verschiedene Mafiosi als Mitbringsel erwerben 🙂DSCN1827

So liebe Freunde, das war’s. Heute Nacht geht unsere Fähre nach Livorno. Wir danken Euch für Euer Interesse und hoffen, dass Ihr bei unserer nächsten Reise im Frühjahr  2017 wieder dabei seid. Wo es hin geht, wissen wir allerdings noch nicht.

Aber wir halten schon Ausschau 🙂DSCN1085

Liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2016 Süditalien, Sizilien | 7 Kommentare

Sizilien – der Süden und das Inselinnere

Modica, Ragusa, Piazza Armerina, Villa Casale, Caltabelotta, Eraclea Minoa, Agrigento, Corleone, Prizzi, Selinunte

11. – 25. Oktober 2016

Sizilien 2016 - Süden, Landesinneres

Liebe Freunde unseres Reiseblogs.

Wir sind seit 2 Wochen im Süden Siziliens unterwegs und haben dabei auch einige Abstecher zu interessanten Orten im Inselinneren gemacht. Das Wetter ist nach wie vor herrlich, wenn auch dann und wann von Gewittern “durchzogen”. Die Wassertemperatur des Meeres liegt noch immer bei etwa 25 Grad.

Nach 2 Badetagen am Strand von Carratois, dem südlichsten Punkt Siziliens brechen wir am 11. Oktober auf in den Westen.  In der Nacht davor gibt es ein heftiges Gewitter mit Sturmböen. Am Morgen empfängt uns zur Versöhnung ein blauer Himmel mit einem Regenbogen.  DSCN0750

Wir überlegen kurz, ob wir von der Stadt Pozzallo aus einen Tagesausflug nach Malta machen sollen. In 90 Minuten wäre man dort. Nach dem nächtlichen Gewitter ist der Seegang aber beträchtlich, und so verzichten wir darauf.

Stattdessen fahren wir weiter in Richtung Westen auf der Suche nach einer mehrtägigen Bleibe, von der aus wir mit dem Roller die Barockstädte Scicli, Modica und Ragusa besuchen können.

Wir entscheiden uns für den einfachen Womo-Campingplatz Piccadilly, keine 10 km von Scicli am Meer in der Nähe von Donnalucata. Er ist einfach ausgestattet, bietet aber alles, was man braucht. Es gibt Plätze für 12 € und für 15 € und einen eigenen Strandzugang. N-36-44-49  O-14-39-48.

Am nächsten Morgen bläst heftiger Wind und so verschieben wir unsere Rollertour nach Modica und Ragusa auf den nächsten Tag.

Die Altstadt von Modica liegt weit abseits der Neustadt und erstreckt sich links und rechts eines Taleinschnitts steil an den Hügeln entlang. Modica ist eine der UNESCO Welterbe Städte des “Valle di Noto” und wirkt längst nicht so herausgeputzt wie Noto selbst. Gleicht Noto eher einem prächtigen Freiluft-Museum, so spürt man hier das ganz normale Leben der Bewohner. Modica hat aber nicht nur barocke Gebäude zu bieten, sie ist auch berühmt für ihre Schokolade. Die Herstellung erfolgt nach  uralten Original-Rezepten aus den Kakao-Ländern ohne Zugabe von Fett. Zu den gemahlenen Kakao-Bohnen kommen nur Zucker und Zutaten wie Nüsse, Mandeln etc.

Blick auf die Altstadt von ModicaDSCN0766

Am steilen Fels “stapeln” sich die Häuser. Im Hintergrund einige uralte Höhlen.DSCN0769

Stillleben “Dachziegel in Modica”DSCN0772

Über steile Treppen und enge Gasse steigen wir zum Dom hinaufDSCN0770

Der Dom empfängt uns mit seiner prächtigen Fassade im Stil des sizilianischen BarocksDSCN0781

Ein Überlebender aus alten Zeiten  🙂DSCN0797

Skurrile Figuren schmücken die Balkone alter und leider häufig baufälliger Palazzi DSCN0815

DSCN0822

Nach einem mehrstündigen Auf und Ab durch Modica fahren wir in die nicht weit entfernte nächste Barockstadt – nach Ragusa. Die Altstadt Ragusa Ibla liegt gegenüber der Neustadt malerisch auf einem Hügel.DSCN0828

Am 16. Oktober verlassen wir die Küste und fahren tief hinein ins Insel-Innere. Erstes Ziel ist die Stadt Piazza Armerina mit der in der Nähe liegenden Villa Romana del Casale. Auf dem Weg dorthin machen wir noch einen Besuch in Caltagirone, der Keramik-Hauptstadt Siziliens. Caltagirone überrascht uns mit ihrer wunderbaren Lage hoch oben auf 3 Hügeln. Die ganze Stadt liegt bei unserer Ankunft im Sonnenlicht des frühen Nachmittags.

Eine der Hauptsehenswürdigkeiten ist die Treppe “La Scala”, deren 142 Stufen Keramik geschmückt hinauf zur Kirche Santa Maria del Monte führen.DSCN0859

Von den ehemals 2000 Töpferwerkstätten arbeiten heute noch 80. DSCN0866

DSCN0878

Auf der Weiterfahrt nach Piazza Armerina sehen wir ausgedehnte Kulturen von Feigen-Kakteen. Aus den Früchten werden hauptsächlich Marmelade und Likör erzeugt.DSCN0910 

Sizilianische Herbstlandschaft, geprägt durch steile Felder, die mit Ketten-Traktoren gepflügt werdenDSCN0973

Wir erreichen Piazza Armerina gegen Abend und bleiben 2 Nächte auf dem Stellplatz des urigen Restaurants “La Ruota”. Das Lokal ist nur zu Mittag bis etwa 16.00 geöffnet. Der Stellplatz bietet alles fürs Womo und liegt nur 1,5 km von der Villa Casale entfernt. N-37-22-34. O-14-20-01.

Die Villa Romana del Casale nahe Piazza Armerina ist einer der sehenswertesten Orte auf Sizilien. 600.000 Besucher jährlich kommen hierher. Errichtet wurde sie im 4. Jahrhundert n. Chr. vermutlich von einem hohen römischen Staatsbeamten, der über entsprechenden Reichtum verfügt haben muss. Bisher ausgegraben wurden 50 Räume mit 3.500 m2 !!! Mosaikfussboden, die einen Einblick in das Leben der damaligen Zeit geben.

Seit unserem letzten Besuch hat sich viel geändert. Damals waren die Mosaiken zwar mit Dächern geschützt, ansonsten aber im Freien. In der Zwischenzeit wurden die Gebäude über den Mosaiken gleichsam nachgebaut, sodass man einen Eindruck der gewaltigen Dimensionen der Villa bekommt.DSCN0967

Der Korridor der “Großen Jagd” ist 60 m lang und zeigt den Ablauf einer Großwildjagd in Afrika. Elefanten, Gazellen, Löwen und Tiger werden gefangen und auf Schiffe verladen.DSCN0952

DSCN0932

Das wohl berühmteste Mosaik ist das der “Bikini-Mädchen”, die offenbar gerade ein Fitness-Programm oder einen Wettkampf absolvieren.         DSCN0935

3.500 m2 Mosaik-Fußboden – man kommt aus dem Staunen nicht heraus. DSCN0948

Von Piazza Armerina fahren wir mit dem Roller in die Bergstadt Aidone auf fast 1.000 m Höhe und besuchen die wenig bekannte, wenn auch sehr bedeutende Ausgrabung der sikulisch/griechisch/römischen Stadt Morgantina.DSCN0979

Am nächsten Morgen – es ist der 18. Oktober – geht es weiter nach Enna, zum “Mittelpunkt” Siziliens. Enna liegt auf einem fast 1000 m hohen Felsen und bietet eine phantastischen Fernsicht bis zum Ätna und auf das nicht weniger spektakulär liegende Städtchen Calascibetta.        DSCN0990

Weit reicht der Blick über die herbstlich braune Landschaft bis zum ÄtnaDSCN0995

Auf dem  “Rocce di Cerere” – im Hintergrund die Stadt EnnaDSCN0998

Wir verlassen Enna und fahren über Caltanisssetta hinaus an die Küste bei Agrigent zum Campingplatz Nettuno in San Leone. Es beginnt stark zu regnen. Unser Stellplatz liegt steil unterhalb der Platzeinfahrt und innerhalb weniger Minuten schießt das Wasser den Abhang herunter. Ich habe Sorge, mit unserem Vorderrad getriebenen und vorne viel zu leichten Fahrzeug die steile Straße wieder hinauf zu kommen.  Wir packen also eilig zusammen und schaffen mit viel Schwung die rutschige Auffahrt.

Den Besuch der Tempel von Agrigent verschieben wir auf später und fahren weiter nach Secca Grande bei Ribeira auf den Campingplatz Kamemi. N-37-26-21  O-13-14-29. Er liegt oberhalb des in der Nebensaison ausgestorbenen Ferienortes. Wenn man die Straße bis zum Ort weiterfährt, kommt man zu einem Stellplatz am Meer, auf dem man gut frei stehen könnte.

Gegen Abend wird das Wetter besser und wir freuen uns auf eine Rollertour am nächsten Tag.

Zunächst besuchen wir Eraclea Minoa am Capo Bianco. Vor einigen Wochen hat eine stürmische Flut den herrlichen Strand am Pinienwald schwer beschädigt. Im Hintergrund das “Weisse Kap”. DSCN1018

Brüchiges Gestein am Capo BiancoDSCN1023

30 km im Hinterland liegt die Bergstadt Caltabellotta auf 1000 m Höhe spektakulär zwischen steil aufragenden Felszacken. Obwohl schon dunkle Wolken aufziehen, wollen wir noch hinauf.

Auf dem Weg dorthin dichte Rauchwolken. Schon gestern gestern sind uns bei unserer Ankunft in Secca Grande mehrere Anlagen mit gewaltigen Rauchfahnen aufgefallen , die die ganze Gegend vernebeln. Nun kommen wir nahe an einer dieser Anlagen vorbei. Es ist nicht zu erkennen, was hier produziert wird. Erst später erfahren wir, dass in mehreren solcher Fabriken die Pressabfälle aus der Olivenöl Herstellung weiter verarbeitet werden. Unter Hitzeeinwirkung wird das Letzte an Öl aus den Rückständen herausgeholt. Es wird zu Schmiermitteln, zur Seife Herstellung etc. verwendet. Hoffentlich findet es nicht einen “mafiosen” Zugang zum Speiseöl.      DSCN1029

Nach zahlreichen Serpentinen erreichen wir Caltabellotta auf 1000 m Seehöhe.DSCN1033

Wir sind kaum angekommen, beginnt es heftig zu regnen. Als wir den Campingplatz nach 25 km wieder erreichen, sind wir nass bis auf die Unterwäsche.    DSCN1036

Am nächsten Morgen scheint aber schon wieder die Sonne. Wir fahren mit dem Wohnmobil ein Stück zurück und besuchen das “Valle dei Templi” bei Agrigent. Die Via dei Templi führt 2 km lang an mehreren Tempeln bzw. deren Ruinen vorbei und beeindruckt durch die schöne, aussichtsreiche Lage. Im Hintergrund die Stadt Agrigent.DSCN1043

Das am besten erhaltene Bauwerk ist der Concordia Tempel, davor eine moderne Skulptur des Dädalus. Die griechische Mythologie berichtet, dass Dädalus nach dem Absturz seines zu nahe an der Sonne fliegenden Sohnes Ikarus auf Sizilien gelebt hat.DSCN1074

Ziege in einem Gehege auf dem Ausgrabungsgelände – mit prächtigen gedrehten Hörnern DSCN1075b

Nach dem Besuch von Agrigent fahren wir nach Siculiana und auf den ganzjährig geöffneten Campingplatz “Canne” in Siculiana Marina. Wir sind die einzigen Gäste auf einem großen Areal neben einem netten Restaurant, das täglich um 19.00 Uhr öffnet.      N-37-20-06. O-13-23-37.

Am nächsten Morgen lese ich in einem unserer Reisebücher über die “Vulcanelli di Macalube”, ein kleines geschütztes Gebiet mit zahlreichen  blubbernden Schlamm-Vulkanen. Sie liegen in der Nähe der Stadt Aragona im Hinterland von Agrigent.

Mit dem Roller fahren wir durch die herbstlich-braune sizilianische Acker Landschaft mit dazwischen aufragenden bizarren Felsformationen und hübschen alten Städten.               DSCN1099

DSCN1113

Leider sind die Vulcanelli seit 2014 nicht mehr zugänglich. Das früher offene Gelände mit den Mini-Vulkanen wurde bei einer plötzlichen Schlamm Eruption für 2 Kinder zur Todesfalle und ist seither Sperrgebiet.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zu einem Besuch “bei der Mafia”. Die Städte Corleone und Prizzi sind durch die Filme “Der Pate” mit Marlon Brando und “Die Ehre der Prizzi” mit Jack Nicholson zu zweifelhaftem Weltruhm gelangt. Tatsächlich stammen einige der schlimmsten Mafia Killer aus Corleone und bis in die 1980 Jahre tobte in der Gegend ein Krieg zwischen verfeindeten Familien, der hunderte Tote gefordert hat.

Heute versuchen die Orte ihr schlechtes Image abzulegen. Der Tag der Verhaftung eines der berüchtigtsten Mafiosi wurde in Corleone zum Gemeindefeiertag erklärt und die Stadt hat ein Mafia Museum eingerichtet.

Kaum zu glauben, dass das von fruchtbarem Ackerland umgebene friedlich wirkende Städtchen Corleone einst Schauplatz schlimmster Mafia Kriege war.DSCN1122

Das gleiche gilt für die hübsch auf einem Hügel in 900 m Höhe gelegen Stadt Prizzi.DSCN1134

Nach so viel Erinnerung an Krieg und Blutvergießen freut man sich über eine nette Liebeserklärung am Straßenrand: “Du allein bist allzeit mein Herz”. Ist das nicht lieb?DSCN1137

Gegen Abend erreichen wir wieder die Küste und finden einen schönen freien Stellplatz direkt am Meer bei Marinella, unweit der berühmten Tempelanlage von Selinunte. Wir stehen einsam oberhalb eines felsigen Strandes und genießen den Sonnenuntergang.DSCN1147

Nach Syrakus und Agrigent besuchen wir die dritte große archäologische Ausgrabungsstätte Siziliens, die Tempelstadt Selinunte. deren Überreste man auf 2 durch ein Tal getrennte Hügel bewundern kann. Manche Archäologen halten das Gelände für den größten archäologischen Park Europas.

Vom östlichen Tempelbezirk aus hat man einen schönen Blick auf die gegenüber liegende Akropolis.DSCN1154

Es hätte eines der größten Bauwerke der Griechen werden sollen, doch es wurde nie ganz fertig gestellt. Einer der  Tempel mit den Ausmassen 113 x 54 Metern und 30 m Höhe sollte alles bisher dagewesene übertreffen. Heute ist er ein einziges Trümmerfeld. Aber selbst in diesem Zustand sind die Säulenstümpfe mit 2,5 m Durchmesser beeindruckend.DSCN1168

Blick von der Akropolis auf den östlichen Tempelbezirk. Nur einer der Tempel wurde wieder aufgerichtet.DSCN1172

Woher hatten die Griechen das Baumaterial für die riesigen Tempelanlagen? 10 km von Selinunte findet sich die Antwort.  Die “Cave di Cusa” waren der Steinbruch, aus dem es stammt. Wahrscheinlich sind die Arbeiten Hals über Kopf eingestellt worden, als die Karthager um 400 v. Chr. “vor der Tür standen”. Man kann gut erkennen, wie die Säulen aus dem Stein herausgearbeitet wurden, manche sind halb fertig, einige hat man gerade begonnen. Auf dem Gelände liegen Säulentrommeln herum, wie zum Abtransport bereit. Wir sind die einzigen Besucher, durchstreifen das ausgedehnte Gelände und sind fast mehr beeindruckt wie vom Tempelbezirk. Hier spürt man Geschichte hautnah.DSCN1190

Nach so viel Historie freuen wir uns auf ein paar gemütliche Strandtage. Der Wetterbericht stimmt zuversichtlich, es soll bis 28 Grad warm und wolkenlos werden.

Wir finden am Ortsrand von Granitola einen ruhigen freien Stellplatz an der ockerfarbenen Felsenküste und einer kleinen Sandbucht. N-37-334-52. O-12-38-54. Hier genießen wir 2 ruhige Tage und ich komme endlich dazu, diesen Bericht zu schreiben.

DSCN1205

Damit verabschieden wir uns für heute. Unser nächstes Ziel ist der Westen Siziliens und wir hoffen, dass Ihr wieder dabei seid.

Bis bald und liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2016 Süditalien, Sizilien | 7 Kommentare

Sizilien – der Osten: Taormina, Ätna, Syrakus, Noto, Capo delle Correnti

30. 9. – 11. 10. 2016

2016 Sizilien - der Osten

Liebe Freunde und Reisebegleiter,

nach den eindrucksvollen Erlebnissen auf den Liparischen Inseln fahren wir von Milazzo ein Stück westwärts und dann über eine kurvige, aber gute Bergstraße nach Novara di Sicilia und Francavilla di Sicilia. Vorbei an der sehenswerten Alcantara Schlucht, die wir schon auf früheren Reisen besucht haben, erreichen wir Giardini Naxos an der Bucht vor Taormina. Es gibt hier mehrere gute Wohnmobilstellplätze mit allem Komfort und erstaunlich niedrigen Preisen. Wir entscheiden uns für den Stellplatz “Eden” und werden sehr freundlich empfangen. Es sind nur wenige Wohnmobile auf dem Platz. N-37-49-18. O-15-16-00. Preis: nur  9,- € pro Nacht.

Blick von Giardini Naxos auf Taormina (rechts) und Castelmola (links)DSCN0454

Am späteren Nachmittag fahren wir mit dem Roller nach Taormina hinauf. So viele Touristen wie heuer haben wir hier noch nie erlebt. Die Menschen schieben sich förmlich durch die Hauptstraße und auf dem Weg zum Griechischen Theater DSCN0370

Nach einem Glas Wein zum fürstlichen Taormina-Preis ergreifen wir die Flucht, zumal wir die schöne Stadt schon zu ruhigeren Zeiten erleben konnten.

Am nächsten Morgen können wir vom Stellplatz aus den Gipfel des Ätna sehen. Angeblich ist er zum ersten Mal nach 2 Wochen sichtbar. Wir satteln das Pferd, sprich unseren Roller, und freuen uns auf die schöne, lange Fahrt an den Hängen des Vulkans hinauf. Über Piedimonte erreichen wir Zafferana – und der Ätna ist hinter einer dicken Nebeldecke verschwunden. Es wir immer kühler, wir ziehen die warmen Sachen an und beschließen, soweit hoch zu fahren, wie es halt im Nebel geht. Aber es kommt anders. Je höher hinauf wir fahren, umso mehr kommt die Sonne durch. Auf 1900 m erreichen wir das Rufigio Sapienza, den höchsten Punkt der prächtig ausgebauten Bergstraße.DSCN0388

Vom Rifugio Sapienza führt eine Seilbahn weiter hinauf auf 2500 m. Bei unserem letzten Besuch gab es diese Seilbahn nicht, weil sie bei einem Vulkanausbruch von den Lavamassen verschüttet worden war. Man konnte nur die Spitzen der Liftstützen herausragen sehen. Damals mussten wir die ganze Strecke bis auf 3.000 m hinauf mit Allradbussen fahren, die jetzt erst oben an der Bergstation der Seilbahn starten.DSCN0425

Mit solchen Bussen geht es weiter auf 3000 m – die letzten paar hundert Meter zu den Kratern müssen zu Fuß zurückgelegt werden.                DSCN0406

Zur Abwechslung einmal ein Foto des Autors – inmitten der Lava Wüste. Im Hintergrund die Gipfelzone des Ätna DSCN0411

Leben in lebensfeindlicher Umgebung: ein Marienkäfer müht sich durch die Lavabrocken DSCN0414

Für die Rückfahrt vom Rifugio Sapienza wählen wir die alternative Straße über Nicolosi, die durch spektakuläre Lavafelder führt. DSCN0441

Bei diesem Ausbruch wurde die Straße zerstört und auch Häuser blieben nicht verschont   DSCN0445

DSCN0446

Am nächsten Morgen fahren wir wieder mit dem Roller nach Taormina, dieses Mal jedoch weiter hinauf bis zum Ort Castelmola, der hoch oben auf einem Felsen thront. Der Blick auf Taormina ist phantastisch. In der Bildmitte ist das griechische Theater zu erkennen, rechts das Kastell. DSCN0464

Hier oben geht es ruhig und gemächlich zu. Wir streifen durch schmale Gassen, essen auf einem hübschen Kirchenplatz zu Mittag und genießen danach ein Glas “Mandel-Wein”, die Spezialität von Castelmola. Es ist eine Art Dessertwein, ähnlich einem Portwein mit Amaretto-Aroma und er schmeckt köstlich. DSCN0461

Am nächsten Tag geht die Reise weiter in den Süden. In Acitrezza machen wir kurz halt, um die “Zyklopen-Felsen” im Meer zu bestaunen. In der griechischen Mythologie heißt es, dass der Zyklop Polyphem Odysseus und seine Gefährten gefangengenommen hat. Es ist ihnen allerdings gelungen, sein einziges Auge zu blenden und zu fliehen. Darauf schleuderte ihnen Polyphem die riesigen Felsen nach, die heute so malerisch vor der Stadt liegen. In Wahrheit sind sie auf urzeitliche Ausbrüche des Ätna zurückzuführen.DSCN0496

Wir erreichen Catania und kämpfen uns im wahrsten Sinn des Wortes durch den chaotischen Verkehr. Auf einer dreispurigen Straße fahren zumindest 5 Autos nebeneinander und dazwischen flitzen die Rollerfahrer akrobatisch durch die kleinsten Lücken. Wir sind ja an die südländische Fahrweise gewohnt, aber Catania setzt dem ganzen noch eines drauf. Wichtigste Regel: “Wer bremst, verliert”. Also immer schön in Bewegung bleiben, ob man nun Vorrang hat oder nicht. Und – es wird in all dem Chaos hoch konzentriert gefahren.

Zum Übernachten fahren wir kurz vor der Industriestadt Augusta hinaus an die Küste in das kleine Städtchen Brucoli. Hier kann man vor dem breit angelegten Yachthafen gut für eine Nacht stehen. N-37-16-54  O-15-11-26. Allerdings ist man umgeben von friedlich vor sich hin dämmernden “Bootsleichen”.DSCN0511

Schon in den letzten Tagen hatten wir immer über 30 Grad und auch an diesem Morgen scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Wir fahren auf den Campingplatz Rinauro, 6 km südlich von Syrakus. Der Platz wird in allen Beschreibungen als gelinde gesagt “sehr rustikal” bezeichnet. Das Ganze ist aber eine schöne große Wiese mit alten Olivenbäumen, blühenden Oleanderbüschen und einem Bauernhof daneben. Die Sanitäranlagen sind leider wirklich “sehr südlich” und es ist gut, dass man als Wohnmobil-Fahrer nicht darauf angewiesen ist. Die Besitzerin ist jedenfalls sehr freundlich und bemüht und es gibt ein gut funktionierendes W-LAN. Preis: 22,- € pro Nacht.

Noch am Nachmittag fahren wir mit dem Roller nach Syrakus

Bei der Fahrt in die Stadt sieht man von weitem die moderne Kathedrale der weinenden Madonna. In den 1950er Jahren stand eine kleine Gips-Madonna in einer Arbeiterwohnung. Während einer mehrere Tage dauernden problematischen Geburt soll diese Gipsmadonna Tränen des Mitleids geweint haben. In der Folge sollen zahlreiche Wunder geschehen sein und man hat ihr zu Ehren diese futuristische Kathedrale für tausende Pilger errichtet.DSCN0568

Das antike Syrakus befindet sich auf dem Festland, während die barocke Altstadt auf der Insel Ortigia liegt.

Wir besuchen zunächst den ausgedehnten archäologischen Park. Syrakus war in der Antike “die” griechische Metropole schlechthin mit bis zu 1 Million Einwohnern und zeitweise wichtiger als Athen.

Die erhaltenen historischen Stätten spiegeln die Bedeutung von Syrakus wieder. Das griechische Theater gilt als das größte seiner Zeit, hatte 15.000 Sitzplätze und einen Durchmesser von 140 m. Es wurde später von den Römern verkleinert, um Platz für Gladiatoren Kämpfe zu schaffen. Die Römer hatten es offensichtlich nicht so mit dem “Theaterspielen”, sondern wollten “Handfestes” sehen 🙂DSCN0518

Das Baumaterial für die Stadt wurden in den nahe gelegenen Steinbrüchen gewonnen. Eine besonders bekannte Höhle dort ist das 60 m tiefe “Ohr des Dionysos”DSCN0524

Neben dem hier Erwähnten findet sich auf dem Gelände noch eine Reihe weiterer Sehenswürdigkeiten, so eine groß angelegte “richtige” Kampfarena aus römischer Zeit.

Am nächsten Morgen besuchen wir die schon erwähnte barocke Altstadt  und spazieren gegen den Uhrzeigersinn rund um die Insel. Dabei treffen wir auf die Quelle der Nymphe Aretusa, in der Papyrus wächst.DSCN0571

Der Dom von Syrakus wurde im typisch sizilianischen Barockstil erbaut. DSCN0609

Hübsche Gassen laden zum ziellosen Schlendern einDSCN0590 DSCN0586

Wir verlassen Syrakus und fahren weiter in die schönste der zahlreichen Barockstädte Siziliens, nach Noto. Im Jahr 1693 wurden im Südosten Siziliens die meisten Städte durch ein Erdbeben völlig zerstört. Sie wurden in der Folge wieder aufgebaut und zwar in einem ganz besonderen barocken Stil aus ockerfarbenem Stein. Noto gilt als die schönste davon, aber auch die Städte Ispica, Scili, Modica und andere sind prächtig wieder erstanden. Sie bilden heute gemeinsam ein UNESCO Weltkulturerbe.

Bevor wir nach Noto kommen, wollen wir aber ein anderes Weltkulturerbe besuchen, die Nekropoli di Pantalica. Im Hinterland der Küste liegen die Monti Iblei, eine durch tiefe Schluchten durchzogenes Karstgebiet. Zwischen Sortino und Ferla finden sich an der Schlucht des Flusses Anapo auf 10 km Länge 5.000 Felsengräber und Grotten. Sie entstammen der Kultur der Sikuler, nach denen Sizilien benannt ist. Die Sikuler lebten zwischen dem 12. und 7. Jhdt. vor Christus, also am Ende der Bronzezeit.

Es gibt 2 Zugänge – von Sortino im Norden und von Ferla im Westen. Wir fahren nach Sortino und wollen von dort weiter zur Schlucht. Unsere zwei !!! Navi Geräte weisen uns in trauter Einigkeit den Weg. Er führt allerdings nicht zur Schlucht, sondern steil hinunter in die Altstadt von Sortino. Die Gasse wird immer enger, links und rechts führen winzige Gässlein entweder links noch steiler hinunter oder rechts ebenso steil hinauf. Ein Wenden ist unmöglich. Helga nimmt eines unserer Funkgeräte und geht weiter, um nach einer Umkehrmöglichkeit zu suchen. Zwischenzeitlich werde ich von Einheimischen bestaunt. Keiner hält es für möglich, dass wir mit unserem 7,5 m Wohnmobil hier gelandet sind. Schließlich meldet sich Helga per Funk. Sie hat eine Stelle gefunden, wo das Wenden möglich sein sollte. Ich zwänge das Wohnmobil in einer Zentimeterarbeit durch die Gasse. Als ich ankomme, hat jemand den einzig möglichen Wendeplatz mit seinem Auto zugestellt. Was tun? Unsere Ratlosigkeit wird von einem Einheimischen mit seiner Frau beobachtet. Die beiden haben lange in Deutschland gelebt und sprechen ausgezeichnet Deutsch. Der Mann sagt uns, dass es weiter unten überhaupt keine Möglichkeit mehr zum Umdrehen oder Durchfahren gibt. Er will uns aber helfen. Zunächst veranlasst er, dass einige Autos weggefahren werden. Mit den Vorderrädern am Abgrund, gelingt es mir schließlich nach mehreren Manövern, das Womo zu drehen. Aber damit nicht genug: Unser guter Engel fährt mit seinem Auto vor uns her, um weiteres Missgeschick zu vermeiden. Schließlich stehen wir an der richtigen Straße und bedanken uns bei unserem Helfer.

Der weitere Weg ist gut mit “Pantalica” beschildert. Bevor wir ans Ende der Stadt kommen, zweigt jedoch die Straße wieder in eine kleine Gasse ab. Nun ist es aber genug. Wir wären dort sicherlich durch gekommen, aber wir brechen ab und entscheiden, später wieder mit dem Roller hierher zu kommen.

Was haben wir gelernt? In den sizilianischen Altstädten soll man keinesfalls blind einem Navigationsgerät folgen und schon gar nicht die oft einzige Durchfahrtsstraße verlassen. Jede Navi-Empfehlung ist kritisch zu hinterfragen 🙂

Der weitere Weg in Richtung Noto führt wieder über schöne, aussichtsreiche Straßen durch die Ausläufer der Monti Iblei.

In Lido die Noto finden wir direkt am Strand ein schönes Plätzchen für 2 Nächte. N-36-51-12  O-15-06-47. Der Platz ist auch um diese Zeit recht gut besucht. Mehrere Wohnmobile sind schon hier, aber es ist ausreichend Platz für alle. Am Abend kommen Annemarie und Hans aus Rosenheim an. Annemarie spielt Mundharmonika und so liegt es nahe, dass ich wieder einmal die Gitarre auspacke und wir tief “in der Oldies-Kiste wühlen”, unterstützt von einer weiteren Nachbarin – Rosi aus der Schweiz.DSCN0629

Nach 2 Tagen wechseln wir auf den 3 km entfernten netten Stellplatz “Oasi Park Falconara”. Er liegt nicht direkt am Meer, bietet aber alles, was man nach ein paar Tagen Freistehen benötigt. Der Platz ist ganzjährig geöffnet und liegt auf N-36-52-12  O-15-07-43. Gleich nach der morgendlichen Ankunft machen wir uns bei wolkenlosem Wetter mit dem Roller auf den Weg nach Pantalica.

Durch die schon bekannte schöne Karstlandschaft fahren wir bis in die Bergstadt Ferla und dann weiter in das Naturreservat Pantalica. Bald sehen wir in den Schluchten die ersten Grabhöhlen. Wir fahren weiter bis ans Ende der Straße und sehen von hier hinüber auf die andere Seite der Schlucht – nach Sortino. Mit Gänsehaut erinnern wir uns an unseren missglückten Durchfahrt Versuch vor einigen Tagen.

Auf einem schmalen Weg steigen wir bis zum Talgrund ab und gehen ein Stück am Fluss Anapo entlang. Die Felswände sind wie Schweizer Käse mit Grabhöhlen durchlöchert. Wir bewundern die unglaubliche Leistung der Sikuler, ihre Toten an dermaßen unzugänglicher Stelle bestattet zu habenDSCN0658

Auf der Rückfahrt besuchen wir noch kurz die jetzt als “Noto Antico” bezeichnete ehemalige Stadt Noto, deren Ruinen nach dem Erdbeben 1693 verlassen und die 10 km weiter als Barockstadt neu aufgebaut wurde. Von der alten Stadt ist außer ein paar Mauerresten nicht mehr viel zu sehen. Die Natur hat sich den Platz zurückerobert.

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Roller nach Noto. Es ist Sonntag Vormittag. Nicht nur Touristen, sondern auch viele Einheimische sind auf den Beinen. Wir schlendern durch die Stadt und freuen uns an den prächtigen, ockerfarbenen Bauwerken und den hübschen kleinen GassenP1000264

DSCN0692

DSCN0684

Schließlich werden wir per Plakat aufgefordert, einen Turm zu besteigen, um einen besonders schönen Blick auf Noto zu haben. Die deutsche Übersetzung ist wie so oft in Italien ein Kuriosum für sich 🙂P1000263

Am Nachmittag fahren wir noch in das kleine Naturreservat “Vendicari” südlich von Noto an die Küste. Hier liegen drei Binnenseen, die als Vogelschutzgebiet ausgewiesen sind. Zur Zeit sieht man verschiedene Reiher Arten und Flamingos. Ein gepflegter Wanderweg führt kilometerlang an schönen Badebuchten vorbei durch eine interessante Küstenlandschaft. Im Hintergrund sieht man die Stadt Noto.DSCN0712

Am nächsten Tag führt uns die Küstenstraße weiter, an Portopalo di Capo Passero vorbei bis zum Capo delle Correnti an den südlichsten Punkt Siziliens, der sogar südlicher als Tunis liegt. Unweit von hier fahren im Sommer Tragflügelboote in 90 Minuten nach Malta.

Eigentlich wollten wir wie 2010 im Hafen von Portopalo übernachten und im hervorragenden Fischrestaurant “Chiara” zu Abend essen. Doch an der Plaia Carratois, unweit des Kaps, finden wir unseren Traumplatz für die nächsten beiden Nächte. Wir holpern über eine mit Felsen durchsetzte Sandpiste bis zu einem schmalen Dünenstreifen, wo wir unser Womo parken können.DSCN0728

Gleich hinter den Dünen liegt ein 2 km langer feiner Sandstrand. Es sind einige Tagesbesucher hier, die alle gegen Abend weg fahren.                 DSCN0718

Schließlich sind wir allein, genießen unseren Campari Soda und beobachten den Sonnenuntergang. DSCN0741

Liebe Freunde, das war’s wieder einmal. Danke für Euren Besuch und hoffentlich bis bald. Unsere nächsten Ziele sind der Südosten der Insel und eine Fahrt ins Landesinnere.

Liebe Grüße

Helga und Willi

Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen

Veröffentlicht unter 2016 Süditalien, Sizilien | 11 Kommentare

Die Liparischen Inseln – Zu Besuch beim “Gott des Feuers und der Schmiede”

26. – 29. September 2016

Liparische Inseln

Liebe Freunde,

nach einer ruhigen Nacht am alten Leuchtturm von Villa San Giovanni nehmen wir in der Früh die Fähre über den Stretto, die Meerenge von Messina. Odysseus musste sich seinerzeit vorsehen, lauerten doch an der Durchfahrt 2 Ungeheuer: auf kalabrischer Seite Skylla, auf sizilianischer Seite Charybdis. Wir haben es besser und landen nach kurzer Überfahrt sicher in Messina.DSCN0069

Auf uns “lauert” allerdings auch etwas: der ziemlich chaotische Verkehr bis zur Auffahrt auf die Autobahn nach Milazzo. Nach 2 Besuchen auf Sizilien sind wir aber schnell wieder mit der hier üblichen Art des Autofahrens vertraut: Wer bremst, verliert. Also immer schön in Bewegung bleiben, gleich ob man Vorrang hat oder nicht. So kommt man gut voran, denn obwohl man den Eindruck hat, dass in Sizilien das automobile Faustrecht herrscht, wird hoch konzentriert gefahren.

Bald sind wir in Milazzo und suchen den in manchen Stellplatzführern angegeben Stellplatz in der Stadt in der Via San Paolino. N-38-12-44  O-15-14-31. Wir finden den Platz, er ist aber verschlossen und man müsste jemanden anrufen, der das Tor aufsperrt. Außerdem ist er für einen mehrtägigen Aufenthalt ziemlich unansehnlich, also fahren wir hinaus zum Capo Milazzo. Kurz vor dem Kap gibt es zwei Campingplätze rechts am Meer. Wir entscheiden uns wie schon 2010 für den Campingplatz Ciruccu und freuen uns, dass unser Platz von damals wieder frei ist. Ist aber auch kein Wunder, denn wir sind um diese Zeit fast die einzigen Gäste .DSCN0076

Auf der Herfahrt haben wir einen prächtigen Branzino gekauft – der kommt jetzt auf den GrillDSCN0077

Vom Wohnmobil aus sehen wir 3 der 7 liparischen Inseln – links Vulcano, in der Mitte Panarea und rechts Stromboli. Alle drei wollen wir in den nächsten Tagen besuchen.DSCN0081

Strahlend schönes Wetter am nächsten Morgen. Mit dem Aliscafo, einem schnellen Tragflügelboot, sind wir in weniger als einer Stunde auf der Insel Vulcano. Vulcano galt in der römischen Mythologie als die Insel der “Schmiede des Vulcanus”, des römischen Gottes des Feuers.DSCN0187

Gleich nach der Ankunft beginnen wir mit dem Aufstieg zum “Gran Cratere” – dem großen Krater von VulcanoDSCN0113

Blick zurück auf die Stadt mit der Halbinsel Vulcanello. Im Hintergrund die Insel Lipari.DSCN0116

Vulcano gilt als einer der gefährlichen Vulkane Süditaliens und wird deshalb ständig wissenschaftlich überwacht.DSCN0119

Am Kraterrand angekommen.DSCN0153

Die giftigen Schwefeldämpfe sind nicht ungefährlich. Eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich länger hier aufhält, trägt Schutzkleidung und Gasmasken. Ein Abstieg in den Krater ist ohne Schutz lebensgefährlich.DSCN0129

DSCN0144

Nach dem Abstieg, das Thermometer zeigt 32 Grad, schmeckt das Bier doppelt so gut 🙂DSCN0177

Vor der Halbinsel Vulcanello im Norden von Vulcano gibt es zahlreiche heiße Quellen im Meer. Auf dem Weg dorthin liegt ein heißes Schwefel-Schlammbad. Das Einatmen der Dämpfe soll nicht ganz unbedenklich sein. DSCN0183

Am nächsten Morgen werden wir von einem Mitarbeiter unserer Mini-Kreuzfahrt vom Campingplatz abgeholt. Die Tickets haben wir schon auf dem Campingplatz buchen können. Die Tages-Tour führt auf die Inseln Panarea und Stromboli. Wir starten um 11.00 Uhr. Die Fahrt ist interessant, sehr zu empfehlen und die 98,- € für 2 Personen allemal wert. Es gibt eine deutschsprachige Reiseleitung, die während der Fahrt viel Wissenswertes über die Inseln erzählt. DSCN0275

Vorbei an den Inseln Vulcano, Lipari und Salina erreichen wir die kleinste der Inseln, die “Millionärsinsel” Panarea. Hier treffen sich im Sommer die Reichen und Schönen. Eine Anekdote berichtet vom vergeblichen Versuch des russischen Oligarchen Abramovich, in einer Bar am Hafen einen Reservierung vorzunehmen. Man lehnte einfach ab. Das ist wahres Selbstbewusstsein der Wirtsleute :-))                          DSCN0246

Eng sind die Gassen auf Panarea …….DSCN0243b

…. aber hübsch ….DSCN0247

…. und fast ein wenig orientalisch.DSCN0258

Am Nachmittag verlassen wir Panarea. Unser Ziel ist die Vulkaninsel Stromboli. Auf dem Weg dorthin fahren wir an mehreren Felsinseln vorbei, die den ehemaligen Kraterrand eines Vulkans bilden.DSCN0291

DSCN0294

Auch hier steigt heißes Wasser vom Meeresboden auf und bildet gut sichtbare kleine WirbelDSCN0282

Gut sichtbar ist auch das Ziel unserer Fahrt, der Stromboli. Links ist der Ort Ginestra zu sehen, der nur mit dem Boot zu erreichen ist.                        DSCN0297

Auf Stromboli leben ständig rund 550 Einwohner. Der Ort mit seinen engen Gassen liegt malerisch am Hang des Vulkankegels.DSCN0310

Bunte Fischerboote im schwarzen VulkansandDSCN0315

Fast ein modernes Kunstwerk 🙂DSCN0328

Der Gipfel der Insel liegt hoch über den eigentlichen Kratern auf fast 1.000 m. Er darf nur mit autorisierten Bergführern bestiegen werden. Helgas Schwester war vor vielen Jahren oben und hat einen lebensgefährlichen Ausbruch überstanden. Glühende Felsbrocken flogen dabei “in die falsche” Richtung. Mit zum Glück nur leichten Verbrennungen und ohne von den Steinen getroffen zu werden, erreichte sie den Ort. DSCN0324

Es wird langsam dunkel und das Schiff bricht auf. Im Hintergrund die Felseninsel Strombolicchio.DSCN0334

Der Stromboli ragt nahezu kegelförmig fast 1000 Meter aus dem Meer. Vom Meeresgrund sind es etwa 3.000 m ! Er ist seit tausenden von Jahren ständig tätig und gilt deshalb als aktivster Vulkan der Welt. In unregelmäßigen Abständen – von wenigen Minuten bis stündlich – kommt es aus mehreren Krateröffnungen zu größeren und kleineren Ausbrüchen. DSCN0339

Das ausgeworfene Material fällt entweder in die Krater zurück oder rollt auf der Westseite der Insel herunter. Dieser Bereich heißt Sciara del Fuoco (“Feuerrutsche”) – auf dem Foto im Abendlicht gerade noch zu erkennen. Im Abstand von mehreren Jahren kommt es zu Ausbrüchen mit Lavaauswurf. Im April 2003 gab es so einen Ausbruch, dessen Lavastrom auf der Sciara bis Juli dauerte. Der letzte Lava-Ausbruch fand Sommer 2014 statt, es wird also einige Zeit dauern, bis es wieder soweit ist.DSCN0357

Wir haben Glück und erleben in der Dunkelheit 4 Eruptionen, eine davon mit massivem Auswurf von rot glühenden Felsbrocken. Die Ausbrüche dauern allerdings nur kurz und sind ohne professionelle Kamera kaum zu fotografieren. Nach einem erlebnisreichen Tag kommen wir um 22.00 Uhr in Milazzo an und werden wieder zum Campingplatz zurück gefahren.

Liebe Freunde, wie immer – danke für Euer Interesse an unserem Reiseblog. Unsere nächsten Ziele liegen an der Ostküste Siziliens:  Taormina, der Ätna und Syrakus.

Bis bald und liebe Grüße

Helga und Willi

Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen

Veröffentlicht unter 2016 Süditalien, Sizilien | 7 Kommentare

Kreuz und quer durch Kalabrien

16. – 25. 9. 2016

2016 Kalabrien Routenkarte

Liebe Freunde,

am 16. September fahren wir zunächst an der Küste südwärts und besuchen in Paola Kirche und Kloster des Hl. Francesco di Paola. Er gilt als eine Art Nationalheiliger Kalabriens.

Von Paola fahren wir auf guter Straße ins Landesinnere nach Cosenza. Bis auf 600 m führt die Straße hinauf und bietet herrliche Ausblicke auf die Küste. Über unzählige Brücken und Tunnel erreichen wir schließlich die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Durch die moderne Vorstadt kommt man an den Zusammenfluss von Busento und Crati mit Blick auf die Altstadt. Hier soll das Grab von Alarich, dem König der Westgoten, liegen, der im Jahr 410  in Cosenza gestorben ist. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere aus dem Deutschunterricht an das Gedicht August von Platens, das diesem Thema gewidmet ist und das er auswendig lernen musste: “Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder …….”

Die Altstadt von Cosenza …..DSC03869

….. wartet auf InvestorenDSC03864

Im Dom befinden sich die Gräber von König Heinrich (VII) und Isabella von Aragon. Leider sind viele der Kirchen in Süditalien von Mittag bis 16.30 Uhr geschlossen und so können wir sie nicht besichtigen.DSC03862

Nach Cosenza steigt die Straße hoch in die Berge des Sila Nationalparks. Auf 1100 m liegt der Lago di Cecita unweit eines “Skigebietes”. Hier oben ist es angenehm kühl nach 35 Grad Hitze am Meer. Gleich neben der Straße befindet sich das Nationalparkzentrum mit Park- und Picknickplätzen. Wir finden etwas abseits direkt am See in völliger Stille einen schönen Stellplatz für die Nacht. N-39-23-06    O-16-32-37.                  DSC03873

Sonnenuntergang – einmal nicht am Meer, sondern am Lago di CecitaDSC03874

Am nächsten Tag geht es weiter tief in die Wälder des Nationalparks hinein. Auf 1600 m hat es angenehme 19 Grad. Später, an der Küste, erwarten uns wieder die gewohnten 36. Die Straße führt durch einen Pinien Hochwald. Am Straßenrand parken zahlreiche Autos. Der Grund: Es ist Pilze Zeit. In den vergangenen Tagen hat es in den Bergen geregnet und die “Schwammerl” schießen nur so aus dem Boden. Private und professionelle Sammler nützen die Gelegenheit. Ganze Körbe und Kisten voller Pilze werden gefüllt und abtransportiert.

Zwei prächtige Porcini (Steinpilze) landen auch auf unserem TellerDSC03880  DSC03885

Wir erreichen die Ostküste bei Crotone und bleiben über Nacht auf dem Stellplatz Lido Maracaibo direkt am Meer. Wir sind die einzigen Gäste. Der Platz bietet jeden Komfort. Jeder Stellplatz hat einen eigenen Strom- und Wasseranschluss. Erst gegen Abend kommt jemand und kassiert die 15 € Stellplatzgebühr. N-39-08-23  O-17-6-50.

Unsere neuen Strandstühle werden “eingeweiht” DSC03888

“Stillleben mit Nastro Azzuro” :-))DSC03887

Südlich von Crotone liegt das Capo Colonna mit einer antiken Ausgrabungsstätte. Hier ein Blick zurück auf die Küstenlinie bei Crotone                DSC03890

Eine einzige Säule ist vom großen Hera Tempel stehen geblieben. Nach ihr ist Capo Colonna benannt.DSC03896

Reste der griechisch-/römischen SiedlungDSC03893

Zur Übernachtung fahren wir an den Strand bei Botricello und finden einen ruhigen freien Stellplatz direkt am menschenleeren Strand. N-38-55-31  O-16-52-30.DSC03899  DSC03908

Nach einem Abstecher in die Stadt Catanzaro, seit 1971 Kalabriens Hauptstadt, fahren wir weiter an der Ostküste entlang und besuchen den Parco Archeologico Scolacium. Odysseus soll die Stadt gegründet und Hannibal hier ein festes Lager gehabt haben.

Gleich nach dem Eingang überrascht die gewaltige Kirchenruine Santa Maria delle Roccella. Der Normanne Roger I. hat sie wahrscheinlich um das Jahr 1100 “ohne Dach” der Kirche geschenkt. Vermutlich ist sie nie fertig gestellt worden und sie bleibt für immer rätselhaft.DSC03926

Ein warmer Regen begleitet unseren Rundgang durch die Ausgrabungen ….DSC03915

… und wäscht den Staub von den erstaunlich gut erhaltenen Bodenplatten des ForumsDSC03923

Unser nächstes Ziel ist die Stadt Stilo. Sie liegt abseits der Küste in aussichtsreicher Höhenlage.DSC03938

Stilo beherbergt eine sehenswertes Kleinod – die byzantinische Kirche “Cattolica” aus dem 11. Jahrhundert.DSC03932

DSC03934

DSC03935

Zum Übernachten fahren wir weiter nach Gerace, eine weitere  prächtige Mittelalterstadt. Sie liegt auf einem steilen Hügel nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Unterhalb der Stadt finden wir einen Stellplatz neben dem Friedhof. N-38-16-10  O-16-13-31.  Wer findet unser Wohnmobil auf diesem Bild?DSC03940

Enge Gassen führen hinauf zur romanisch-normannischen Kathedrale, die im Jahr 1045 eingeweiht wurde.DSC03943

Die Säulen in der Kirche tragen griechische Kapitelle und stammen aus den antiken Tempeln in Locri – unten im Tal – Zum Bau der Kirche wurden sie herauf gebrachtDSC03945

Abendlicher Blick auf das normannische Kastell hoch über Gerace.DSC03948

Vor ein paar Tagen haben wir diese grapefruitgroßen Früchte unter einem Baum gefunden. Kein Einheimischer konnte uns sagen, worum es sich dabei handelt. Sie fühlt sich klebrig an. Beim Durchschneiden bleibt der Saft am Messer kleben und lässt sich kaum entfernen. Erst nach längerer Internet Recherche findet Helga die Lösung: Es ist eine “Jackfrucht”, die in ihrer indischen Heimat in reifem Zustand als “Brot des kleinen Mannes” gilt. Ausgereift kann sie bis zu 90 cm lang, 50 cm dick und  20 kg schwer werden. Sie gilt nach dem Kürbis, der bis zu 70 kg schwer werden kann, als zweitschwerste Frucht der Welt.DSC03951

Von Gerace aus fahren wir wieder an die Westküste Kalabriens. Die kurvenreiche Straße für durch den nördlichen Teil des Aspromonte-Gebirges bis auf 1000 m hinauf und an tiefen Schluchten entlang. Auch hier säumen die Autos der Pilzsammler die Straße. Wir fahren durch ausgedehnte Buchenwälder; ab 700 m herrscht dichter Nebel. Die feuchten Buchenblätter machen die Straße zur Rutschbahn. Obwohl sie mit Drahtnetzen gegen Steinschlag gesichert ist, liegen großen Felsbrocken, denen die Sicherung nicht standgehalten hat, am Straßenrand. Der Nebel lichtet sich langsam und wir fühlen uns wie in einem tropischen Regenwald – so dicht sind die Schluchten bewaldet.

Bei Gioia Tauro erreichen wir die Westküste, fahren weiter über Rosarno an die Küste bei Nicotera. Wir bleiben auf dem Campingplatz Mimosa, ganzjährig geöffnet, direkt am Strand. N-38-30-39  O-15-55-22.

Nach einem gemütlichen Campingplatz-Tag fahren wir am nächsten Morgen mit dem Roller ins Hinterland. In Zungri besuchen wir eine Höhlensiedlung aus dem 12. – 14. Jahrhundert und anschließend, zurück an der Küste, die Stadt Tropea mit ihrer malerischen Altstadt und ihrem Wahrzeichen, der frisch restaurierten Wallfahrtskirche Santa Maria Dell’IsolaDSC03980

Zurück auf dem Campingplatz Mimosa, treffen wir zwei nette und überaus interessante österreichische Wohnmobil Fahrer, Waltraud und Victor. Die beiden haben jahrelang mit ihrem Katamaran die Weltmeere “besegelt” und haben dabei unter anderem mehrmals zu zweit den Atlantik überquert. Sie haben über 55.000 Seemeilen zurückgelegt. Seit ein paar Jahren sind sie zu begeisterten “Landratten” mutiert und seither mit ihrem Wohnmobil unterwegs.

Meine Kamera hat gestern ihren Geist aufgegeben und ich brauche kurzfristig einen Ersatz. Also fahren wir zu Media World nach Reggio di Calabria und kaufen eine kleine Nikon Kompaktkamera. Sie kann zwar meine Sony nicht ersetzen, aber  ich hoffe, dass doch ein paar brauchbare Bilder damit zu machen sind.

Am Abend fahren wir bis an die Südspitze von Kalabrien und bleiben am Lungomare von Marina di San Lorenzo. N-37-55-08          O-15-49-38. Man steht dort um diese Jahreszeit ruhig neben dem Strand, im Sommer ist hier wahrscheinlich “der Bär los”.

Am nächsten Morgen, es ist Sonntag, fahren wir nach Reggio hinein. Dort gibt es in der Nähe des Bahnhofs einen großen Parkplatz, auf dem man auch übernachten kann. N-38-6-22  O-15-38-14. Es sind zahlreiche Fischer hier und so haben wir keine Bedenken, das Wohnmobil für ein paar Stunden dort stehen zu lassen.DSCN0010

Der 2 km lange Lungomare in Reggio hat den Beinamen “ Schönste Meile Italiens”. Der Mittelstreifen zwischen den beiden Fahrbahnen ist mit uralten Baumriesen und seltenen Pflanzen bestückt. An der Meerseite kann man wunderbar promenieren.DSCN0013 DSCN0014 DSCN0022

Nicht nur Bäume – auch interessante Kunstobjekte begeistern am Lungomare von ReggioDSCN0025 DSCN0026

Reggio beherbergt aber in seinem Nationalmuseum noch ein Superlativ – “Die 2 schönsten Männer Italiens”. 1972 hat ein Taucher in der Nähe von Riace die Polizei gerufen, weil er der Meinung war, in 7 m Tiefe 2 Leichen entdeckt zu haben. Wie sich später herausstellt, handelt es sich dabei um zwei 1,90 große griechische Bronzestatuen, mittlerweile 2500 Jahre alt.DSCN0028

Der Detailreichtum der Statuen aus Bronzeguss ist verblüffend. Muskeln, Sehnen, Bart und Gesicht – alles ist absolut naturgetreuDSCN0031 DSCN0034

Und dann feiern wir ein Wiedersehen. Im letzten Blog habe ich von unserem Besuch in der Steinzeithöhle von Romito berichtet. Dort haben wir die Kopie einer 12.000 Jahre alten Felszeichnung eines Ur-Rindes gesehen. Hier nun das OriginalDSCN0040

Parallel zum Lungomare verläuft der 2 km lange Corso Garibaldi, die Flaniermeile der Einheimischen. Schon um 11.00 Vormittag ist eine Menge los.    DSCN0047

Nach einem verheerenden Erdbeben vor 100 Jahren, bei dem die Stadt weitgehend zerstört worden ist,  wurde der Dom von Reggio neu aufgebaut.DSCN0051

Denkmal für den italienischen Volkshelden Guiseppe Garibaldi, der mit seinen Anhängern nach der Eroberung von Sizilien am 8. August 1860 aufs Festland übersetzte, das Königreich Neapel befreite und in der Folge zu einem der Väter der italienischen Einigung (Risorgimento) wurde.                  DSCN0053

Von unserem Übernachtungsplatz bei Villa San Giovanni blicken wir hinüber nach Messina auf Sizilien. Der Platz liegt unweit der Fährterminals in der Nähe von 2 netten Restaurants beim alten Leuchtturm  N-38-13-51  O-15-38-09DSCN0059

Liebe Freunde, danke für Euer Interesse an diesem heute etwas längeren Reisebericht. Morgen geht es mit der Fähre hinüber nach Messina und weiter nach Milazzo. Von dort aus wollen wir einige der liparischen Inseln kennenlernen, einen aktiven Vulkan besteigen und einen weiteren mit dem Schiff umrunden.

Bis bald.

Helga und Willi

Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen

Veröffentlicht unter 2016 Süditalien, Sizilien | 6 Kommentare

Über Paestum an die Riviera dei Cedri in Kalabrien

7. – 15.9.2016

Karte Riviera dei Cedri

Vom letzten Stellplatz in Vico Equense am Golf von Sorrent geht es weiter in den Süden, an den Rand des Nationalparks Cilento. 50 km südlich von Salerno liegen die Ausgrabungen von Paestum. Die Stadt wurde 600 v. Chr. von Griechen gegründet und Poseidonia genannt. Etwa um das 6. Jahrhundert v. Chr., als die Stadt durch umfangreichen Handel zu Wohlstand gekommen war, entstanden große Tempelanlagen, deren gut erhaltene Überreste heute die Besucher faszinieren. Als die Römer die Stadt eroberten, erhielt sie ihren heutigen Namen Paestum.

Wir waren auf früheren Reisen schon zweimal hier. Der Ort ist aber so faszinierend, dass wir ihn auch jetzt wieder besuchen. Es gibt mehrere Wohnmobil-Stellplätze in der Umgebung und nur wenige Kilometer entfernt am Meer auch schöne Campingplätze. Wir entscheiden uns für den Stellplatz der Fattoria de Casaro, in der unter anderem Mozzarella di Buffala, also “echter” Büffelmilch-Mozzarella, produziert wird. Man steht schön zwischen Olivenbäumen. N-40-24-54  O-15-0-17. Der Haupteingang zu den Ausgrabungsstätten ist nur ein paar Hundert Meter entfernt. Die Übernachtung inklusive Strom, Wasser und Entsorgung kostet 10 €. N-40-24-54  O-15-0-17.  Die Fattoria hat eine Verkaufsstelle für Mozzarella, Olivenöl, Schinken usw. Sie ist weithin bekannt, denn den ganzen Tag über kommen Kunden zum Einkaufen

Der ruhige Stellplatz zwischen alten Olivenbäumen der Fattoria de CasaroDSC03627

150 Büffel geben die Milch für den “Mozzarella di Buffala”DSC03706

Ich schau Dir in die Augen, Kleines 🙂DSC03710

Besuch der Mozzarella HerstellungDSC03672

Die Fattoria stellt drei verschiedene Mozzarella-Größen her. Dazu werden unterschiedliche Formen verwendet.DSC03690

Oben rein, unten rausDSC03695

Wir sind überrascht, dass die Fattoria Speisesalz aus Österreich verwendetDSC03702

Nach der Besichtigung der Mozzarella Produktion besuchen wir die Ausgrabungen von Paestum. 3 bestens erhaltene griechische Tempel dominieren das riesige Gelände. Hier der größte von ihnen, der Poseidon- (Neptun-) TempelDSC03721

Eine Schulklasse aus Udine verbringt gerade eine Teil der Ferien beim Unkraut-Jäten in den Resten einer VillaDSC03725

Und auch Hobby-Maler bevölkern die alte StätteDSC03728

Eine Sonderausstellung im Museum widmet sich dem Thema “Illegale Suche und Handel mit antiken Gegenständen”. Angeblich werden immer wieder “Schatzsucher” mit Metalldetektoren erwischt.DSC03635

Beeindruckend sind die mehrteiligen Steingräber, deren Platten innen prächtig bemalt sind. DSC03637

Dieser Verstorbene dürfte dem Weine zugetan gewesen sein. Die Person links steht inmitten einer Weinrebe und trinkt gerade aus einer Flasche 🙂  DSC03638

Hier ein besonders schön erhaltenes Beispiel einer GrabstelleDSC03641

Und dieser Verstorbene dürfte “schlagkräftig” gewesen sein. Seinem dunkelhäutigen Konkurrenten schießt das Blut nur so aus der Nase – und die Musi spielt dazu 🙂DSC03644

Nach einem anstrengenden Rundgang schmecken frischer Mozzarella und Riccotta noch einmal so gut   DSC03734

Wir verlassen Paestum und fahren weiter, teilweise durch die bewaldeten Berge des Cilento, bis nach Sapri. Dort beginnt eine phantastische Küstenstraße, die in engen Kurven 100 m über dem Meer bis Castrocucco führt. Hier weitet sich die Landschaft und bis Cetraro erstreckt sich die Riviera dei Cedri mit endlosen, schönen Badestränden.DSC03759

Wir  bleiben 3 Tage auf einem freien Wiesenstellplatz direkt am Strand und bekommen täglich Besuch von zwei frei laufenden Pferden, die die herbstlich trockene Wiese nach etwas Essbarem durchsuchen. N-39-56-01  O-15-45-07DSC03754

Neben uns stehen Madeleine und Steffen aus Dresden, mit denen wir 2 nette Abende verbringen.

Am Ende des Strandes lädt ein kleiner Felsenweg zu einer Wanderung ein. Im Hintergrund die Küstenstraße.                 DSC03773

Nach mehreren Tagen “Frei-Stehen” müssen wir wieder einmal Wasser füllen und entsorgen. Am südlichen Stadtrand des lebhaften Badeortes Scalea gibt es mehrere voll ausgestattete Wohnmobil Stellplatze. Wir entscheiden uns für den Stellplatz “Lido Zio Tom”, direkt am Strand. Für 10 € (im August 20 €) bietet er alles, was das Womo-Herz begehrt, sogar eine Waschmaschine ist vorhanden. Dazu schnelles Internet für 2 € während des ganzen Aufenthaltes. N-39-47-44  O-15-47-34. Ganzjährig geöffnet.

Der Platz bietet sich an, einige Ausflüge in die Berge des Parco Nazionale del Pollino, die bis 2300 Meter hoch sind, zu unternehmen.

Die erste Rollertour führt uns in das Bergdorf Papasidero. Davor steht auf dem Parkplatz ein gut erhaltener Fiat 750.DSC03795

Der Fluss “Lao” rauscht durch das Tal hinaus zum Meer. Gemeinsam mit den dicht bewaldeten Bergen im Landesinneren bildet er eine Kulisse, die man im sonnenverbrannten Süditalien nicht erwarten würde.DSC03780

Von Papasidero führt die Straße weiter zur Grotte von Romito. In den 1960er Jahre wurde hier eine steinzeitliche Begräbnisstätte entdeckt und ausgegraben.DSC03785

Beeindruckend ist diese Felsritzung beim Höhleneingang, die 11.000 Jahre alt ist DSC03786

Die zweite Rollertour führt uns am nächsten Tag zunächst nach Diamante südlich von Scalea. Lange Sandstrände und kleine felsige Buchten mit glasklarem Wasser laden zum Baden ein. DSC03811

Die Altstadt von Diamante ist überaus sehenswert. Die Stadt ist das Peperoncino-Zentrum Italiens. Es gibt sogar ein Institut, das sich dem Thema “Pfefferoni” widmet – und eine Sagra del Peperoncino, ein mehrtägiges Fest, bei dem es “scharf” zugeht. Und  es gibt Peperoncini an alle Ecken – so auch auf diesem Balkon eines Wohnhauses.DSC03813

Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit in Diamante sind rund 130 Murales – von Künstlern angefertigte Malereien an den Hausfassaden der Altstadt.

Hier eine Wandmalerei zum aktuellen Flüchtlingsthema, das ja Süditalien ganz besonderes betrifft.

DSC03817

Ein Bummel durch die engen Gassen führt an zahlreichen Kunstwerken vorbeiDSC03818

DSC03821

Auf dem Markt gibt es eine Frucht, deren Anbauzentrum hier in der Gegend liegt – die Zitrat-Zitrone. Wesentlich größer, als die “normale” Zitrone, hat sie fast kein Fruchtfleisch, dafür aber eine sehr dicke Schale, die kandiert und als Zitronat verkauft wird.DSC03824 DSC03853

Malerische Bergdörfer kleben auf den kargen, weil in der Vorzeit abgeholzten Hügeln in KüstennäheDSC03779 DSC03829  DSC03844

Rast in einem kleinen Ristorante bei einem feinen Antipasti-Teller …..DSC03793

….. und schließlich der allabendliche Sonnenuntergang. DSC03856

Liebe Freunde, so viel für heute. Unser nächstes Ziel ist eine Fahrt durch den “Parco Nazionale de Sila” nach Crotone an die Ostküste Kalabriens.

Bis bald und liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2016 Süditalien, Sizilien | 6 Kommentare

Über San Daniele und das Hinterland der Marken an die Amalfi Küste

31.8. – 6.9.2016

Liebe Freunde,

schön, dass Ihr uns auf unserer Reise in den Süden Italiens und nach Sizilien begleitet. Hier zunächst die Routenkarte zum heutigen Bericht.

Landkarte von StepMap

 

Wir starten am 31. August bei prächtigem Wetter und fahren unsere Lieblingsstrecke, wenn wir von zuhause in den Süden Österreichs wollen: Über den Triebener Tauern nach Kärnten. In Hohentauern gibt es traditionell die erste Rastpause.DSC03515

Am Nachmittag erreichen wir San Daniele unweit von Udine. Das Thermometer zeigt 33 Grad. Die Stadt hat einen offiziellen kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz eingerichtet: N 46.1565  O 13.0132. Von hier aus ist man zu Fuß in wenigen Minuten mitten im Schinken-Paradies 🙂DSC03517

Am nächsten Morgen nehmen wir die Autobahn über Bologna nach Rimini bis zur Ausfahrt Cattolica. Unser Ziel ist eine der größten und besterhaltenen Burganlagen Italiens – Gradara. Es hat 35 Grad und wir warten auf dem offiziellen Stellplatz unterhalb der Burg, bis es gegen Abend etwas kühler wird. Der Stellplatz kostet 10 € pro Nacht und bietet Ver-/Entsorgung und ein WC in der Nähe.      N-43-56-27  O-12-46-17DSC03525

Spaziergang auf der Burgmauer DSC03537

Von der Mauer aus sieht man auf private Balkone und Terrassen mit zum Trocknen ausgelegten TomatenDSC03534

Am nächsten Morgen fahren wir von Gradara aus hinaus an die Küste. Oberhalb des Badeortes Gabicce Mare liegt Gabicce Monte. Von hier führt eine malerische kurvige Bergstraße hoch über der Küste entlang, bis man bei Pesaro wieder das Meer erreicht. Weiter geht es ins Landesinnere, vorbei am berühmten Wallfahrtsort Loreto in die kleine, für die Region Marken typische Kleinstadt Recanati. Viele Orte in den Marken bieten kostenlose Wohnmobil-Stellplätze an, so auch Recanati. N-43-24-10  O-13-33-27    Es gibt eine Ver-/Entsorgungsmöglichkeit und kostenlosen Stromanschluss. Sehr großzügig, das muss man schon sagen.                   DSC03547

Weiter geht es durch die Hügellandschaft des küstennahen Hinterlands. Man hat fast den Eindruck, als ob auf jedem dieser Hügel eine kleine mittelalterliche Stadt thronen würde, so zahlreich sind die hübschen gepflegten Orte. Wir besuchen San Firmano mit einer kleinen Abtei aus dem 9. Jahrhundert, die hoch oben auf den Hügeln liegenden Städte Montelupone und Moresco und landen schließlich in Montefiore dell’Aso. Der Ort hat ebenfalls einen Stellplatz mit Wasser und Ver-/Entsorgung. Man steht ruhig unter Lindenbäumen in der Nähe des Sportplatzes: N-43-0305  O-13-44-55

Typische märkische HerbstlandschaftDSC03548

“Auf dem Balkon” von Montefiore dell’Aso – im Vordergrund ein “gedeckter Tisch” aus MosaiksteinchenDSC03557

“Abendstimmung in den Marken”  – im Hintergrund schemenhaft zu erkennen ist der Corno Grande im Gran Sasso Massiv, mit fast 3.000 m Höhe der höchste Berg Italiens außerhalb von Südtirol.DSC03565b

Nachtspaziergang in MontefioreDSC03569

Ein tolle Idee der Stadtgemeinde Montelupone zur Müllvermeidung. Wir stehen zur Stadtbesichtigung auf dem Wohnmobilstellplatz und beobachten ein ständiges Kommen und Gehen vor diesem kleinen Holzhäuschen. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass hier von 2 Wasser-Automaten sowohl normales Trinkwasser wie auch welches mit Kohlensäure gezapft werden kann. Die Einheimischen haben dazu eine Plastikkarte, die sie einschieben – und schon läuft das Wasser in die mitgebrachten leeren Flaschen. DSC03545

Am nächsten Morgen fahren wir weiter über die Autobahn in den Süden, bis kurz vor den Gargano. 10 km im Landesinneren beim Ort Chieuti liegt die Massaria Casacapanna, ein prächtiges Landgut mit Stellplatz, Hotel, Pool und einem hervorragenden Restaurant: N-41-52-17  O-15-9-55. Auf dem in Familienbesitz befindlichen Gut wird neben Olivenöl auch ein toller Wein produziert. Wir essen hervorragend zu Abend und trinken dazu einen feinen Weißwein namens Falanghina. Am nächsten Morgen kaufe ich 6 Flaschen zum Mitnehmen und will für den Stellplatz bezahlen. Der freundliche Besitzer verzichtet großzügig darauf und wünscht uns eine gute Reise an die Westküste.

Wir sind vor vielen Jahren mit unserem ersten Wohnmobil, einem Pössl-Kastenwagen, schon einmal die Amalfi Küstenstraße südlich von Neapel gefahren. Damals durfte man mit einem kleineren Wohnmobil diese spektakuläre enge Küstenstraße noch fahren. Mittlerweile ist sie dafür gesperrt. Weil wir ohnedies an die Westseite Italiens wollen, fahren wir am nächsten Tag quer über den Stiefel nach Vico Equense an der Bucht von Sorrent – gegenüber von Neapel und mit Blick auf den Vesuv. Von hier aus wollen wir die Costiera Amalfitana auf einer Rollertour nochmals erleben.

Wir bleiben auf dem Camping Platz Sant’Antonio am kleinen Yachthafen von Vico Equense: N-40-39-33  O-14-25-7, sehr freundlicher Besitzer, alte Sanitäranlagen, 21 €.

Am nächsten Morgen starten wir zu unserer Rollertour und fahren über die Berge an die Südküste der Halbinsel von Sorrent.

Blick auf die Stadt SorrentDSC03601

Obwohl schon Nebensaison ist, ist die Küstenstraße stark befahren. In den engen Ortsdurchfahrt gibt es fast kein Weiterkommen mehr. Vor dem prächtigen Städtchen Positano führt die Straße in 200 m Höhe durch die Stadt. Wir fahren in engen Schleifen bis hinunter zum Strand, mit dem Roller kein Problem. Aber es schieben sich auch Autos durch den Ort und dazwischen Mengen an Fußgängern. Wir machen einen Spaziergang durch die voll auf Tourismus ausgerichtete Stadt und fahren dann wieder hinauf zur Hauptstraße.

Blick auf  den westlichen Teil von Positano      DSC03610

Dichter Verkehr auf der Costiera AmalfitanaDSC03616

Wir fahren weiter bis Amalfi. Auch hier steht der Verkehr so gut wie still. Also drehen wir um und fahren statt dessen hinaus bis ans Ende der Halbinsel von Sorrent. Die Insel Capri liegt zum Greifen nahe.DSC03620

Zurück geht es an der Nordseite der Halbinsel über Sorrent bis zu unserem Campingplatz mit schönen Ausblicken auf die Küste und den Vesuv.           DSC03626

Liebe Freunde, das war’s wieder einmal. Unser nächstes Ziel ist Paestum. Die alte griechisch-römische Ausgrabungsstätte mit ihren 3 gut erhaltenen griechischen Tempeln haben wir zwar schon zweimal besucht, sie fasziniert uns jedoch immer noch. Und weil wir schon einmal in der Nähe sind, müssen wir natürlich wieder hin. Außerdem gibt es hier den besten Büffel-Mozzarella von ganz Italien. Doch dazu nächstes mal mehr.

Danke für Euer Interesse und liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2016 Süditalien, Sizilien | 8 Kommentare

Herbstreise 2016 – Süditalien/Sizilien

Liebe Freunde unserer Reiseberichte,

in wenigen Tagen beginnt unsere Herbstreise 2016. Nach unserer Skandinavien Reise zum Nordkap im Frühjahr möchten wir jetzt den schönen heimischen Sommer verlängern und fahren in den Süden Italiens und nach Sizilien.

Wir haben wie immer nur eine grobe Vorstellung von der Route. Geplant ist, dass wir zunächst an der Adriaseite in den Süden fahren und dabei das adriatische Hinterland näher kennenlernen. Später wollen wir auf die westliche Seite Italiens wechseln und im Raum Neapel einige Zeit verbringen. Dabei möchten wir mit dem Roller einige Touren unternehmen, darunter ein Fahrt an der Amalfi-Küste entlang

Anschließend geht es weiter durch Kalabrien nach Sizilien, wo wir vorhaben,  bis Mitte November zu bleiben.

Wer unseren Reisebericht vom Herbst 2015 in Erinnerung hat, weiß vielleicht noch, dass wir damals eine herrliche Tour durch die Bergwelt der Abruzzen gemacht haben und durch die schönen Bergdörfer, die jetzt vom Erdbeben zerstört wurden, gefahren sind.

In Amatrice haben wir schöne Stunden verbracht, die berühmten Spaghetti all’Amatriciana genossen und sind durch die malerischen Gassen mit ihren alten Kirchen gegangen, die jetzt fast völlig zerstört sind.

Man kann es kaum glauben.

Amatrice 2015Amatrice 2015

und heute (Fotos orf.at)IMG_1711

IMG_1712

Es fehlen einfach die Worte.

Liebe Freunde, wir hoffen, dass wir wieder das eine oder andere Interessante von unserer Reise berichten können und dass Ihr wieder “mit uns unterwegs seid”.

Liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter Uncategorized | 5 Kommentare

“Kühlschrank-Reise” von Nord- nach Süd-Deutschland und dann nach Hause

23. Juni – 4. Juli 2016

Liebe Freunde,

am 23. Juni brechen wir zur letzten Etappe unserer Nordkap-Fahrt auf. Die Fähre bringt uns in wenigen Stunden von Trelleborg nach Rostock. Es ist richtig warm geworden und so lässt sich die Fahrt an Deck zum Sonnenbad nutzen.

DSC03304

Nach einem Stadtbummel durch  Rostock übernachten wir auf einem Stellplatz am Yachthafen. Nachts gibt es Sturm, dessen Folgen wir in den nächsten Tagen deutlich sehen. Überall, wo wir hinkommen, liegen abgerissene Äste und umgestürzte Bäume neben der Straße.

In Wismar treffen wir unsere langjährigen Camperfreunde Gerlinde und Siegfried aus dem Allgäu und verbringen wieder eine nette gemeinsame Zeit mit ihnen. Wismar ist eine der sehenswerten alten Hansestädte an der Ostsee. Die Altstadt ist UNESCO-Welterbe. Wir übernachten auf dem offiziellen Stellplatz der Stadt, von dem aus wir das nahe gelegene Zentrum zu Fuß schnell erreichen.

Unser nächstes Ziel ist Lübeck, die “Königin der Hanse”, und ebenfalls eine Welterbe-Stadt. Prächtige Backsteinhäuser und            -kirchen prägen das Stadtbild. Die Stadt verfügt über einen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz (N-53-52-17  O-10-40-43)

DSC03355

DSC03356

Weiter geht es zu unserem  Termin bei einer Dometic-Kühlschrank-Werkstatt in Kiel. Hier soll unser 5-jähriges “Kühlschrank-Dilemma” (treue Leser kennen die Geschichte) endlich gelöst werden.

Direkt an der Mündung des Nord-Ost-See-Kanals gibt es einen Stellplatz, von dem aus man die riesigen Containerschiffe beobachten kann (N-54.3638  O-10.1473). Hier übernachten wir, weil wir am nächsten Morgen pünktlich in der Werkstatt sein wollen.

Nach verschiedenen Tests, dem Einbau einer neuen Steuerungselektronik und eines neuen Gasbrenners lautet die Diagnose: “Irreparabel”. Wir bekommen das Angebot, den Kühlschrank kostenlos auf das neueste Gerät, das offiziell noch gar nicht auf dem Markt ist, ausgetauscht zu erhalten. Einziger Haken: ein für uns passendes gibt es erst in Bad Kreuznach am Rhein – rund 600 km südlich von hier. Natürlich akzeptieren wir. Auf die paar hundert Kilometer kommt es jetzt auch nicht mehr an. Morgen mittags soll der Austausch erfolgen.

Wir übernachten auf dem Campingplatz in Bad Kreuznach, besichtigen die sehenswerte kleine Kurstadt und sind am nächsten Tag um 11.00 Uhr in der Werkstatt. Ein äußerst kompetenter Monteur tauscht den Kühlschrank in kürzester Zeit aus und er funktioniert auf Anhieb. Obwohl das ja eigentlich selbstverständlich ist, können wir es kaum glauben: endlich ein funktionierender Kühlschrank! Und noch dazu mit verbesserter Kühlleistung. Damit sollte das ganze Drama nun ein Ende haben. Es wären aber nicht wir, wenn wir nicht zu Hause feststellen hätten müssen, dass die Innenverkleidung der Türe des Tiefkühlfaches gebrochen ist. Um es kurz zu machen: Dometic hat uns eine neue Tür gesandt, die wir selbst einbauen können. Also: Ende gut – und hoffentlich “Alles” gut 🙂

Weil wir nun schon so weit im Südwesten Deutschlands sind, besuchen wir die nahe gelegene Nibelungen- und Lutherstadt Worms am Rhein und treffen uns dann mit der in Karlsruhe lebenden Familie unseres Sohnes für ein paar Tage auf dem Campingplatz Berwartstein im Pfälzer Wald. Über Nürnberg und Passau geht es dann am 4. Juli nach Hause.

Es war eine spannende Reise – 10.000 km durch interessante Länder, beeindruckende Naturlandschaften und mit vielen schönen Erlebnissen. Danke für Eure Reisebegleitung und Euer Interesse. Wir hoffen, dass Ihr auch auf unserer nächsten Tour wieder mit dabei seid. Ende August wollen wir für 2 1/2 Monate nach Kalabrien und Sizilien.

Liebe Grüße. Helga und Willi

… und als Abschluss noch ein Überblick über unsere Tour “Nordkap 2016”2016 Route  Nordkap

Veröffentlicht unter 2016 Polen, Baltikum, Skandinavien, Nordkap | 3 Kommentare

Von Stockholm an der Ostsee entlang bis Trelleborg

12. bis 22. Juni 2016

Stockholm Trelleborg

Liebe Freunde,

nach der im letzten Bericht beschriebenen Wanderrunde im innerstädtischen Nationalpark von Stockholm steht heute schon die nächste Wanderung auf dem Programm – im Naturreservat Stendörren.

Die Nacht haben wir auf einem abgelegenen, ruhigen Badeplatz am kleinen Hafen von Abygnäs verbracht. (N-59-01-12  O-17-37-06)

Auf dem Weg zum Naturpark liegt aber noch einiges Sehenswertes. Zunächst besuchen wir Schloss Tullgarn, eines der schwedischen Königsschlösser,  in der Nähe von Södertälje. Es wurde ab 1719 von einem französischen Architekten für die schwedische Königsfamilie errichtet, der es als Sommerresidenz diente.DSC02914

Auf dem Weg dorthin sehen wir nach langer Zeit endlich wieder eine Elchkuh, 200 m von der Straße entfernt in einer WieseDSC02934

Als sie uns bemerkt, läuft sie in den Wald und mit ihr – welche Überraschung –  ihre beiden Jungen, die vorher nicht zu sehen waren.                  DSC02942

Übrigens: für den Fall, dass wir auf unserer ganzen Reise keinen Elch zu Gesicht bekommen hätten, hat uns unser Freund Helmut aus Kalamata, den wir in Litauen getroffen haben, “seinen” in Finnland fotografierten Elch zur Verfügung gestellt. Nun haben wir ja “fünf eigene” gesehen. Dennoch sei “sein Elch” dankenswerter Weise der Öffentlichkeit vorgestellt 🙂                                              IMG_1580

Unweit von Schloss Tullgarn liegt das nette Städtchen Trosa mit zahlreichen niedrigen, roten Holzhäusern. Hier gibt’s ein schwedisches Fisch-Mittagessen.        DSC02948

Wanderung in den Schären des Stendörren Naturreservats. Hängebrücken verbinden die Inseln miteinander.DSC02974

Bewegt er sich oder bewegt er sich nicht? Der schöne Vogel stellt sich bei näherer Betrachtung als Kunstwerk aus Metall herausDSC02955

Blühendes WollgrasDSC02980

Glattgeschliffene Felsen prägen die Inselwelt der SchärenDSC02992

DSC02995

In der Nähe von Nyköping finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz mit Meerblick (N-58-44-43  O-17-1-36) und fahren am nächsten Morgen von Söderköping weit hinaus in den Schärengarten von Sankt Anna / Tyrislöt. DSC02993

Auf einer Radtour entdecken wir den wahrscheinlich nördlichsten Weingarten Europas. Es wird gerade daran gearbeitet, die im Winter erfrorenen Rebstöcke zu ersetzen. DSC02997

Unser nächstes Ziel ist der Göta Kanal, ein 87 km langer Wasserweg zwischen 5 verbundenen Seen, der (mit einem weiteren Kanal ) quer durch Schweden führt und hier bei Söderköping in die Ostsee mündet. Er passiert dabei 58 Schleusen und 50 Brücken. Schon wenige Jahrzehnte nach seiner Fertigstellung wurde eine Eisenbahnlinie eröffnet, sodass seine wirtschaftliche Bedeutung gering blieb. Heute ist er eine Touristenattraktion und wird von zahlreichen Freizeitschiffen befahren.DSC03041

Erinnerung an 58.000 schwedische Soldaten, die den Kanal ohne Maschinen gegraben haben.DSC03025

Unser Übernachtungsplatz liegt direkt am Kanal mit Blick auf die vorbeifahrenden Schiffe …..DSC03010

….. und eine Brücke, die bei Annäherung eines Schiffes zur Seite geschoben wird (N-58-29-52.  O-16-15-41)DSC03008

Auf dem Kanal Radweg fahren wir nach SöderköpingDSC03014

Eine von vielen direkt hintereinanderliegenden Schleusen, die von Schleusenwärtern mittels Funk-Geräten bedient werden.DSC03018

Vor der Anlegestelle in Söderköping überrascht uns dieses HinweisschildDSC03021

Kurz danach die Aufklärung: Es handelt sich um ein an beiden Ufern aufgestelltes allerliebstes Kunstwerk. DSC03037 DSC03039 DSC03040

Irisblüten fürs WohnmobilDSC03043

Am nächsten Tag geht es wieder “auf Wanderschaft”, und zwar in den kleinen Nationalpark Norra Kvill. Auf dem Weg dorthin meldet unser Reifendrucksystem einen Druckverlust im rechten Vorderreifen. In Linköping suchen wir eine Reifenwerkstätte auf, die auf Anhieb die Ursache findet: eine 2 cm lange Schraube steckt im Reifen. Sie wird entfernt, das Loch repariert und nach einer Stunde können wir weiter fahren.

Der nur 5 km lange Rundweg im Nationalpark führt durch eine märchenhafte Landschaft. Seit 150 Jahren wurde der Wald nicht mehr verändert. Bis zu 350 Jahre alte Kiefern und Fichten, moosbewachsene Felsen, Flechten behangene Äste und stille Seen bilden die Wegkulisse.          DSC03069

DSC03067

DSC03075

DSC03066

Vom höchsten Punkt aus sieht man auf die endlosen Wälder von SmalandDSC03068

Eine Attraktion im Nationalpark Norra Kvill ist “Kvilleken”, eine über 1.000 Jahre alte Eiche. In Brusthöhe hat sie einen Umfang von 14 Metern. Sie sieht zwar schon etwas zerzaust aus, aber sie treibt noch immer Blätter.DSC03080

Kurz vor Vimmerby, der Stadt Astrid Lindgrens,  übernachten wir als einzige Besucher auf dem Parkplatz vor “Nils Holgersons World” mitten in einem Waldgebiet. (N-57-43-58  O-15-45-38). Am nächsten Morgen fahren wir zu  “Astrid Lindgrens Värld”, einem Vergnügungspark, der Pippi Langstrumpf und anderen Figuren aus den Lindgren-Büchern gewidmet ist, und sehen gleich an der Einfahrt eine Schlange wartender Autos. Wir überlegen kurz, ob “wir uns das antun wollen” und beschließen, auf den Besuch zu verzichten. Wir sind ohnedies keine richtigen Pipi-Langstrumpf-Spezialisten und offen gesagt, reizt es uns mehr, eine ganz besondere Insel kennenzulernen, die Insel Öland.

Von Kalmar aus führt seit 1972 ein 6 km lange Brücke auf die InselDSC03158

Der Norden der 140 km langen Insel ist üppig bewachsen, das karstige Heideland im Süden ist trocken. Schöne Strände, malerische Dörfer, unzählige alte Windmühlen, historische Stätten, Grabfelder aus der Wikingerzeit und eine vielfältige Vogelwelt prägen das Ferienparadies.

Wir übernachten auf einem netten Stellplatz im kleinen Hafen von Grönhögen. (N-56-15-59  O-16-23-48).  Für umgerechnet 17 € bietet der Platz eine Vollausstattung, der freundliche Hafenmeister kommt am Abend und kassiert die Stellplatzgebühr. Es gibt sogar eine Waschmaschine.

Ab Mittag zieht eine Regenfront über die Insel. Wir bleiben daher noch eine weitere Nacht, genießen einen faulen Nachmittag im Womo und ich komme endlich dazu, am letzten Reisebericht zu arbeiten.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und wir machen uns auf den Weg zu einer Insel-Umrundung.

Mitten im Heideland liegt die “Fornborg von Eketorp”, eine Fluchtburg aus der Zeit der Völkerwanderung um 400 n.Chr. Sie ist ringförmig angelegt und beherbergt im Inneren ein kleines Dorf. Bis ins Mittelalter wurde sie genutzt und blieb zu einem großen Teil erhalten. Nach umfangreichen Grabungsarbeiten wurde sie so echt wie möglich wieder aufgebaut.DSC03089 DSC03093

Auf der Insel finden sich mehrere Runensteine mit Inschriften aus der Wikingerzeit. Der “Karlevistenen” aus dem 10. Jhdt. trägt ein Gedicht zur Erinnerung an einen ruhmreichen Wikinger.DSC03141

Tausende kleine Windmühlen waren bis ins 19. Jahrhundert auf der Insel in Betrieb. Rund 500 von ihnen sind erhalten und werden als Touristenattraktion gepflegt. Die Hütten waren drehbar und konnten nach dem Wind ausgerichtet werden.DSC03102

Im Norden, noch an der Westküste, bleiben wir eine Nacht auf einer schönen Wiese mit Meerblick am kleinen Hafen von Karehamn (N-56-57-26. O-16-53-17). Auch hier kassiert der Hafenmeister die Gebühr von 15 €. Es gibt an der Zufahrt 400 m vor dem Hafen eine moderne Wasser- und Entsorgungsstation.

Am nächsten Tag fahren wir weiter auf die Westseite der Insel und besuchen die Ruine des Schlosses BorgholmDSC03132

Gleich daneben liegt das kleine Schloss Solliden, das Sommerschloss der schwedischen Königsfamilie. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Stil der Villa von Axel Munthe auf Capri von der Königin Viktoria erbauen lassen. Dr. Axel Munthe, ein bekannter “Modearzt” seiner Zeit, war ab 1908 Leibarzt der Königin. DSC03122

Zurück auf dem Festland, fahren wir nicht an der Küste weiter in den Süden, sondern in Richtung Tingsry im Landesinneren. Abseits der Küste ist es wieder einsam und ruhig. Zahlreiche Badeseen bieten offizielle Übernachtungsmöglichkeiten auf so genannten “Natur-Campingplätzen” an. Sie bieten zwar keinen Stromanschluss, aber Wasserhahn und WC-Entsorgung. Am Abend kommt jemand von der Gemeinde und kassiert 11 €. Auf dem ganzen Platz stehen nur 3 Wohnmobile. Hin und wieder kommen Einheimische zum Baden im See. (N-56-29-55. O-15-18-32)DSC03161

Und dann etwas ganz Besonderes : Der “Erdbeermond” über dem Badesee.  Nur alle 70 Jahre kommt das so bezeichnete Phänomen vor:  Vollmond in der MittsommernachtDSC03171

Langsam nähern wir uns dem Ende unseres Skandinavien Besuches.

Die südlichste Region Schwedens ist das dänisch geprägte Schonen (Skane). Eine letzte Wanderung führt uns in den Stenshuvud-Nationalpark direkt an der Ostsee bei Kivik. Hier befindet sich auch eine 3000 Jahre alte Grabstätte, Kungagraven genannt. Nach seiner Entdeckung im 18. Jahrhundert wurde es geplündert. Der mit Felsritzungen verzierte Grab Raum ist jedoch erhalten. DSC03180

DSC03187

Wir übernachten auf dem kostenlosen Stellplatz am Hafen von Kivik. Man merkt, dass die Ferienzeit begonnen hat. Der Platz ist am Abend fast voll belegt. (N-55-41-8. O-14-13-51)

Am nächsten Morgen ist es regnerisch, gegen Mittag scheint aber schon wieder die Sonne.

Zunächst besuchen wir ein völlig unscheinbares, mitten in einer Wiese gelegenes Kleinod – die Felsritzungen von Gladsax aus der Bronzezeit. Nur ein kleines Schild weist auf diesen glatten, von Weideland umgebenen, Felsen hin. DSC03216

Er ist frei zugänglich und voll mit den typischen Felsritzungen: Boote, Jagdszenen, mystische Ornamente ….DSC03210

…. und FußabdrückeDSC03222

In der Nähe von Gladsax liegt das Glimmingehus, eine der wenigen gut erhaltenen Burgen aus dem Mittelalter. Seine eigenartige Bauweise diente dem Schutz vor Überfällen. Aus allen Stockwerken konnte durch kleine Öffnungen auf Feinde geschossen werden. Auch das Innere beeindruckt durch den guten Erhaltungszustand.

DSC03242

Und dann noch ein Highlight des Tages: “Ales Stenar” – hoch über dem kleinen Hafen Ort Kaseberga. Auf einem kahlen  Wiesenplateau über der Ostsee stehen 58 aufgerichtete Steine in Schiffsform angeordnet, mit jeweils einem höheren Stein am Bug und am Heck. Es gibt viele Erklärungsversuche, wozu sie gedient haben könnten. Die Version, es sei ein Grabmal für einen seefahrenden Wikingerhäuptling, wird nach heutigem Forschungsstand eher verworfen.DSC03248

Vielmehr glaubt man, dass die Anlage ähnlich wie Stonehenge astronomische Bedeutung gehabt haben könnte. Gerade heute, am 21. Juni zur Sommersonnenwende, geht die Sonne in einem ganz bestimmten Verhältnis zu den Steinen auf. Dasselbe geschieht bei der Wintersonnenwende. DSC03252

Als wir im kleinen Hafen von Kaseberga ankommen, verschwinden die Wolken und es wird ein wunderbarer Sommertag

Eine seltsame Kombination: Mohnblumen mit FischreuseDSC03256

Blick auf die Dünenküste bei KasebergaDSC03253

Am Nachmittag fahren wir in die Küstenstadt Ystad. Die Stadt ist international bekannt geworden durch Henning Mankell, der hier teilweise gewohnt hat, und seinen Kommissar Kurt Wallander. Es gibt geführte Touren zu zahlreichen Plätzen, die in den Wallander-Romanen vorkommen.

Die Stadt ist aber auch ohne Wallander sehenswert. Kleine Gassen mit gepflegten Fachwerkhäusern, davor wunderschöne duftende Rosenbüsche, prägen das StadtbildDSC03279

DSC03274

Wir übernachten auf dem offiziellen Stellplatz von Ystad direkt am Yachthafen. 17 €. (N-55-25-35. O-13-48-46) und fahren am nächsten Morgen weiter nach Trelleborg, wo wir am 23. Juni um 7.30 mit der Fähre nach Rostock übersetzen werden.

Vor Trelleborg bleiben wir noch ein paar Stunden auf einer Wiese oberhalb eines langen weißen Sandstrandes und genießen die schwedische SommersonneDSC03291

Abschied von Schweden am Mossby Strand zwischen Ystad und TrelleborgDSC03293

Von Rostock aus wollen wir weiter nach Wismar, wo wir langjährige Womo-Freunde treffen und dann weiter nach Kiel. Unser Kühlschrank, dessen Macken uns seit Jahren begleiten, soll von der laut Hersteller Dometic “besten Werkstatt überhaupt” begutachtet und repariert werden. Eventuell wird das Gerät nach so langer Zeit sogar ausgetauscht. Wir hoffen das Beste.

So viel für heute und liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2016 Polen, Baltikum, Skandinavien, Nordkap | 8 Kommentare

Von Kiruna nach Haparanda und weiter bis Stockholm

4. bis 11. Juni 2016

IMG_1583

Liebe Freunde,

weiter geht es von Kiruna in den Süden bis Stockholm.

Vor 2 Jahren sind wir einen Teil der Strecke schon gefahren und haben von dort berichtet. Alles, was wir damals ausführlicher beschrieben haben, fehlt daher in diesem Bericht. Näheres zu Kiruna, die Höga Kusten bei Örnsköldsvik und die Stadt Stockholm selbst findet sich im Archiv von 2014.

Wir verlassen Kiruna und nehmen nicht die kürzeste Strecke über die E10 nach Lulea, sondern folgen dem Torneälv, einem 400 km langen Fluss in Lappland, der später zum Grenzfluss zwischen Schweden und Finnland wird. Dabei überschreiten wir den Polarkreis in südlicher Richtung.

Das obligate “Polarkreis”-Foto …. und kurz danach eine Schrecksekunde …. DSC02610

Vor 300 km haben wir unseren Frischwassertank gefüllt. Dabei habe ich den Tankdeckel samt Helgas Schlüsselbund mit allen Wohnmobil-, Roller- und Fahrradschlüsseln auf die Rollerplattform gelegt und darauf vergessen. Mit meinen Schlüsseln sind wir weitergefahren. Jetzt – hunderte Kilometer später – entdecken wir Tankdeckel und Schlüsselbund “unverloren” neben dem Roller. Unglaublich!  Er liegt nach dieser langen Strecke mit Kurven, manchen Schlaglöchern und Bremsmanövern unverändert dort.     DSC02617

Südlich von Pello wechseln wir über die Torneälv-Brücke hinüber nach Finnland und übernachten am Fluss (N-66-23-35. O-23-41-14)                   DSC02618

Der Torneälv weist zahlreiche Stromschnellen auf, so auch hier kurz vor Tornio, der finnischen Stadt am Bottnischen Meerbusen, gegenüber ihrer schwedischen Schwesterstadt Haparanda. 

Fischerdorf am TorneälvDSC02639

Von abenteuerlichen Holzgestellen aus wird mit Netzen, die an langen Stangen befestigt sind, nach Felchen und Lachsen gefischt. DSC02631

Dieser Fischer bevorzugt das sichere Ufer. Das Netz ist heutzutage an einer High-Tech-Aluminium-Stange befestigt.DSC02624

Weiter geht es durch endlose Wälder, vorbei an Lulea, bis nach Skelleftea. Hier biegen wir ins Landesinnere ab, fahren in Richtung Burträsk und nehmen kurz vorher eine 3 km lange Schotterpiste bis zum Strand auf der Halbinsel Langnäset. Hier erwartet uns ein prächtiger Sandstrand mit Grillplatz – im Sommer sicher gut besucht, heute sind wir über Nacht alleine hier. (N-64-30-30. O-20-42-38)           DSC02659 DSC02658 DSC02657

Allerdings nur fast alleine. Die ersten Stechmücken-Schwärme stellen sich ein und jetzt ist “Chemie” gefragt 🙂DSC02656

15 Grad Wassertemperatur. Wir verzichten auf das erste Bad im Meer im diesem Jahr 🙂 DSC02654

Am nächsten Morgen fahren wir weiter, auf einer von zahlreichen “Elch-Warntafeln” gesäumten Inland-Strecke nach Umea, der europäischen Kulturhauptstadt 2014. Trotz der vielen Tafeln taucht kein Elch auf. In Umea wollen wir das Västerbotten Museum besuchen, das unter anderem historische Schianzüge ausstellt – wie von Ingemar Stenmark und Anja Pärsson. Rund um das Freiluft-Gelände sind alle Parkplätze besetzt und es herrscht ein riesiger Andrang, obwohl heute Montag ist. Mangels Parkplatz fahren wir weiter und wundern uns über diesen Massenandrang.

Unser nächste Ziel ist die Stadt Örnsköldsvik. Kuriosum ist eine innerstädtische Schisprungschanze, deren Auslauf unter dem Bahnhof durchführt. Wir suchen die Touristeninformation, um Material für die Höga Kusten, unser nächstes Wanderziel, zu holen. Sie ist aber an Sonn- und Feiertagen geschlossen. Und langsam dämmert es uns, dass heute ein Feiertag sein muss. Richtig. Es ist der schwedische Nationalfeiertag!

Zur Übernachtung fahren wir ein paar Kilometer weiter zum Friluftscentral Själevads, einem großen Picknickgelände am Fluss Moälven (N-63-17-24. O-18-36-52). Hier steht man schön am Flussufer, allerdings stört die vorbeiführende Straßen das morgendliche Ausschlafen 🙂

Ein kleiner Spaziergang führt ans gegenüberliegende Flussufer zur schönen, oktogonal konstruierten Själevads Kirche  DSC02673

In den Gärten blüht gerade der Flieder,  …. DSC02676

….. in den Wäldern blühen die Maiglöckchen ….. DSC02686

…. und auf den Wiesen ungewöhnlich hoch gewachsene “Löwenzähne” DSC02699

Wie schon vor zwei Jahren besuchen wir wieder das Gebiet der Höga Kusten, der “Hohen Küste”. In Nordingra parken wir das Wohnmobil und machen uns auf zu einer Wanderung durch urtümliche Wälder …. DSC02707

… mit schönen Ausblicken auf die Fjordlandschaft DSC02712

Dabei entdecken wir immer wieder diese Tier-Losung – ca. 3 cm große braune Knötel. Vielleicht gibt es unter Euch wieder jemanden, der uns sagen kann, von welchem Tier diese stammen.DSC02710

Der markierte Wanderweg verliert sich plötzlich inmitten eines Waldrodungsgebietes – und wir verlaufen uns hoffnungslos. Zum Glück haben wir unser GPS-Gerät dabei und können zumindest die Richtung bestimmen, wo wir hin müssen. Dabei durchqueren wir sumpfiges Gelände und landen in dieser “herrlichen” Wiese mit hohem Gras und zahlreichen Brennnesseln. DSC02715

Am Abend fahren wir noch ein Stück weiter bis zu einem schönen Bade- und Grillplatz im Omnebergets Naturreservat. (N-62-57-05. O-18-21-01) Für 10 €, die in eine bereitgestellte Box gesteckt werden, bekommt man Wasser, Toiletten-Entsorgung und hat  mehrere Grillplätze zur Auswahl. Anfangs sind wir alleine, dann kommt doch noch eine Wohnmobil dazu. Es ist wunderschön hier – und es gibt ein abendliches “Camp-Fire”. DSC02718

Die Fahrt geht weiter zur nächsten Wanderroute nach Smitingen bei Härnosand. Zu Mittag gibt es Pitepalt, eine Art “Knödel mit Fleischfüllung”, die nach der Stadt Pitea benannt ist. Man kann sie fertig im Supermarkt kaufen.

Unsere Wanderung ist, wie auch die anderen in diesen Berichten, in den “Rother Wanderführern” beschrieben und führt vom riesigen Badestrand in Smitingen hinauf in felsiges Terrain. Wir müssen ein wenig herum klettern, weil einige der angeführten hölzernen Brücken über die Felsspalten im Winter zerstört wurden.

Beginn der Wanderung am prächtigen Badestrand DSC02746

Was ist das wohl für eine Blume, die direkt aus dem Wasser wächst? DSC02749

Der Weg führt auf und ab, am Meer entlang, begleitet von schönen Felsformationen DSC02762

Als wir uns einem Picknickplatz nähern, rieche ich Rauch und denke, dass hier jemand am Grillen ist. Aber außer uns ist jetzt am späten  Nachmittag keine Menschenseele mehr unterwegs. Neben der Mülltonne hat jemand eine Alu-Grillschale mit glühenden Holzkohlen abgestellt!!!  Das Holz darunter brenn die Flammen sind schon 30 cm hoch. Zum Glück haben wir noch Trinkwasser dabei und können die noch Flammen löschen. Ein Riesenglück, dass wir so spät noch losmarschiert sind. Sonst wäre wohl der ganze Grillplatz, wenn nicht gar der Wald daneben in Brand geraten. DSC02767

Unser nächster Übernachtungsplatz ist ein großes Wiesengelände am Wasser südlich von Sundsvall bei Svartvik (N-62-19-10. O-17-22-14). Ein schöner ruhiger Platz für die Nacht ohne Ausstattung.

Am nächsten Morgen fahren wir über Sundsvall nach Delsbo im Hälsingland, einer Region  mit zahlreichen historischen Bauernhöfen. Es bläst starker Wind, trotzdem hoffen wir, eine Wanderung durch dieses sehenswerte Bauernland machen zu können.

Vorher passieren wir noch das größte Ypsilon der Welt – ein 30 m hohes, 700 Tonnen schweres Betonkunstwerk. Es steht unübersehbar neben der E4 bei Timra/SundsvallDSC02772

Besuch im Delsbo Forngard, einem von mehreren Freilichtmuseen mit historischen Bauernhöfen, einer alten Schulen und anderen interessanten Gebäuden. Wir sind die einzigen Besucher und bekommen eine ganz persönliche Führung. Dabei erfahren wir von unserem Guide, der hier als Arbeiter beschäftigt ist, vieles über die Gebäude aber auch über die Geschichte der Region und Schwedens im Allgemeinen. Er ist ein interessanter “Wikinger”-Typ. Ehemaliger Waldarbeiter, Harley Davidson Fahrer, bewandert in schwedischer Geschichte und überaus freundlich. Die riesigen Schlüssel zu den Gebäuden trägt er in einer großen Tasche bei sich und muss bei jedem Haus suchen, welcher passt.

Die alten hölzernen Bauernhöfe sind als “Vierkanter” aufgebaut. 4 Gebäude bilden einen rechteckigen geschützten Hof.DSC02792

Alle Innenräume der Bauernhöfe der Region sind wunderschön bemalt. Bekannte Wandermaler, die im Sommer ein Handwerk, im Winter die Malerei ausgeübt haben, haben sie geschaffen.DSC02786

Leider bläst der Wind mittlerweile so stark, dass wir auf eine Wanderung verzichten und zu unserem nächsten Ziel nach Uppsala weiterfahren. Das Wetter wird immer besser und wir finden an einem Badestrand bei Gamla Uppsala (Alt Uppsala) einen schönen Stellplatz mit WC-Entsorgung und Wasserhahn (N-59.9042  O-17.6255)

Am nächsten Morgen besuchen wir Gamla Uppsala, eine historische Siedlung mit bedeutenden Hügelgräbern, die um das Jahr 500 n.Chr. entstanden sind und einer prächtigen alten Kirche.

1164 wurde Alt-Uppsala zum Erzbischofsitz. Die Kirche stammt aus dieser Zeit. DSC02808

In der Kirche liegt Anders Celsius, schwedischer Astronom, Mathematiker und Physiker begraben, der 1701 in Uppsala geboren wurde. Nach ihm wurde unsere Temperatureinteilung “Grad Celsius” benannt.                DSC02800

Ebenfalls in der Kirche: eines der ältesten erhaltenen Möbelstücke Schwedens. Ob wohl das eine oder andere Stück des bekannten schwedischen Möbelhauses unserer Zeit auch die Jahrhunderte überdauern wird?DSC02802

Die Hügelgräber, die oft auch als Königsgräber bezeichnet werden, liefern Stoff für zahlreiche Mythen. Klar ist nur, dass sie um das Jahr 500 entstanden sind und deutlich größer sind als ähnliche Anlagen in Schweden.DSC02813

Schon 1240 fiel die Kirche von Alt-Uppsala einem Brand zum Opfer. 1273 wurde der Sitz des Erzbischofs in die neue Domkirche nach Uppsala verlegt. Sie ist fast 120 m hoch und Krönungs- und Grabstätte der schwedischen Könige.DSC02836 DSC02820

Carl von Linné, der berühmte schwedische Naturforscher und Begründer der modernen Einteilung der Pflanzen- und Tierwelt, lehrte an der Universität von Uppsala und ist in der Domkirche begraben.DSC02819

Ebenfalls in Uppsala begraben ist Dag Hammarskjöld, den Älteren unter uns noch gut in Erinnerung.  Er war zweiter UN-Generalsekretär, Friedensnobelpreisträger und starb 1961 bei einem Flugzeugabsturz in Afrika, wo er in einem Konflikt in der so genannten Kongo-Krise vermitteln wollte. Die Absturzursache blieb ungeklärt. Ein schlichter Grabstein auf dem Familiengrab erinnert an ihn.  DSC02829

Unser nächstes Ziel ist Stockholm. Vor 2 Jahren waren wir für mehrere Tage in dieser schönen Stadt und haben darüber berichtet. Für heuer haben wir uns ein ganz besonderes Ziel in Stockholm vorgenommen: Ekoparken – den ersten Nationalpark der Welt innerhalb eines Stadtgebietes. Auf einer 14 km langen Wanderung umrunden wir den See Brunnsviken und haben dabei ein ungewöhnliches Erlebnis.

Vorher aber noch ein paar “tierische Begegnungen”

Mama passt auf.DSC02844

“Jung-Schwanen-See”DSC02853

“Kaum zu glauben, dass ich später einmal so aussehen werde ….DSC02903

Mama”    🙂             DSC02902

Wir haben den Brunnsviken zur Hälfte umrundet, da werden wir auf einmal von hunderten seltsam gekleideten, paarweise mit einer Schnur verbundenen, seltsamen Kunststoff-Tellern an den Händen und Schwimmhauben tragenden Läufern überholt DSC02858

Kurz danach wird klar, warum. Wir sind mitten im Stockholm Swim & Run Bewerb gelandet. Die Teilnehmer laufen so wie wir rund um den Brunnsviken, nur etwas schneller und sie müssen zwischendurch immer wieder eine Etappe schwimmend zurücklegen.        DSC02891

Wassertriefend geht es zur Labestelle  ….DSC02889

…. und weiter dem Ziel entgegen.DSC02897

Wir wandern gemächlicher weiter, vorbei am Pavillon Gustav III, in dem Kronprinzessin Viktoria mit ihrem Daniel wohnt, und erreichen nach 14 km unser Wohnmobil.

Soviel für heute. Danke für Euer Interesse. Unsere nächsten Ziele sind wieder einige interessante Wanderungen, ein Besuch in den Schären, der Göta Kanal bei Söderköping, Vimmerby und die Insel Öland.

Bis bald und liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2016 Polen, Baltikum, Skandinavien, Nordkap | 10 Kommentare

Vom Nordkap über Hammerfest, Alta, Tromsö und Narvik nach Kiruna in Schweden

30. Mai – 3. Juni 2016

IMG_1570

Liebe Freunde,

nach der beeindruckenden Zeit auf dem Nordkap ist unser nächstes Ziel Hammerfest. Wieder geht es  durch den fast 7 km langen Tunnel, der 212 m unter dem Meeresspiegel durchführt, von der Nordkap-Insel zurück aufs Festland.DSC02290

Und schon folgt der nächste Tunnel durch eine steil aufragende FelswandDSC02302

 

Im “Hohen Norden” wirbt fast jeder Ort mit dem Superlativ “Der/Die/Das Nördlichste” von etwas zu haben oder zu sein. Die nördlichste Brauerei hatten wir schon, in Abisko befindet sich der nördlichste Golfplatz, und so weiter und so fort. Einige kommen noch 🙂

Und Hammerfest wirbt unverdrossen damit, die nördlichste Stadt der Welt zu sein, was genau betrachtet nicht mehr stimmt. Es gibt ein paar Städte, die ein wenig nördlicher liegen, aber was soll’s.DSC02318

Unser Stellplatz in luftiger Höhe 80 m über der Stadt (N-70-49-42. O-223-41-22)IMG_1573

Der Hafen von Hammerfest …..DSC02364

…. und die moderne Kirche – von unserem Übernachtungsplatz aus gesehen.DSC02354

Auf einer Insel nahe der Stadt wurde nach der Entdeckung eines riesigen Gasfeldes in der Barentssee im Jahr 2007 Europas größte Erdgasverflüssigungsanlage gebaut. Das Gas wird über eine 150 km lange Pipeline hierher transportiert.DSC02357 

Gemütlich und hell ist es vor dem Wohnmobil um Mitternacht 🙂DSC02351

Auf dem Weg zu unserem nächstes Ziel, die Stadt Alta am Südufer des riesigen Altafjords, überqueren wir einsame Fjäll-Hochebenen        DSC02370  DSC02368

Die Hauptattraktion von Alta findet sich im Freigelände des Alta Museums – zahlreiche zwischen 2500 und 6500 Jahre alte Felsritzungen. Sie wurden erst 1973 entdeckt und sind UNESCO Weltkulturgut. Es ist kaum zu glauben, dass Menschen zu dieser Zeit am Nordrand Europas leben und überleben konnten.DSC02385

DSC02387

Vielleicht haben auch sie schon Fische zum Trocknen aufgehängt, um sie haltbar zu machenDSC02398

Vor einigen Wochen haben wir in Tallin und dann in Helsinki das Schweizer Ehepaar Karin und Beat getroffen. Wir wussten, dass sie auch zum Nordkap wollen, hatten aber keinen Kontakt mehr. Jetzt – kurz vor Alta – sehen wir ihr Wohnmobil auf einem Parkplatz und später treffen wir uns nochmals zufällig auf unserem Übernachtungsplatz bei Isnestofen. Das musste natürlich gefeiert werden.    (N-70-08-90. O-22-58-27)           DSC02418 

Alta war im 2. Weltkrieg ein Stützpunkt der deutschen Marine und wurde entsprechend bewacht. Am Fjord entlang finden sich zahlreiche deutsche Bunker, die beim Rückzug gesprengt wurden.DSC02409

Vor Elchen und Rentieren wird gewarnt.DSC02431

Die E6 auf dem Weg nach Tromsö umrundet mehrere Fjorde. Dabei besuchen wir den einzigen Gletscher Norwegens, der direkt ins Meer “kalbt”, den Oksfjordbre.DSC02427

Von der hoch gelegenen Straße sieht man immer wieder Fischzucht-Becken. Es wird Zuchtlachs produziert, mit zum Teil fragwürdigen Futtermitteln und unter dem Einsatz von Antibiotika. Norweger haben uns erzählt, dass sie selbst diesen Lachs nicht oder nur ungern essen.  Wildlachs ist aber auch hier teuer.               DSC02436

Die Europastraße “E6” beginnt in Südschweden in Trelleborg, durchzieht ganz Norwegen und endet 3140 km später in Kirkenes an der russischen Grenze vor Murmansk. DSC02446 DSC02438

Die Straße führt nun vorbei an einer beeindrucken Gletscherwelt, den Lyngsalpen. Die höchsten Berge sind zwar “nur” 1500 m hoch. Aber das reicht auf diesem Breitengrad zur Gletscherbildung. Es ist beeindruckend, wenn man sich auf Meereshöhe befindet und dieses “Hochgebirgs-Panorama” sieht.DSC02456 DSC02463 DSC02484DSC02488

Schließlich erreichen wir Tromsö, die “nördlichste Universitätsstadt der Welt”, mit 2500 km2 die flächenmäßig größte Stadt Norwegens und mit 55.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt nördlich des Polarkreises. Sie nennt sich selbst “Paris des Nordens”. Das ist sicher übertrieben, aber für norwegische Verhältnisse pulsiert die Stadt regelrecht. Es gibt zahlreiche Kneipen und Restaurants, die Mitternachtssonne scheint vom 23. Mai bis zum 23. Juli – und die von den vielen Studenten geprägte Szene nutzt dies reiflich aus. Kurz nach uns kommen Karin und Beat an – und wir treffen uns zum vierten Mal zufällig.

Die 1965 eingeweihte “Eismeer-Kathedrale” ist das Wahrzeichen der Stadt. Die Architektur erinnert an die Form eines Eisbergs.DSC02503 DSC02511

Überall in der Stadt gegenwärtig – Roald Amundsen, der berühmte Polarforscher. 1928 bestieg er ein Wasserflugzeug, um an der Suchaktion nach einer in der Arktis verschollenen Expeditionsgruppe teilzunehmen, und kam dabei ums Leben.DSC02522 DSC02526

Eine kühne Bogenbrücke führt über den Tromsö-Sund und verbindet den Stadtteil Tromsdalen mit dem Zentrum.DSC02529

Walfang-Harpune vor dem PolarmuseumDSC02533

Heute nicht mehr verständlich – früher der Stolz von Jägerin und JägerDSC02532

Mack’s Ölbryggeri – die “nördlichste Brauerei der Welt” – braut unterschiedlichste Sorten “Öl” (Bier). Wir testen natürlich zwei davon – meine Kostprobe ist so stark, dass selbst eine kleines Glas Wirkung hat 🙂DSC02539

Unser nächstes Ziel sind die Vesteralen – eine Inselgruppe nördlich der Lofoten. Die Lofoten haben wir vor 2 Jahren besucht und hatten eine Woche lang “Sommerwetter”. 

Die Vesteralen sind unter anderem deshalb interessant, weil auf Grund eines idealen Nahrungsangebotes  in den Gewässern davor Pottwale und auch andere Arten in ungewöhnlich großer Zahl vorkommen. Mehrere Anbieter von Wal-Safaris nutzen dies und bieten ihre Dienste an. Freunde haben uns berichtet, dass es ein unvergessliches Erlebnis ist, die riesigen Tiere hautnah zu erleben.

Leider spielt dieses Mal das Wetter nicht mit. Auf unserem letzten Übernachtungsplatz bei Gratangen kurz vor Narvik gibt es in der Nacht starke Sturmböen und Regen – dazu ist es saukalt. Der Übernachtungsplatz selbst ist schön ruhig und liegt direkt am Fjord. (N-68-40-11. O-17-40-45). Es wird eine Spende von 10 € für die Übernachtung erbeten, die wir in die bereitgestellte Box stecken.

Die ganze Nacht rüttelt der Sturm am Wohnmobil und reißt die Dachplane eines Pavillon beim Bootsmuseum, vor dem wir stehen, ab.                                          DSC02559

Der Wetterbericht sagt für die nächste Zeit auch für die Vesteralen ähnlich schlechtes Wetter voraus. Mit ziemlicher Sicherheit fahren die Wal-Beobachtungsboote unter diesen Umständen gar nicht hinaus und wir beschließen kurzfristig, dass wir zurück an die Ostküste Schwedens und dort weiter in den Süden fahren. Das Wetter ist dort deutlich besser, wir haben den Süden Schwedens ohnedies noch kaum bereist – und so machen wir uns zunächst einmal auf den Weg von Narvik nach Kiruna.

Die Route, die vor uns liegt, haben wir teilweise schon 2014 gefahren und in den dortigen Reiseberichten beschrieben. Bei Interesse bitte im Archiv 2014 nachsehen.

Von Narvik führt die Straße bis zur Grenze nach Schweden auf 500 Höhenmeter hinauf. Das bedeutet hier, dass aus Regen Schnee wird. Zum Glück hat es 3 Grad plus und der Schnee bleibt nicht liegen. Vor 2 Jahren – dem Jahrhundertsommer in Skandinavien – sind wir hier bei strahlendem Sonnenschein gefahren. Heuer sieht es so aus.DSC02566

DSC02569

Je näher wir Kiruna kommen, umso besser wird das Wetter. Die Lappen-Pforte, ein Trogtal in der Nähe des Abisko-Nationalparks, zeigt sich immerhin schon wieder. Das charakteristische U-Profil ist eines der meistfotografierten Fjällmotive in Lappland.             DSC02579

In Kiruna, der “nördlichsten Stadt Schwedens”, scheint dann wieder die Sonne. Wir bleiben auf dem örtlichen Campingplatz, denn es ist “Waschtag” angesagt. (N-67-51-38. O-20-14-25)DSC02589

Kiruna (von samischen “Girun” für “Schneegans”) – liegt auf über 700 m, dementsprechend kalt bläst der Wind. Die Mitternachtssonne scheint im Juni und Juli 50 Tage lang ununterbrochen. Näheres zu Kiruna und Narvik findet sich im Reisebericht von 2014.

Nun sind wir also viel früher als geplant zurück in Schweden, freuen uns aber schon auf die Fahrt in den Süden. Wir haben vieles beim letzten Mal nicht gesehen und möchten einige der in unseren Rother-Wanderführern beschriebene Touren gehen. Was wir dabei erleben, folgt im nächsten Bericht.

Bitte um Nachsicht, dass wir mit den Berichten etwas “nachhinken”. Wir stehen fast immer frei ohne Campingplatz-WLAN – und die Datenverbindung über unsere Datenkarte ist für Blog-Veröffentlichungen zu langsam. Eine gewisse Schreibfaulheit gebe ich auch gerne zu – und jetzt ist auch noch Fußball-Europameisterschaft. Aber ich gelobe, mich zu bessern 🙂

Bis zum nächsten Mal

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2016 Polen, Baltikum, Skandinavien, Nordkap | 3 Kommentare

Von Rovaniemi zum Inari See, nach Kirkenes und zum Nordkap

23. – 29. Mai 2016

IMG_1556

Liebe Freunde,

am 23. Mai machen wir uns auf den Weg in den hohen Norden, in das Land der Sami. Die frühere Bezeichnung “Lappen” wird von den Menschen heute als Herabwürdigung empfunden. Im Norden Skandinaviens leben etwa 70.000 Sami, davon im finnischen Teil ca. 6.500. Die Kultur der Sami ist 10.000 Jahre alt. Es werden mehrere Sami-Dialekte gesprochen. Auch heute noch ist die Rentierzucht ein wichtiger Einkommensfaktor,  wenn auch oft nur mehr im Nebenerwerb.

Die Fahrt führt uns durch endlose Wälder in einer hügeligen Landschaft. Auf den “höheren” Bergen – auf 350 m Seehöhe – liegt noch Schnee. Die Sonne geht nun 24 Stunden lang nicht unter.DSC01602

Im Goldwäscher-Dorf Tankavaara können sich Touristen gegen eine kleine Gebühr an der Schatzsuche beteiligen. Mit Gummistiefeln im Wasser zu stehen, erscheint uns trotz der Aussicht auf unverhofften Reichtum als wenig reizvoll. Wir bevorzugen eine Wanderung im Naturpark hinauf auf den Kleinen Tankavaara, bei der man auf nur 100 Höhenmetern zwei Vegetationszonen durchquert. Im unteren Teil wachsen noch Nadelbäume, im oberen Teil nur mehr Birken. Der Grund: Auf diesem Breitengrad können in höheren Lagen die Samen der Nadelbäume nicht mehr ausreifen. Birken können jedoch aus den Wurzeln neu austreiben. Am Naturparkeingang steht man mit dem Wohnmobil auf N-68-10-45  O-27-05-59DSC01633

Der erste Schneeball seit dem Winter zu Hause.DSC01645

Der Wanderweg führt am Ende durch sumpfiges GeländeDSC01651

Unser nächster Übernachtungsplatz liegt kurz vor dem Inari See auf dem Campingplatz Ukonjärvi (N-68-44-13  O-27-28-40)DSC01658

Der Platz liegt an einem idyllischen See, der am Nachmittag so aussieht ……DSC01663

…. und um Mitternacht soDSC01667

Unsere Fahrt geht weiter nach Inari am gleichnamigen See. Der Inari See ist mit 1400 km2 der drittgrößte See Finnlands, wirkt aber mit seinen 3.000 Inseln wie eine der finnischen Seenplatten. Er gilt für die Sami als heilig und es gibt mehrere alte Kultplätze an seinem Ufer.

Das Gemeindegebiet der Stadt Inari hat 17.000 km2 (etwa 1/5 von Österreich), aber nur 7.000 Einwohner. Im sehenswerten Sami-Museum “Siida” wird das harte Leben in dieser Klimazone eindrucksvoll dargestellt.

Die Rentierzüchter treiben ihre frei lebenden Tiere zwei mal im Jahr in riesigen Gattern zusammen. Im Winter werden die Tiere ausgeschieden, die geschlachtet werden. Im Sommer werden unter anderem die Jungtiere markiert, in dem in die Ohren die für den Besitzer typischen Muster mit einem Messer! geschnitten werden. Diese Muster werden leicht abgewandelt innerhalb der Familien weiter vererbt.

Hier sieht man unter dem jeweiligen Foto das höchstpersönliche Rentier-Ohr-Muster. Wir fragen uns, wie es mit einem einfachen Messer möglich ist, dem auf den Boden gedrückten Tier dermaßen kunstvolle Muster in das kleine Ohr zu schnitzen.DSC01673

Viersprachige Aufschrift auf der Schule von Inari. Oben Finnisch, darunter 3 verschiedene Sami Sprachen.DSC01678

Von Inari aus wandern wir an einem reißenden Fluss aufwärts und nach einer Hängebrücke auf der anderen Seite zurück.DSC01683

Der Wald ist übersät mit riesigen SteinblöckenDSC01695

Dann endlich unser erster Elch auf dieser Reise – leider auf der Flucht vor der KameraDSC01704

Wir fahren weiter und überqueren vor Neiden die Grenze zu Norwegen. Sie ist kaum zu erkennen. Ein Vieh-Rost quer über die Straße – das war’s. Norwegen ist zwar nicht in der EU, aber ein Schengen Mitglied. Deshalb gibt es keine Grenzkontrollen. Ein paar Kilometer später steht ein Zollamt, falls man etwas deklarieren möchte. Um diese Zeit ist aber auch hier keine Menschenseele.

Es ist nach 21.00 Uhr und die tief stehende Sonne taucht die einsame Landschaft in gelbes Licht. Riesige Steinblöcke liegen in den nur spärlich bewachsenen Wäldern

Um 22.00 Uhr  erreichen wir Kirkenes, die nordöstlichste Hafenstadt Norwegens und Endpunkt der Hurtig Ruten Schifffahrtslinie, die hier täglich anlegt. Wir stehen ruhig am Kai neben einem Hotel und genießen die “taghelle” Nacht. (N-69-43-43  O-30-02-38)                        DSC01731

Reste deutscher Bunker aus dem zweiten Weltkrieg im Hafen von Kirkenes. Die Stadt wurde über 300 mal von der russischen Armee bombardiert. 30.000 deutsche Soldaten waren hier stationiert, die den Nachschub der Alliierten nach Russland verhindern sollten. Ein großer Teil von ihnen ist gefallen oder bei -40 Grad erfroren.             DSC01706

Am nächsten Morgen machen wir einen Abstecher zur russischen Grenze. Der Eismeerhafen Murmansk ist keine 200 km entfernt.                          DSC01710

DSC01739

Innerhalb einer 30 km Zone von der Grenze wohnende Russen und Norweger können Visumfrei die Grenze überschreiten. In Kirkenes findet täglich ein russischer Markt statt, auf dem auch die typischen russischen Puppen angeboten werden.DSC01727

Unsere Fahrt geht nun immer weiter in den Norden. Ziel ist die Barents-See, das Eismeer. Wasserfälle und Stromschnellen begleiten unseren Weg.DSC01747

Ein kleines Kulturerbe – die einzige orthodoxe Kirche in der Finnmark, der nordöstlichen Provinz NorwegensDSC01754

Die Straße führt nun durch karge Landschaft. Die Birkenwälder wirken wie tot. Noch sieht man kein Grün. Es soll hier einen Birkenschädling geben, der immer öfter auftritt und von manchen als Katastrophe eingestuft wird. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass wir so früh dran sind und die Bäume erst später austreiben. Die Straße führt nun durch immer felsiger werdendes Gebiet, begleitet von blau schimmernden Fjorden.

Zwei Landzungen im Fjord – sehen sie nicht aus wie das Maul eines Schwertfisches?DSC01775

Vor der Weiterfahrt ans Nordkap bleiben wir über Nacht im winzigen Fischerdorf Torhop. An einer kleinen Fischverarbeitung vorbei stehen wir ganz allein am Fjord (N-70-29-06  O-27-59-14)DSC01802

Das Leben ist hart hier oben – und das Sterben dauert lang 🙂DSC01794

Wer kennt diesen hübschen Vogel?  Bitte alle Fachleute um ihre Meinung.DSC01814

Langsam nähern wir uns dem 71. Breitengrad, dem magischen Ziel aller Nordkap-FahrerDSC01839

Auch hier kehrt langsam der Sommer ein. Das Entfernen der Schneepflöcke erfolgt bequem vom Fahrersitz aus mit Hilfe einer fernbedienbaren Vorrichtung         DSC01889

Rentiere genießen das erste Grün  …..DSC01885

….. gemeinsam mit ihren JungenDSC01991

Eigentlich wollen wir auf direktem Weg zum Nordkap. Aber unser Womo-Reiseführer von Reinhard Schulz, dem Herausgeber der Womo-Buch-Reihe “ Mit dem Wohnmobil nach ….”, empfiehlt uns eine Alternative. Ein wenig Werbung für diese Buch-Serie, die wir seit Jahren zusätzlich zu den üblichen Reiseführern verwenden, darf schon sein. Lieber Reinhard, ich hoffe, Du bist damit einverstanden 🙂

Die Alternative heißt Gamvik auf der Halbinsel Nordkinn – 80 km Luftlinie und 500 Straßenkilometer vom Nordkap entfernt. Hier liegt der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes, den man mit einem Wohnmobil erreichen kann – das Nordkap selbst liegt ja auf einer Insel. Wir befinden uns nun übrigens auf dem selben Breitengrad wie der Norden von Alaska.

Gamvik selbst ist ein kleines, hübsches Fischerdorf DSC01987

Zum Glück ist unser Tank voll 🙂DSC01986

Wir übernachten auf dem wunderbar einsamen Stellplatz beim Leuchtturm “Slettnes Fyr” wenige Kilometer nach Gamvik und schauen auf die Barents-See. Etwas oberhalb des Stellplatzes weitet sich der Blick von Südwest nach Nordost. Deutlich erkennt man die Erdkrümmung an der gebogenen Horizontlinie

Unser Stellplatz in Slettnes (N-71-05-26  O-28-11-1)DSC01899

Durch die karge, aber faszinierende Landschaft führt ein 2 1/2 stündiger Wanderweg, der unmittelbar am Stellplatz beginnt. Der Blick übers Eismeer begeistert immer wieder.DSC01926

Der Weg ist gut markiert DSC01949

Sumpfdotterblumen wagen sich an die Mitternachtssonne …..DSC01956

und auch – man glaubt es nicht – “Schnittlauch”. Wir lesen auf einer Informationstafel, dass hier vor 100 Jahren einmal ein Bauernhof mit Tierhaltung betrieben wurde. Als Folge davon haben sich Brennnessel und Schnittlauch, die hier gar nicht heimisch sind,  bis heute gehalten. Helga pflückt ein Sträußchen – und wir lassen ihn uns zum Abendessen schmecken.DSC01965

Ein Hurtig Ruten -Schiff auf dem Weg nach KirkenesDSC01982

Nun geht’s aber wirklich weiter zum Nordkap – dem “Ziel der Herzen”. Weder ist es der nördlichste Punkt des europäischen Festlands, denn es liegt auf einer Insel, noch ist es der nördlichste Punkt Europas, denn der liegt auf einer Landzunge ein paar Kilometer neben dem Nordkap und ist nur zu Fuß erreichbar.

Die Straße führt vom Meer hinauf auf die kargen Höhen der “Fjells”.  Auch wenn es meist nur bis auf 300 Höhenmeter hinauf geht, sind die Straßen im Winter für Einzelfahrzeuge gesperrt. Auf Warteplätzen werden sie zu Konvois zusammengefasst. Diese fahren nach dem Zeitplan auf der orangefarbenen Tafel ab. DSC02005

Das Wetter ist übrigens  seit einigen Tagen sehr angenehm und das Thermometer steigt oft bis auf 25 Grad.

Wir umrunden den riesigen Porsangen-Fjord und bleiben noch einmal, vor dem Nordkap, über Nacht. Ein schöner Stellplatz wartet in Trollholmen, etwas abseits der Hauptstraße (N-70-17-57   O-25-9-44)

Blick vom Stellplatz zu einem hübschen Ferienhaus auf einer Insel aus Dolomit. Der weiße Stein prägt prägt hier den ganzen Küstenbereich.      DSC02075

Warum wohl heißt der Ort Trollholmen?  Kennt Ihr die Geschichte von den geisterhaften Trollen, die überall im Norden ihr Unwesen treiben und die – wenn sie von einem Sonnenstrahl getroffen werden – versteinern.

Hier sind sie also alle, die den Sonnenaufgang übersehen haben 🙂DSC02094

Außer uns ist nur ein Wohnmobil auf dem Trollholmen Platz. Wir haben die beiden Reisenden, Ulrike und Alfred, schon auf dem Weg hierher ein paar mal getroffen. Sie feiern mit uns unseren 39. Hochzeitstag – und dabei stellt sich heraus, dass Alfred als Gitarrist jahrelang in einer Band gespielt hat. Ich hole also meine Gitarre, die immer dabei ist, hervor. Es wird eine tolle Session bis “sehr früh”, denn um 1 Uhr nachts scheint noch die Sonne und man merkt nicht, wie spät es ist. DSC02109

Nun wird’s spannend. Haben wir Wetterglück auf dem Nordkap oder stecken wir wie 80 % der Besucher im Nebel und sehen gar nichts.

Es beginnt erst einmal perfekt mit blauem HimmelDSC02138

Nur noch 88 km! Laut Wetterbericht ist das Kap bewölkt. Aber wir denken positiv.DSC02140

Nur noch durch den Tunnel, der steil hinunter auf 200 m unter den Meeresspiegel und ebenso wieder hinauf führt.DSC02163

Und dann das!!!!! Wie wird es erst oben auf dem 300 m hohen Nordkap-Felsen sein?DSC02194

Es wird aber zum Glück immer heller ….DSC02195

…. und schließlich sind wir am Ziel. Die Eintrittsgebühr beträgt rund 50 € für 2 Personen. Dafür können wir 24 Stunden alles benutzen, was das Nordkap Zentrum anbietet: Stellplatz (ohne Strom und Wasser), WLAN, WC, Restaurants, Filmvorführung etc.DSC02197

Unglaublich: Die Wolken lockern auf. Kurz vorher stand die Weltkugel noch im Nebel, wie uns andere Besucher erzählen.

DSC02238

DSC02224

Und dann haben wir noch richtiges Wetter-Glück. Zu Mitternacht scheint die Sonne vom nur leicht bewölkten Himmel.              DSC02253

Das Nordkap-Zentrum am 29.5.2016 um Mitternacht  …..DSC02259

…..  und der taghell beleuchtete Wohnmobil-StellplatzDSC02279

Um halb eins scheint die gleissende Sonne direkt durch die Frontscheibe. Es wird Zeit, die Jalousien zuzumachen – sonst ist an Schlaf nicht zu denken.DSC02285

Also dann – soviel für heute. Unsere nächsten Ziele sind Hammerfest, Tromsö ……. ? Vielleicht seid Ihr wieder dabei.

Liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2016 Polen, Baltikum, Skandinavien, Nordkap | 6 Kommentare