Barcelona

17. – 23. 10. 2017

Barcelona, die katalonische Metropole, wartet auf uns. Wir wollten der Stadt eigentlich nur einen zweitägigen Besuch abstatten, geworden sind es dann 6 volle Tage. Fast 100 km waren wir zu Fuß kreuz und quer durch die sehenswerten Viertel zwischen Mittelmeer und den Hügeln im Nordwesten unterwegs. Barcelona ist tatsächlich ein außergewöhnliches Erlebnis. Nicht umsonst ist die Stadt rappelvoll mit Touristen.

Ich möchte hier nur ein paar ausgewählte Eindrücke wiedergeben. Alles andere steht in den unzähligen Reiseführern und Büchern, die über Barcelona geschrieben wurden.

Gleich am ersten Tag kaufen wir an der Bahnstation El Masnou unweit von unserem Campingplatz (she. letzter Blog) ein 10-Fahrten-Ticket für Bahn und Metro für günstige 20 €., später dann noch eine 4 Tages Metrokarte. Die Züge fahren in kurzen Abständen ohne Umzusteigen bis zur Placa Catalunya mitten ins Zentrum. Die Fahrt dauert nur knapp 30 Minuten.

Hier starten auch die Tour Busse zur “Hop-on-Hop-off” Stadtrundfahrt. Knapp 30 Euro kostet das Ticket, mit dem man hintereinander 2 verschiedene Touren fahren kann. Man fährt an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei und bekommt einen ersten Eindruck von der Stadt. Selbst wenn man an keiner der Haltestellen aussteigt, ist man dabei schon fast 5 Stunden unterwegs.

Gegen Abend spazieren wir von der Placa Catalunya die Rambles hinunter und genehmigen uns für 26 € ! zwei Gläser Sangria. Touristen wollen halt “geneppt” werden Smiley. Gut geschmeckt hat es aber jedenfalls.DSC02065

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Direkt an den Rambles liegt der größte und lebendigste Lebensmittelmarkt der Stadt, der 6000 m2 große Mercat de la Boqueria. Das Angebot ist überwältigend.DSC02138DSC02142DSC02150DSC02152

Am nächsten Morgen wartet “das” Highlight von Barcelona auf uns: die Kathedrale “Sagrada Familia”, geplant und teilweise noch selbst umgesetzt von Antoni Gaudi, dem berühmten Architekten des spanischen Jugendstils “Modernisme”, der überall in der Stadt gegenwärtig ist. Seit 1882 wird an ihr gebaut. Als Gaudi 1926 starb, hatte er 43 Jahre an der Kathedrale gearbeitet. Er selbst rechnete mit einer Bauzeit von 200 Jahren. Im spanischen Bürgerkrieg stand der Bau still. Die meisten Baupläne und Modelle wurden durch Brände zerstört. Seit 1952 wird wieder gebaut, 2010 war die Eröffnung durch Papst Benedikt XVI. Im Jahr 2026 soll die Sagrada Familia fertiggestellt sein, zum einhundertsten Todestag von Gaudi.

Blick vom Montjuic, dem Hausberg Barcelonas, über die StadtDSC02410

Intensive Bautätigkeit an der Kathedrale. Es fehlt noch einiges, so auch die beiden Haupt-Türme, die noch höher als die bereits fertig gestellten Türme werden sollen.DSC02415

Gaudi hat die Kirche vielfarbig geplant. Noch sieht man davon wenig, aber angeblich soll sie bunt bemalt werden.DSC02096

Die Ostfassade wurde noch zu Gaudis Zeiten errichtet. Die anderen Fassadenseiten wirken deutlich moderner.DSC02205

Das Innere der Kathedrale macht sprachlosDSC02224

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Blick in die Modellwerkstatt der DombaumeisterDSC02239

Eines der von Gaudi für reiche Bürger gebaute WohnhäuserDSC02062

Nicht weit von der Sagrada Familia liegt das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau, ein weiteres Beispiel für den “Zuckerbäcker-Stil” des Modernisme. Das Spital wurde ab 1905 errichtet und ist seit 1984 Weltkulturerbe. Näheres unter https://www.barcelona.de/de/barcelona-hospital-santa-creu.html

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Wir fahren mit der Metro zurück zur Placa Catalunya und wandern durch das Barrio Gotic, zum Rathaus, zum Regierungsgebäude und zurück zu den Rambles. Über 20.000 Schritte zeigt die Fitness-Uhr. Entsprechend “lahm” sind die Füße. Zum Glück haben wir auf der Rückfahrt nach El Masnou Sitzplätze.

Ein neuer Tag … und neue Eindrücke.

Auf dem Montjuic, dem 213 m hohen “Hausberg” der Stadt, erstreckt sich ein ausgedehntes Erholungsgebiet mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Auch das Olympia Stadion befindet sich hier oben. Und das Museum “Joan Miro” mit zahlreichen farbig-fröhlichen KunstwerkenDSC02394

Blick vom Dach des Miro-Museums über die StadtDSC02395

Die Placa Espanya – vom Montjuic aus gesehen. Die ehemalige Stierkampf Arena beherbergt heute ein Einkaufszentrum. Der Lift davor bringt die Besucher zu einer rundum laufenden Aussichtsterrasse.DSC02416

Gegen Abend besuchen wir das ehemalige Rotlichtviertel “El Raval”, heute ein lebendiges Multi-Kulti-Gebiet mit vielen kleinen Geschäften und Lokalen. Mit Sangria und Mojitos beschließen wir den Tag.

Katzenskulptur” in El RavalDSC02275

Kreuzfahrt-Terminal im Hafen von Barcelona.  DSC02261

Eine Seilbahn führt über den Hafen bis hinüber zum MontjuicDSC02263

Letzter Tag in Barcelona. Heute geht es zunächst in den Nordwesten der Stadt, hinauf zum Parc Güell, einen an einem steilen Hang gelegenen, von Gaudi gestalteten, öffentlichen Erholungspark. Gaudi sollte hier im Auftrag seines Mentors Güell eine Reihe von Wohnhäusern für die “Reichen und Schönen” seiner Zeit errichten. Offensichtlich war die Hanglage jedoch zu mühsam zu erreichen und zu weit vom Zentrum entfernt. Die errichteten Musterhäuser fanden keine Abnehmer. Heute ist der wunderschöne Park ein Touristenmagnet.

Gaudis Wohnhaus, von dem er einen schönen Blick auf die Stadt und die Baustelle der Sagrada Familie hatte.DSC02307

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Spazierweg im Park GüellDSC02323

Nachdem wir wieder kreuz und quer durch die unterhalb des Parks gelegenen Stadtviertel gewandert sind, fahren wir mit der Metro nach Barceloneta an den gut besuchten 4 km langen Stadtstrand. Es ist Samstag und die Menschen nutzen das milde Wetter zum Sonnenbad. Im Hintergrund der Port Olimpic.DSC02350

Sandkünstler bauen in mühevoller Arbeit wahre Kunstwerke auf. Die Kinder haben ihren Spaß daran, aber eigentlich wollen die Erbauer von den Passanten ein wenig “Bares” für ihre Mühe.DSC02357

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Barcelonas Fischskulptur ist eines der vielen Kunstwerke der Stadt. Sie  befindet sich im Port Olimpic neben dem Hotel Arts, einem der höchsten Gebäude der Stadt.
Der bekannte Architekt Frank O. Gehry entwarf den Fisch für die Sommerolympiade von 1992. Er besteht aus Stein, Stahl und Glas. Die kupferfarbenen und glänzenden Metallplatten schimmern in der Sonne und verändern je nach Lichteinfall ihre Farbe.DSC02368

Liebe Freunde, das war’s aus Barcelona.  Viele von Euch werden die Stadt ja kennen. Diejenigen, die noch nicht hier waren, erwartet eine abwechslungsreiche Metropole mit vielen spannenden Gesichtern. Eine der schönsten Städte, die wir je gesehen haben.

Und dass Barcelona als Welthauptstadt der Taschendiebe gilt, können wir nicht bestätigen. Anders als in anderen Metropolen wie Rom, Valencia und Lissabon wurde ich hier nicht bestohlen Smiley

Bis bald von der Costa Brava, unserem nächsten Reiseziel.

Helga und Willi

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Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | Kommentar hinterlassen

Vom Baskenland nach La Rioja und über Zaragoza nach Barcelona

8.10 – 13.10.2017

Liebe Freunde,

wir verlassen Bilbao und fahren weiter ins Landesinnere in die baskische Hauptstadt Vitoria-Gasteiz. Die Stadt liegt inmitten eine ausgedehnte Ebene auf etwa 500 m Höhe und hat fast 250.000 Einwohner. Bedeutende Industriefirmen haben sich hier niedergelassen wie z.B. Mercedes-Benz Espana, Michelin Autoreifen und das Luftfahrtunternehmen Aernnova Aerospace.

Vitoria-Gasteiz bietet dem Wohnmobilreisenden einen angenehmen Übernachtungsplatz mit Ver- und Entsorgungstation im Bereich eines Großparkplatzes.      N-42-51-55          W-2-41-7. Der Platz ist gut besucht. Sollte er voll sein, so kann man auch auf dem Parkplatz daneben stehen.

Die äußerst sehenswerte Altstadt liegt etwa 3 km vom Wohnmobil-Stellplatz entfernt. Rund um den zentralen Hügel findet man zahlreiche Kirchen, romantische Gassen und beeindruckende Plätze.

Die gerade in Renovierung befindliche Kirche Santa Maria hat sich der Autor Ken Follet zum Vorbild für seinen historischen Roman “Die Tore der Welt” genommen. Er engagiert sich auch persönlich für die aufwendige Renovierung und so hat ihm die Stadt vor der Kirche ein Denkmal gesetzt.DSC01854

Am Ende unseres Stadtrundganges entdecken wir eine kleine feine Pintxos Bar mit kreativen KöstlichkeitenIMG_1848IMG_1849

Am nächsten Morgen fahren wir über Miranda de Ebro in das bekannteste Weinbaugebiet Spaniens, die kleine autonome Provinz “La Rioja”.

In Haro, das sich selbst als “Hauptstadt Riojas” bezeichnet, gibt es einen großen, aber trotzdem gemütlichen Campingplatz, auf dem wir uns für ein paar Tage einrichten. N-42-34-41  W-2-51-15. Der Platz liegt sehr zentral. Das Stadtzentrum und die bekannten Bodegas mit Weinverkostung können bequem zu Fuß erreicht werden.DSC01882

Schönes Lebensmotto unserer britischen Camping Nachbarn DSC01884

Im Zentrum von HaroDSC01888

Imposante Bodegas finden sich überall La Rioja ….DSC01903

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WeinverkostungIMG_1861

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Stilleben im Innenhof ……Attachment-12

… und im WeinkellerDSC01909

Die nächste Verkostung SmileyDSC01910DSC01931

Auf Rollertour rund um Haro mit Blick auf die herbstliche WeinlandschaftDSC01937

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Architektonische Meisterleistung des weltbekannten spanischen Architekten Santiago Calatrava: Das Weingut “YSIOS”, das sich wie viele der großen Weingüter Riojas im Besitz eines internationalen Konzernes befindet, wird von Enthusiasten als “Kathedrale für den Wein” bezeichnet wird.DSC01963DSC01964

Nach mehreren Rollertouren und abendlichen Weinverkostungen verlassen wir La Rioja und machen uns auf den Wag nach Barcelona.

In Zaragoza übernachten wir auf dem städtischen Campingplatz am Stadtrand, der wegen eines 10 tägigen Stadtfestes fast voll belegt ist. Deshalb nimmt man auch stolze 30,- € für die Nacht. N-41-38-16  W-0-56-34.

Gemütlicher geht es auf unserem nächsten Übernachtungsplatz in Montblanc zu, der sich schon in der Nähe von Barcelona befindet. Das Weingut “Finca Heretat Masia Poblet hat Stellplätze für einige Wohnmobile und ein Restaurant vom Feinsten. (N-41-24-52.            O-1-10-22)   10,- € pro Nacht inkl. Ver-/Entsorgung. Strom 3,- €. Wenn man im Restaurant isst, zahlt man nichts für den Stellplatz. Es hat ab Nachmittag geöffnet. Zum Glück sind wir schon um 15 Uhr dort, denn später hätten wir keinen Tisch mehr bekommen. Die Besitzerin ist äußerst freundlich, spricht Englisch und Französisch und berät einen perfekt bei der Speisenauswahl. Es gibt sogar eine deutsche Speisekarte.DSC02021DSC02022

Am nächsten Morgen fahren wir an die Küste und erreichen bei El Vendrell westlich von Barcelona das Meer. Hier könnte man die Autobahn nach Barcelona nehmen. Wir entscheiden uns aber für die Küstenstraße, die nach Sitges kurvenreich, aber gut ausgebaut direkt am Meer mit schönen Ausblicken direkt in die Stadt führt.

Wir durchqueren Barcelona mitten durch das Zentrum. Es gibt zwar viel Verkehr, aber ohne Probleme erreichen wir die östliche Stadtausfahrt und das 10 km weiter gelegene El Masnou.

Hier gibt es einen Campingplatz, der ideal geeignet ist für die Besichtigung von Barcelona. Nur ein paar Hundert Meter entfernt ist die Bahnhaltestelle. Hier fährt in kurzen Abständen der Zug bis zur Plaza Catalunya mitten im Zentrum

Der Campingplatz El Masnou selbst ist einfach ausgestattet, aber es gibt eine kleine Bar mit Brotservice. Der Preis ist mit 30,- € pro Nacht zwar hoch, erklärt sich aber durch die Nähe zum Stadtzentrum. Wir bleiben 7 Nächte und sind positiv überrascht, dass man uns ungefragt nur 5 Tage berechnet!  (N-41-28-33  O-2-18-12)DSC02031

Soviel für heute und bis bald “in Barcelona”.

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 3 Kommentare

Im spanischen Baskenland – San Sebastian und Bilbao

4. – 7. 10. 2017

Liebe Freunde,

eigentlich hatten wir vor, noch einige Tage im französischen Baskenland zu bleiben. Leider leuchtet seit einigen Tagen die “Bremsbelag-Abnutzungsanzeige” im Display des Wohnmobils auf. Wir befürchten, dass die vielen langen Bergabfahrten in den Pyrenäen die Bremsbeläge vorzeitig abgenutzt haben. Von Saint-Jean-Pied-de-Port, dem Ende der letzten Etappe, ist es nicht weit nach Bayonne am Atlantik. Hier gibt es eine Fiat Werkstatt.

Um nicht einen Schaden an den Bremsscheiben zu riskieren, fahren wir daher schon heute bei sonnigem Wetter hinaus ans Meer. Die Werkstatt ist schnell gefunden und ein Techniker sieht sich unsere Bremsen an. Zum Glück sind die Beläge völlig in Ordnung. Möglicherweise ist bei der Fehleranzeige etwas defekt. Wir können also beruhigt weiterfahren.

Unser nächstes Ziel ist San Sebastian. Im Universitätsviertel gibt es einen offiziellen Wohnmobilstellplatz, der am Abend völlig ausgelastet ist. Man sollte also so früh wie möglich ankommen. N-43-18-28  W-2-0-52. Am Automaten zahlt man 3,30 für 24 Stunden.

Vom Stellplatz aus sind es etwa 2 km zur Playa de la Concha, dem von 2 Hügeln eingerahmten, sichelförmigen Sandstrand von San Sebastian. An der durchgehenden Promenade erreicht man nach nochmals 2 km die Altstadt am anderen Ende der Bucht.DSC01685

Prächtige Kandelaber am Eingang zur Altstadt, dahinter auf dem Hügel eine Christus StatueDSC01689

Was für die Spanier die Tapas, sind für die Basken die Pintxos. Diese unterscheiden sich durch besonders aufwendige Varianten von der einfacheren spanischen Art. In der Altstadt gibt es ein Vielzahl an feinen Pintxo Bars und wir haben das Glück, gleich eine der traditionsreichen zu finden. Sie heißt “Casa Alcalde”, wurde 1912 gegründet und gilt als eine der besten der Stadt. Der Tresen ist voll mit Köstlichkeiten und es fällt schwer, sich zu entscheiden.DSC01698

Unsere Wahl.DSC01703DSC01702

Nach der Stärkung mit Pintxos und Wein schlendern wir durch die freundlichen Altstadtgassen und die Boulevards der Neustadt bis wir wieder an der Concha ankommen. DSC01707

Das Abendsonne taucht die Bucht in warmes LichtDSC01713DSC01715

Je später es wird, umso mehr Menschen flanieren auf der Promenade an der Bucht entlang. Ein Hochzeitspaar nutzt das schöne Licht für Hochzeitsfotos DSC01759

Stillleben “Vergessene Rose am Strand” – hoffentlich kein schlechtes Omen für die beiden Rote RoseHerzRote RoseHerzDSC01674

Nach dem schönen Tag in San Sebastian mit 14 km Fußmarsch regnet es am nächsten Morgen leicht. Für 2 Tage ist richtig regnerisches Wetter “a la Biskaya” vorhergesagt. Also suchen wir in unseren Stellplatzführern nach einem netten Platz, um auf bessere Zeiten zu warten.

Nur wenige Kilometer westlich von San Sebastian liegt an einer langen Sandbucht der Ort Zarautz. Hier gibt es einen hoch über der Stadt gelegenen Campingplatz. N-43-17-22      W-2-8-45. Wir bekommen einen prächtigen Stellplatz mit direktem Blick vom Wohnmobil auf Stadt und Bucht. Ein Weg mit 400 Stufen führt die etwa 100 Höhenmeter hinunter zum Strand, an dem eine schöne Strandpromenade angelegt ist. Rechts das Meer, links ein kleiner Golfplatz.DSC01766

Auf dem Platz sind viele junge Leute. Überall hängen Neoprenanzüge zum Trocknen. Des Rätsel Lösung: Zarautz ist einer der Surf Hotspots am Atlantik mit entsprechend hohen Wellen. Es werden hier auch internationale Surf Wettbewerbe ausgetragen. Trotz des trüben Wetters tummeln sich geschätzte 50 Surfer in den Wellen.

Ein Gruppe junger Anfängerinnen beim TrockentrainingDSC01774

Ihr Kollege beherrscht sein Board bereits souverän.DSC01783

Nach 2 trüben Tagen scheint schließlich wieder die Sonne und  die Welt sieht durch die Wohnmobiltür gleich wieder freundlicher aus.Cooles SmileyDSC01792

Ab jetzt ist Schönwetter angesagt. Für die nächsten 2 Wochen höchstens ein paar Wölkchen. Nachts kühlt es zwar auf 10 Grad ab, tagsüber erreicht das Thermometer jedoch bis 29 Grad.

Von Zarautz fahren wir an der Küste entlang über Zumaia nach Deba. Hier beginnt eine enge Küstenstraße, die über Ondarroa bis Lekeitio führt. An den Steilhängen wachsen zu unserer Überraschung ausgedehnte Eukalyptus Wälder.

Hinter Lekeitio führt die Straße ins Landesinnere nach Gernika, die “Heilige Stadt der Basken”. Seit dem 10. Jahrhundert tagte hier der baskische Ältestenrat. Der Ort hat traurige Berühmtheit erlangt, als die deutsche Fliegerstaffel “Legion Condor” 1937 zur Unterstützung des faschistischen Diktators Franco dieses ausschließlich zivile Ziel bombardierte und dem Erdboden gleichmachte. Das berühmte Monumentalgemälde von Picasso, “Guernica”, erinnert an diese Gräueltat. Bis heute ist der Stumpf der uralten Eiche, unter der der Ältestenrat tagte, zu sehen. Er ist ein Nationalsymbol der Basken.

Obwohl zum Glück der Terror der baskischen Unabhängigkeitsbewegung ETA vorbei ist, ist der Gedanke an die Selbständigkeit nicht vergessen.DSC01804

Von Gernika ist es nicht mehr weit bis Bilbao. Die Straße wird breiter und kurz darauf sind wir mitten in der Stadt. Die Durchfahrt ist problemlos, es ist gerade Mittag und auf den Straßen ist es verhältnismäßig ruhig.

Bilbao bietet einen “Edel-Stellplatz” auf dem Kobetamendi Hügel hoch über der Stadt. Dort wollen wir hin. Unser Navi zeigt zwar die richtige Abzweigung, aber wir verpassen sie und nehmen die dann vorgeschlagene Alternative. Das hätten wir besser nicht gemacht. Auf einmal finden wir uns in einer sehr, sehr schmalen Gasse wieder. An Zurückfahren ist nicht zu denken, also “Augen zu und durch”. Irgendwie erreichen wir dann doch die “richtige” Straße und den Stellplatz. Wir lernen wieder einmal, dass vom Navi alternativ vorgeschlagene Straßen mit äußerster Vorsicht zu akzeptieren sind. Das “Kerlchen” hat zwar eine spezielle LKW-/Wohnmobil-Software mit allen Fahrzeug-Daten, nur ist leider das Datenmaterial der Karte dafür sehr mangelhaft. Das Geld für die LKW-Software kann man sich ruhig sparen. Wir haben nur schlechte Erfahrungen damit gemacht.

Zurück zum Stellplatz. Hoch über der Stadt mit prächtigem Blick hinunter liegt er auf zwei Terrassen. Große Parzellen, eine ständig besetzte Rezeption, Strom, Wasser an jedem Stellplatz. Brotservice. Toilette. 2 Entsorgungsstationen. Alles vom Feinsten. Dafür sind die 15 Euro pro Tag absolut gerechtfertigt. N-43-15-34  W-2-57-48.

Blick vom Stellplatz auf die Stadt. Im Vordergrund das Stadion von Athetico Bilbao. Dahinter, rechts neben dem Büroturm, liegt das Guggenheim Museum.DSC01795

Gleich unterhalb des Stellplatzes fährt Bus Nr. 58 für 1,25 € im 20 Minuten Takt bis direkt in die Altstadt (die ca. 4 km bis zur Altstadt könnte man auch gehen, aber man muss auch wieder hier herauf Smiley mit herausgestreckter Zunge) Der Bus auf dieser Linie fährt bis ca. 22.00 Uhr.DSC01796

Von der Altstadt wandern wir am Fluss entlang bis zum weltberühmten Guggenheim Museum. Die Stadt Bilbao war früher eine eher schmutzige Industriestadt mit Werften und Fabriken. Das ist alles verschwunden. Man sagt, dass die Verwandlung der Stadt mit der Errichtung des phantastischen Gebäudes des Museo Guggenheim und seiner Eröffnung 1997 begonnen hat. 1992 wurde der Plan verabschiedet, die Stadt und die Uferzonen des Nervion wieder lebenswert zu machen. Eine Vision, die Wirklichkeit geworden ist.

Das markante Gebäude des Guggenheim MuseumsDSC01814

Davor “Die Spinne”DSC01811

Daneben der Liebling der Einheimischen. “Puppy”,  ein vollständig mit Blumen bewachsener “Riesen-Terrier”. Als er abgebaut werden sollte, gab es massive Proteste der Bevölkerung. Im Scherz sagt man: “Wenn man schon so eine seltsame Hundehütte wie das Museo Guggenheim hat, dann braucht man doch auch ein Hundchen dafür” SmileyDSC01824,

Vom Guggenheim Museum wandern wir durch die Boulevards der Stadt zurück zur Bushaltestelle am Rand der Altstadt. Es wird schon dunkel und immer mehr Menschen tummeln sich in den Einkaufstraßen. Das ist südliche Lebensart.

Bevor wir zurück fahren, geht es noch in die Altstadt mit ihren “Siete Calles” (Sieben Straßen). Sie sind das Herz des historischen Zentrums mit einer einzigartigen Atmosphäre, zahlreichen Kneipen und Pintxo Bars. Auch hier können wir nicht wiederstehen und laden uns einige der Köstlichkeiten auf unsere Teller.

Spät am Abend kommen wir zum Stellplatz zurück und genießen nun den Blick auf das nächtliche Bilbao.DSC01847

Liebe Freunde, soviel für heute. Unsere nächsten Ziele sind die Hauptstadt des Baskenlandes, Vitoria Gasteiz und danach die Region “La Rioja”. Die Weinherzen schlagen schon höher Smiley 

Liebe Grüße

Helga und Willi

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Durch die Pyrenäen – der Westen

Montag, 25.9 – Dienstag, 3.10.2017

Liebe Freunde,

von El Pont de Suert geht es zunächst in Richtung Westen, quer durch eine beeindruckende Gebirgslandschaft. Am Morgen ist es noch kühl, später erreicht das Thermometer fast 30 Grad. Und mit diesem Temperaturmix geht es bis zum Wochenende weiter.

Die N-260 führt kurvig hinauf auf 1500 m und dann weiter bis Castejon de Sos. Durch die Schlucht Congosto de Ventamilla bringt sie uns nach Campo und dann weiter bis zum – zur Zeit fast ausgetrockneten – Stausee Embalse de Mediano und zum Städtchen Ainsa.

Durch die Schlucht Congosto de VentamillaDSC01243

Die mittelalterliche Altstadt von Ainsa liegt oberhalb der Neustadt auf einem HügelDSC01257

Ainsa ist als eines der schönsten mittelalterlichen Städtchen weit und breit bekannt. Für die zahlreichen Besucher wurde direkt am Eingang zur Burg ein großer Parkplatz eingerichtet, auf dem auch übernachtet werden kann. Die Parkscheinautomaten sind außer Betrieb; wahrscheinlich wird nur zu Zeiten des alle 2 Jahre stattfindenden Mittelalterfestes und bei anderen Veranstaltungen Parkgebühr verlangt.                            N-42-25.105’      O-0-08.063’.

Nördlich von Ainsa liegen die höchsten Berge der Zentralpyrenäen, der Aneto, der Posets und der Monte Perdido, alle an die 3.500 m hoch. Von der Burg in Ainsa hat man einige von ihnen schon im Blick. DSC01276

Nach einem Bummel durch die alten Gassen ……DSC01262

……. fahren wir heute noch weiter bis kurz vor die Grenze nach Frankreich. In Bielsa bleiben wir auf dem örtlichen Campingplatz.  N-42-37-42  O-0-13-45. Es handelt sich dabei um eine größere Ferienanlage, die zur Zeit jedoch so gut wie ausgestorben ist – ideal um die warme Abendsonne in Ruhe zu genießen.DSC01290

Am nächsten Tag wartet bei strahlendem Wetter eine 80 km Rollertour in zwei prächtige Bergtäler auf uns.

Von Bielsa aus fahren wir zuerst in das Valle de Pineta bis zum Fuß des Monte Perdido (3325 m, links im Bild). Die Straße endet in einem riesigen Talkessel eingerahmt von mehreren Wasserfällen. Auf dem Bergkamm verläuft die Grenze zu Frankreich und dahinter befindet sich mit dem “Cirque de Gavarnie” ein noch gewaltigerer Talkessel, den wir später noch erwandern werden.DSC01305

Zurück in Bielsa müssen wir ein paar Kilometer südwärts nach Salinas de Sin fahren. Hier beginnt die Straße ins Valle de Gistain. Anfangs breit, führt sie später durch eine enge Schlucht und durch einige ziemlich schmale Tunnel. Breit genug für den Roller – aber ziemlich eng fürs Womo.DSC01330

Dahinter weitet sich das Tal wieder und die Straße endet nach einigen Serpentinen beim “luftig” gelegenen Ort Gistain. Im angrenzenden Nationalpark liegt der “Posets”, mit     3371 m einer der höchsten Pyrenäengipfel.DSC01308

Am nächsten Morgen fahren wir zur französischen Grenze. An den Grenzübergängen von Spanien nach Frankreich gibt es große Supermärkte, die vor allem alkoholische Getränke deutlich billiger verkaufen wie in Frankreich. Aber auch das Preisniveau der übrigen Lebensmittel liegt unter dem französischen und viele Reisende, vor allem Franzosen, nutzen diese Einkaufsmöglichkeit.

Bevor der Tunnel von Bielsa (in fast 1900 m Höhe) eröffnet wurde, war hier Schluss mit dem Fahrzeugverkehr. In der Zwischenzeit kommt man bequem hinüber nach Frankreich. Vorbei an mehreren Schigebieten führt der kurvige “Abstieg” durch eine wunderbare BerglandschaftDSC01357

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Am Fluss “Nest d’Aure” entlang erreichen wir das Städtchen Arreau und am Ende des Tales – schon in der Ebene – die Stadt Capvern-les-Bains. Die erste unserer Gastankflaschen ist leer und in Spanien sind die Autogas Tankstellen rar. In Frankreich ist es wesentlich einfacher und schon in Capvern können wir die Flasche an einer Gastankstelle wieder füllen.

Es ist noch früh am Nachmittag und so beschließen wir, weiter nach Lourdes und auf den dortigen offiziellen Stellplatz zu fahren. N-43-5-17  W-0-3-9. Der Platz befindet sich neben dem riesigen Busparkplatz und kostet 10,- pro Nacht + 2,50 für die Entsorgung + 2,50 für Wasser. Kassiert wird an der Einfahrt. Von hier erreicht man nach einem Spaziergang von 30 Minuten das Zentrum.

Wir waren 2011 schon einmal in Lourdes. Es hat damals stark geregnet, wir waren kurz an der Grotte und haben die Basilika und die unterirdische Kirche für 20.000 Menschen besucht. Es war Mai und Hochsaison. Unzählige zum Teil unheilbar Kranke wurden, eingehüllt in Regenmäntel, von ihren Betreuern durch die Grotte geschoben, in der Hoffnung auf Heilung. Die Stimmung war so bedrückend, dass wir eigentlich nie wieder hierher fahren wollten. Nun hat es sich aber auf Grund des Tourenverlaufs so ergeben und wir hoffen , dass das Ganze bei sonnigem Wetter nicht gar so deprimierend sein wird.

Und so ist es dann auch. Um diese Jahreszeit ist der Trubel deutlich geringer und man kann sich gar nicht vorstellen, dass jährlich 5 Millionen Pilger hierher kommen. Dieses Mal nehmen uns auch Zeit, durch “das andere Lourdes” zu spazieren. Abseits vom religiösen Bereich kann man durch die netten Altstadtgassen hinauf zum Kastell schlendern und den Abend genießen. Und so “versöhnen” wir uns schließlich doch noch mit der Stadt.

Religiöser Kitsch in den Läden rund um die BasilikaDSC01371DSC01370

Kranke Pilger auf dem Platz vor der BasilikaDSC01393

Die Mariengrotte ist Hauptanziehungspunkt für Millionen Pilger. Hier entspringt eine Quelle, deren Wasser an zahlreichen Wasserhähnen (kostenlos) zum Mitnehmen abgefüllt werden kann.DSC01398

Zum Glück gibt es bei 30 Grad Hitze nicht nur “heiliges Wasser”, sondern auch ein kühles Bierchen.DSC01415

Am Donnerstag fahren wir von Lourdes südwärts über Luz-Saint-Saveur bis nach Gavarnie, um in den “Cirque de Gavarnie” zu wandern. Wie oben schon erwähnt, liegt dieser gigantische Gebirgskessel auf der französischen Seite des Monte Perdido.

Gavarnie ist im Sommer hoffnungslos überlaufen; jetzt ist es jedoch angenehm ruhig. Es gibt außerhalb des Ortes einen offiziellen Stellplatz mit dem Nachteil, dass man von dort schon einmal einige Kilometer nach unten nach Gavarnie wandern muss, um zum Cirque-Wanderweg zu kommen. N-42-44-17  W-0-01-08.

Wir nutzen daher die Möglichkeit, schon am Ortsrand auf einem Wohnmobil – Parkplatz zu übernachten, zahlen am Parkautomaten die für Wohnmobile verlangten 8,- € für 24 Stunden und können von hier aus gleich zum Wanderweg gehen. Wer möchte, könnte nach der Rückkehr von der Wanderung zum Stellplatz hinauffahren. Das schon bezahlte Parkticket gilt dann auch dort oben.

Auf dem Weg zum “Cirque de Gavarnie”DSC01428

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Am Ende des Talkessels,  umgeben von Drei Dreitausendern,  ist man fast sprachlos, so gewaltig sind die Felswände ringsum. Die Cascade de Gavarnie ist mit 423 m der höchste Wasserfall Europas. Auch wenn es auf dem Foto nicht so wirkt: es sind tatsächlich 400 m !!DSC01454

Am Freitag fahren wir wieder zurück nach Lourdes. Dabei bietet sich uns ein kurzer Blick auf die “Breche de Roland”, eine bekannte Gebirgsformation, die der Rolandssage nach vom Schwert des Helden in den Fels geschlagen wurde.DSC01507

Kurz nach Lourdes machen wir Halt in Betharram, um die dortige Grotte zu besuchen. Über 400 Stufen steigt man 80 m tief hinunter und wandert anschließend tief hinein in eine beeindruckende Tropfsteinlandschaft. DSC01522

Ein kleines Stück des Jakobsweg ist der von Kapellen gesäumte Kreuzweg beim Kloster von Betharram, den wir “tapfer” bis zur letzten Station hinauf stapfen.DSC01519

Am nächsten Morgen starten wir wieder zum “Seitenwechsel” nach Spanien. Leider macht uns ein Wettersturz einen Strich durch die Rechnung. Zunächst fahren wir durch die hügelige Landschaft westlich von Lourdes bis Laruns. Die Stadt ist gerade hoffnungslos überlaufen, der Stellplatz ist gesperrt, überall stehen Wohnmobile an den Straßen. Der Grund ist eine mehrtägige “Käsemesse” verbunden mit einem Volksfest.

Wir fahren daher weiter durch das Valle d’Ossau. Es beginnt zu regnen. Weil es schon spät ist, bleiben wir gleich hinter Laruns im kleinen Ort Les-Eaux-Chaudes stehen. Es gibt hier eine kleine Wohnmobil Entsorgungsstation und man kann an der Straße auch die Nacht verbringen. Nachts fährt hier so gut wie kein Fahrzeug und es ist angenehm ruhig.           N-42-57-8   W-0-26-24.

In der Früh regnet es noch immer und wir beschließen, den wenige Kilometer weiter oben liegenden Stellplatz von Fabreges für einen Ruhetag zu nutzen. Er liegt an der Talstation einer Seilbahn an einem jetzt fast leeren Stausee. Und es gibt auch hier eine Entsorgungsstation. Man steht ruhig auf einer ebenen Schotterfläche direkt am See.         N-42-52-39  W-0-23-42.

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Die Ruhe wird nur unterbrochen von einer Kuh- und Eselgruppe, die laut bimmelnd zwischen den Wohnmobilen herumwandert. Besonders die Esel sind sehr zutraulich und betteln um FutterDSC01572

Am nächsten Tag in der Früh hat der Regen aufgehört und der Nebel lichtet sich. Die Straße auf den Col du Pourtalet (1800 m) ist gut ausgebaut und führt gemächlich zur Passhöhe. Genau so geht es auf der spanischen Seite wieder hinunter.DSC01586

Vorbei an einigen “künstlich angelegten” Ski-Orten ….DSC01589

……  erreichen Biescas und fahren am Ende des Tales westwärts in Richtung Pamplona. Im kleinen Städtchen Jaca nutzen wir noch den sehr guten örtlichen Wohnmobil Stellplatz, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. N-42-34-3  W-0-32-43.

Jaca hat sich übrigens mehrmals als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele beworben und gegen Nagano und später gegen Granada verloren. Übrig geblieben ist eine der größten Eishallen Spaniens. Man kann sich kaum vorstellen, dass so ein kleiner Ort eine derartige Veranstaltung hätte “stemmen” können – aber man war tatsächlich kurz vor der Zusage.

Von Jaca führt eine mautfreie Autobahn fast durchgehend bis nach Pamplona, vorbei am kilometerlangen Stausee von Yesa.  Im Sommer ist er ein Surfer- und Badeparadies. Jetzt ist der Wasserstand dafür schon zu tief abgesunken.DSC01607

Abseits der Autobahn säumt eine seltsam geformte Erosionslandschaft die Straße.image

Am frühen Nachmittag sind wir in Pamplona und fahren auf den nördlich der Stadt gelegenen Campingplatz Ezcoba. N-42-51-26  W-1-37-26. Der Platz kostet jetzt mit ACSI CC 19.- €. Ein 9 km langer durchgehender Radweg führt in die Altstadt. Es regnet wieder leicht und wir warten erst einmal auf besseres Wetter.

Am nächsten Morgen ist es noch wolkig und es soll ab Mittag wieder regnen. Wir verzichten deshalb auf die Radtour in die Stadt und fahren statt dessen auf den neuen offiziellen Stellplatz nahe der Altstadt. N-42-49-15  W-1-39-23.  Am Automaten bezahlen wir für 24 Stunden 10 € inklusive Strom und Frischwasser. Zu Fuß ist man von hier nach ca. 1 km am Schrägaufzug zur Altstadt von Pamplona.

Um diese Jahreszeit ist das Zentrum unglaublich ruhig. Offenbar sind die schönen Altstadtstraßen für Autos so gut wie gesperrt (außer mit Genehmigung). Man kann wunderbar bummeln und die Atmosphäre genießen – und man kann sich kaum vorstellen, dass hier im Juli zum Fest von San Fermin eine Woche lang das pure Chaos herrscht, wenn täglich die Stiere durch die Gassen zur Arena getrieben werden.

Einige vom großen Fest übrig geblieben Plakate an der Stierkampfarena erinnern noch daran.DSC01626

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Vor der Arena steht ein Denkmal für Ernest Hemingway, der in seinen frühen Jahren mit seinem Roman “Fiesta” die Stadt weltberühmt gemacht hat.DSC01623

Pamplona liegt am Jakobsweg. Einschlägige Geschäfte bieten “Alles für den Pilger” an – von der Regenpellerine bis zum Blasenpflaster.DSC01633

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Der “Toro “ ist allgegenwärtig – wenn auch nur für uns Touristen SmileyDSC01636

Heute Früh scheint wieder die Sonne – und wir brechen zur letzten Pyrenäen-Überquerung unserer Reise auf. Von Pamplona geht es über den Pass Ibaneta. Mit knapp 1000 m Höhe kann er unseren bisherigen Pyrenäenpässen nicht das Wasser reichen.

Durch ausgedehnte Wälder geht es hinauf zur Passhöhe. Hier oben liegt der historische Hintergrund der Roland-Sage. Ritter Roland, der den Rückzug seines Herrn Karl d. Großen gedeckt hat, fand hier 778 in einer Schlacht den Tod. Näheres bitte der einschlägigen Literatur zu entnehmen.

Roland zu Ehren hat man auf dem Pass ein steinernes Denkmal aufgestellt. Gerade als wir aus dem sonnigen Tal kommend die Passhöhe erreichen, fällt Nebel ein, sodass man den Stein von der Straße aus kaum sehen kann. Schließlich gelingt aber doch noch ein Foto von ihm.

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Von der Passhöhe geht es bis Saint-Jean-Pied-de-Port stetig bergab – bis auf 200 m ü.M. Kurz vor der Stadt überqueren wir “wieder einmal” die Grenze.

Auf unserer großen Frankreich-Tour 2011 waren wir schon einmal hier. Und schon damals haben uns die baskischen Dörfer und Städte mit ihren wunderschönen weißen Häusern mit rotem Fachwerk und ebenso gefärbten Fensterläden fasziniert.

Saint-Jean-Pied-de-Port ist seit dem Mittelalter ein Zentrum für Jakobspilger. Hier laufen mehrere Jakobs-Routen zusammen. Der Grund dafür ist, dass der Weg durch die Pyrenäen nach Spanien hier am einfachsten zu schaffen ist.

Die Stadt bietet einen Campingplatz und einen Stellplatz mit Strom, Ver- und Entsorgung an. Wir nehmen den Stellplatz, für den am Automaten 7,- € zu entrichten sind.                  N-43-9-54. W-1-13-55.

Vom Platz aus ist es nicht weit bis ins historische Zentrum mit seinen prächtigen, teils Jahrhunderte alten Häusern.

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20.000 Jakobspilger kommen jährlich durch Saint-Jean-Pied-de Port. Es gibt hier eine Registrierungsstelle, günstige Pilger-Unterkünfte und alles, was man sonst “zum Pilgern” braucht.DSC01656

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Wer nicht mehr weiter will, der hängt sein Schuhwerk an den Nagel SmileyDSC01660

Liebe Freunde, das war’s von unserer Pyrenäen-Tour. Jetzt geht’s weiter an den Atlantik. San Sebastian, Bilbao, Burgos und La Rioja stehen als nächste Ziele auf dem Programm.

Zum Schluss zum Schmunzeln noch ein kleines Beispiel der “sorgfältigen” Übersetzungen französischer Hinweise ins Deutsche. Es geht darum, dass man als Wohnmobil Fahrer kein Schmutzwasser ablassen darf. Man beachte die letzte Zeile SmileyDSC01359

Bis bald und liebe Grüße

Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 3 Kommentare

Durch die Pyrenäen – der Osten

18.9. – 24.9.2017

Liebe Freunde

Bevor wir zur großen Pyrenäen Fahrt von Ost nach West aufbrechen, fahren wir noch einmal hinaus ans Mittelmeer. Kurz vor der Grenze zu Spanien – oder Katalonien, wie die Einheimischen sagen würden – liegt der Fischereihafen Port Vendres, der einen offiziellen Stellplatz für Wohnmobile anbietet. N-42-31-3  O-3-6-48. Am Morgen kommt die Stadtpolizei und kassiert den Stellplatzbetrag von 10,- €.

Vom Stellplatz aus erreicht man zu Fuß in ca. 20  Minuten den Yachthafen und die Stadt.DSC01016

Port Vendres ist ein Fischereihafen. Heute kommt aber nur ein kleineres Fangschiff an. Das Ausladen des Fangs wird von Touristen und Einheimischen interessiert beobachtet.DSC01030

Offenbar wurde hier mit Schleppnetzen gefischt, denn es muss erst mühsam sortiert werden, was verkaufbar ist. Der Rest kommt zurück ins Wasser.DSC01020

Das ganze sieht ja nicht wirklich appetitlich aus SmileyDSC01029

Von Port Vendres aus fahren wir an der Küstenstraße weiter über die spanische Grenze. Die beiden Grenzstädte Cerbere und Portbou haben riesige Gleisanlagen eingerichtet. Die spanische Eisenbahn hat eine andere Spurweite wie die französische. Also musste umgeladen werden. Heutzutage gibt es aber bereits technische Möglichkeiten, die Waggons “umzuspuren”.DSC01036

Unser Zwischenziel am heutigen Tag ist die katalonische Stadt Figueres, die Geburtsstadt des exzentrischen Künstlers Salvador Dali. Im ehemaligen abgebrannten Theater hat Dali selbst ein Museum gestaltet, das wahre Touristenmassen anzieht. Interessanterweise auch zahlreiche Russen. Auf den Speisekarten steht das Angebot in russischer Sprache ganz oben.

Der Meister persönlich       DSC01056

Im Hof des MuseumsDSC01072

Ein beliebtes FotomotivDSC01062

Von Figueres aus fahren wir wieder an die französische Grenze zurück. In der Grenzstadt La Jonquera ist die Hölle los. Massen an Franzosen kaufen in den zahlreichen Einkaufszentren und Geschäften ein, was das Zeug hält. Tatsächlich ist das Preisniveau in Spanien deutlich niedriger als in Frankreich.

In der Nähe der Stadt Ceret, in der schon Picasso und andere Maler seiner Zeit gearbeitet haben, bleiben wir auf dem sehr guten Stellplatz in Maureillas-las-Illas, dessen Sanitärbereich gerade völlig erneuert worden ist. N- 42-29-13  O-2-48-26

Von Ceret geht es durch das Tal des Tech über die Berge wieder an die spanische Grenze. Auf dem Col d’Ares in 1500 m Höhe gibt es ein mittägliches PicknickDSC01080

Übrigens: Wir sprechen hier immer von spanischer Grenze. Die meisten Katalanen sehen das anders und fühlen sich nicht als Spanier. Die Magnolie ist dabei ein Symbol für die Freiheit Kataloniens.DSC01085

Dieser Stein an der spanischen (katalonischen) Grenze sagt es noch deutlicher. Hier ist nicht Spanien. Spanien beginnt erst 210 km weiter.DSC01082

Über Mollo und Camprodon erreichen wir die Kleinstadt Ripoll mit einem offiziellen Gratistellplatz direkt gegenüber der Kathedrale Santa Maria. N-42-12-9  O-2-11-37

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Ripoll präsentiert sich uns als freundliche Stadt; die Kathedrale ist ein wahres Schmuckstück mit einem prächtigen Eingangsportal. Als ich im Internet etwas über die Stadt suche, stoße ich auf mehrere Artikel, die sich auf den Terroranschlag im Sommer auf der Rambla in Barcelona beziehen. Acht der zumeist jungen Terroristen kamen aus Ripoll. Es waren ganz normale junge Männer mit marokkanischem Hintergrund, die hier aufgewachsen sind und nie auffällig waren. Sie gingen nicht in die Moschee und niemand kann sich erklären, wie sie sich radikalisiert haben.

Am nächsten Tag wollen wir hoch hinaus – über die Berge nach Andorra. Vorher aber heißt es noch, die Windschutzscheibe zu säubern, damit uns auch ja nichts entgeht.DSC01116

Von Ripoll geht es zunächst über eine Gebirgsstraße hinauf auf 1800 m, und – vorbei an einigen Schigebieten – hinunter nach Puigcerda. Wir überqueren hier wieder die Grenze nach Frankreich und fahren über eine breit ausgebaute Straße auf den 2000 m hohen Col de Puymorens.

Noch einmal geht es bergab und dann über die Grenze nach Andorra. Andorra ist nicht Mitglied der EU und fast steuerfrei. Kurz nach der Grenze in Pas de la Casa stehen große Einkaufstempel. Das erklärt die Kolonnen französischer Autofahrer, die sich hier herauf zum Einkaufen begeben.

Die gut ausgebaute Straße führt nun auf den Pass Port d’Envalira, mit 2400 m wahrscheinlich der höchste Punkt unserer Reise.DSC01121

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Oben angekommen passieren wir die angeblich höchst gelegene Tankstelle Europas, sicher aber die billigste. Diesel kostet aktuell 93 Cent.DSC01134

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Nun geht es stetig bergab. Man hat den Eindruck, bis zur Hauptstadt wäre alles ein einziges Schigebiet. Schließlich erreichen wir auf etwa 1000 m Andorra La Vella – das Chaos schlechthin. Autoschlangen wälzen sich durch die Stadt. Alle wollen billig einkaufen. Als wir schließlich den Parkplatz Nr. 23 passieren, ohne einen Platz für unser Wohnmobil gefunden zu haben, verzichten wir auf einen Stadtbesuch und fahren weiter.

Blick auf Andorra La VellaDSC01139

Im nächsten Ort liegt das River Einkaufszentrum mit einem eigenen kostenlosen Wohnmobil Stellplatz. N-42-27-11  O-1-29-11. Es gibt eine Ver- und Entsorgungsmöglichkeit und man kann über Nacht hier stehen bleiben.

Wir aber suchen einen Platz mit einem angenehmeren Ambiente und fahren weiter bis nach La Seu d’Urgell. Die alte Bischofstadt bietet einen deutlich angenehmeren Stellplatz an.    N-42-21-31  O-1-27-53.

Die romanische Kathedrale mit ihrem KreuzgangDSC01144

Überall in Katalonien zur Zeit das selbe Bild. Es geht um das Referendum am 1. Oktober, bei dem die Katalanen über ihre Unabhängigkeit von Spanien abstimmen sollen.DSC01147

Die Altherrenrunde am Springbrunnen scheint es wenig zu kümmern. Oder doch nicht. Vielleicht diskutieren sie ja gerade darüber, ob die Unabhängigkeit kommen soll oder nicht. Angeblich ist die Mehrheit der Katalanen gar nicht so überzeugt davon. Es scheint eher ein nationalistisches als ein wirtschaftliches Thema zu sein.DSC01148

La Seu d’Urgell hat noch eine Besonderheit aufzuweisen. 1992 – bei den Olympischen Spielen in Barcelona – wurden hier in einem künstlich angelegten “Wildwasser-Kanal” die Slalombewerbe der Kanuten ausgetragen. Heute können hier Freizeitpaddler ihr Training abhalten, aber auch große Wettbewerbe finden noch statt.DSC01151

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Und weiter geht’s – auf kurvenreicher Strecke 1000 m hinauf und wieder hinunter – nach Sort, einem bedeutenden Rafting Zentrum. Durch ein Tal mit einer Felsenlandschaft, die ein wenig an die Canyons im Westen der USA erinnert, erreichen wir “La Pobla de Segur”. Die Stadt bietet einen kostenlosen Stellplatz an einem Freizeitgelände an. Ver- und Entsorgung und sogar zwei kostenlose Stromanschlüsse sind vorhanden. N-42-14-18        O-0-57-57 !!! Ja- richtig gelesen. Wir sind fast auf dem Null-Längengrad angekommen. Zur Zeit geht hier die Sonne um 8.00 Uhr auf und um 20.00 Uhr unter.DSC01167

Ein Wort zur Stellplatz-Situation. Wir wussten von mehreren Frankreich Reisen, dass es dort eine Vielzahl von öffentlichen Stellplätzen gibt. Man braucht also nur selten einen Campingplatz. In den spanischen Pyrenäen hätten wir das nicht erwartet. Aber bisher ist alles einfach perfekt.

Irgendwann aber brauchen wir wieder einmal eine Waschmaschine. Wir suchen daher einen Campingplatz und finden nördlich von El Pont de Suert den Platz Baliera, ruhig an einem Fluss gelegen und mit einer sehr guten Ausstattung. N-42-26-21  O-0-41-56

Pyrenäen-Landschaft auf der Fahrt nach El Pont de SuertDSC01177

Waschtag auf dem Campingplatz BalieraDSC01190

Ein paar Kilometer vom Campingplatz Baliera entfernt liegt ein beeindruckendes Tal, das Vall de Boi. Es liegt am westlichen Rand eines ausgedehnten Nationalparks und ist schön mit dem Roller zu befahren, vor allem bei wolkenlosem Himmel und weit über 20 Grad. An der Staumauer am Ende des Tals auf 1800 m ist für Fahrzeuge Schluss.DSC01211

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Das Gebimmel einer vermeintlichen Kuhglocke stellt sich als Irrtum heraus. Die Glocke wird von einer Leitstute getragen, die von ihrer Gruppe begleitet wird.DSC01218

Das Vall de Boi ist UNESCO Weltkulturerbe. Ganze 9 romanische Kirchen aus dem 11. – 13. Jahrhundert finden sich auf wenigen Kilometern. Der Baustil wird als “Lombardische Romanik” bezeichnet. Die Türme erinnern auch wirklich an Italien. Man nimmt an, dass die damaligen Bauherren italienische Baumeister und Arbeitskräfte “abgeworben” haben. Hier einige Beispiele.DSC01226

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Und wie überall weht auch hier die katalanische Flagge. Es wird spannend am 1. OktoberDSC01236

Liebe Freunde, das war’s wieder einmal. Die nächste Tour wird uns in den Bereich der Hochpyrenäen und dann weiter in den Westen führen. Wir waren ja schon 2011 in den französischen Pyrenäen unterwegs. Daher werden wir uns dieses Mal mehr im spanischen Teil aufhalten. Im Blog Archiv finden sich bei Interesse unsere Erlebnisse von damals.

Bis bald – Helga und Willi

Veröffentlicht unter 2017 Südfrankreich/Pyrenäen/Nordost-Spanien/La Rioja/Barcelona/Costa Brava | 4 Kommentare

Durch die Cevennen; an den Strand bei Agde; über Narbonne nach Lagrasse und zu den Katharerburgen Peyrepertuse und Queribus

9.9. – 18.9.2017

Liebe Freunde,

vom Rhone Tal geht es nun westwärts durch die einsame Gebirgsgegend der Cevennen. Die Route führt zunächst nach Alès, Anduze und St. Jean du Gard und über enge kurvige Bergstraßen bis nach Meyrueis am Jonte Fluss. Es ist kalt geworden. Auf 1000 m hat es nur mehr 11 Grad.

Wir bleiben über Nacht auf dem Campingplatz Le Champs d’Ayres. 17,- €, N-44-10-51.  O-3-26-9.

Am nächsten Morgen fahren wir durch das malerische Tal der Jonte in Richtung Millau.  Zahlreiche Geier, die hier vor Jahren wieder angesiedelt wurden, kreisen am Himmel.

Bei Millau überspannt eine spektakuläre Autobahnbrücke die Schlucht des Tarn Flusses. Sie wurde 2004 eröffnet, ist mit 2460 m die längste Schrägseilbrücke der Welt und mit einer maximalen Pfeilerhöhe von 343 m das höchste Bauwerk Frankreichs.DSC00786

Hinter Millau nehmen wir die Autobahn in den Süden nach Beziers. Das ca. 110 km lange Teilstück ist mautfrei. Schnell erreichen wir einen unserer Lieblingsbadeorte an der Mündung des Herault ins Meer – das unweit von Agde gelegene La Tamarissiere. Es gibt hier einen der ganz wenigen naturbelassenen Campingplätze der ganzen Küstengegend. Man steht prächtig in einem riesigen Pinienwald. Der Platz schließt am 15. September und dementsprechend leer ist es schon. Er liegt bei N-43-17-12. O-3-26-32.

Leider weht ein kräftiger kühler Wind und auch die Wassertemperatur lädt nicht mehr zum Baden einDSC00789

Der fast menschenleere Strand gehört nun den Schatzsuchern, die mit Metalldetektoren nach Wertvollem suchen, das die Touristen im Sommer verloren haben.DSC00793

Am nächsten Tag fahren wir – nun schon zum dritten Mal – am Canal du Midi entlang 25 km bis nach Beziers. Es ist immer wieder schön, hier zu radeln.DSC00884

Das verdiente Mittagessen unter Platanen auf dem prächtigen Boulevard im Zentrum von BeziersDSC00823

Der ganze Boulevard ist heute ein bunter FlohmarktDSC00839

Die berittene Polizei sorgt für Ordnung. Die “Äpfel” ihres Pferdes werden von der Polizistin (links unten im Bild) sorgsam eingesammelt und entsorgt. Die Statue im Hintergrund stellt den Erbauer des 240 km langen und 1681 fertiggestellten Canal du Midi, Pierre-Paul Riquet, dar.DSC00868

Nach dieser schönen Radtour fahren wir weiter nach Narbonne. Es ist heiß mit bis zu 33 Grad. Die Stadt liegt am Canal de la Robine mit Anschluss an den Canal du Midi und war die erste römische Kolonie außerhalb Italiens. Sie verfügt über ein bedeutsames Gebäude-Ensemble mit Bischofssitz und einer Kathedrale, von der nur der Chor fertiggestellt wurde. Er gehört mit 41 m Chor Höhe zu den höchsten Frankreichs. Man kann sich kaum vorstellen, wie kühn der Plan für die ganze Kathedrale gewesen sein muss, wenn schon der Chor derart monumental ist. Wahrscheinlich ist den Bauherrn im 13. Jahrhundert das Geld ausgegangen oder man hat sich bautechnisch zu viel zugemutet.IMG_0250

Am Canal de la Robine. Im Hintergrund in Bildmitte links der Bischofspalast – rechts davon das Dach des Chors der KathedraleDSC00918

Auf dem Platz vor der Kathedrale hat man einen Teil der alten Römerstraße “Via Domitia” freigelegtDSC00910

Unser heutiges Ziel ist das mittelalterliche Dorf Lagrasse, westlich von Narbonne. Es gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Die mittelalterliche Bausubstanz ist nahezu vollständig erhalten. Der Ort verfügt über einen großen Wohnmobil Stellplatz mit Ver- und Entsorgung und einen prächtig hoch oberhalb gelegenen gemeindeeigenen Campingplatz. 13,- € + 3,-€ für Strom. N-43-5-43. O-2-37-5.

Blick vom Wohnmobil auf Lagrasse. Rechts im Bild die alte Abtei.DSC00922

Die alte Brücke führt vom Ort zur Abtei DSC00934

Südlich von Lagrasse liegt die Landschaft der “Corbieres” – eine Hügellandschaft in den Vor-Pyrenäen und ein endlos scheinendes Weinbaugebiet. Wir sind im Land der Katharer, einer religiösen Volksgruppe, die vom 12. – 14. Jahrhundert hauptsächlich im Süden Frankreichs gelebt hat. Sie standen im radikalem Gegensatz zur katholischen Kirche, lebten asketisch und wurden vom südfranzösischen Adel unterstützt. Nachdem sie der Kirche zu mächtig geworden waren, rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen sie auf.

Die letzte Zuflucht vor ihrer Vernichtung fanden sie in mehreren heute als Ruinen erhaltenen Katharerburgen, von denen wir zwei besuchen werden.

Die erste heißt “Peyrepertuse”. Sie liegt hoch oben auf einem Felsen über dem Dorf Duilhac und ist von der Ferne aus kaum vom Felsmassiv zu unterscheiden.DSC00947

Der Ort Duilhac verfügt über einen schönen kostenlosen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung. N-4251-41. O-2-33-53.

Eine Serpentinenstraße führt hinauf zur Burg. Mit kleineren Wohnmobilen kann man hinauf fahren. Wir aber nehmen unseren Roller. Beim Näherkommen erkennt man die verschiedenen Gebäudeteile hoch oben auf den Felsen.DSC00953

Die Anlage besteht eigentlich aus zwei Burgen. Der Anstieg zur ersten ist ziemlich steil. Zur zweiten führt dann eine teilweise betonierte und mit einem Geländer versehene  Treppe hinauf. Beim letzten Besuch 2006 gab es statt des Geländers nur Seile und ein Eisengestänge, an dem man sich “hochziehen” konnte und die Stufen waren glatt und rutschig.DSC00965

Der Blick von oben ist grandios. Man sieht vom Mittelmeer bis zu den Pyrenäen Gipfeln. Bei starkem Wind muss man hier oben allerdings vorsichtig sein.DSC00959

Weit im Hintergrund sieht man die zweite Burg, die wir morgen besuchen werden. Sie heißt Queribus und sieht zunächst wenig spektakulär aus. DSC00968

Mit dem Roller fahren wir bis zum Einstieg des Burgfelsen. Ab hier geht es zu Fuß weiter.DSC00982

Prächtig ist der Blick zu den schneebedeckten Pyrenäen Gipfeln. In Bildmitte erkennt man den Pic du Canigou, 2785 m hoch. Er gilt als “heiliger” Berg der Katalanen und ist ein Symbol für deren Einheit.DSC00970

Der Aufstieg zur Burg ist lang und steil mit atemberaubenden Tief- und Fernblicken.DSC00978

Von unserem Stellplatz in Duilhac aus fahren wir am nächsten Tag mit dem Roller zu einem landschaftlichen Highlight der Gegend – die Schlucht von Galamus. Was mit dem Roller kein Problem ist, ist für Autos eine Herausforderung. Die Straße ist so eng, dass es kein Umdrehen gibt. Die maximale Durchfahrtshöhe ist 2,70 m. Wir sind 2006 mit unserem Pössl-Kastenwagen durchgefahren und haben uns heuer gefragt, wie das eigentlich möglich war.

Blick in die Schlucht und auf die oberhalb verlaufende Straße. Wenn man genau schaut, kann man einige Fußgänger erkennen.DSC00989

Entgegenkommende Fußgänger sind ja kein Problem …..DSC00994

…. aber bei Autos wird’s schon ganz schön eng SmileyDSC00998

Übrigens – in Frankreich kann man ihn noch häufig sehen – den Wunschtraum aus Studententagen SmileyDSC00939

Und zum Abschluss noch ein “Wohnmobil mit 2 PS” SmileyDSC00941

Liebe Freunde, das war’s wieder einmal. Bei uns geht’s jetzt weiter an die Küste bei Perpignan und dann kreuz und quer durch die französischen und spanischen Pyrenäen an den Atlantik.

Bis bald

Helga und Willi

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Verdon Schlucht, Mont Ventoux, Orange, Ardeche Schlucht

1. – 8. 9. 2017

Liebe Freunde,

nach mehreren Frankreich Reisen werden wir in den nächsten Wochen viele interessante Ziele auslassen, die wir schon früher besucht haben. Bei Interesse bitte im Blog Archiv unter “2011 Frankreich Rundfahrt” und „2015 Nordfrankreich, Belgien, Luxemburg“ nachschauen. Von den davor unternommenen Reisen existieren leider keine Blog Berichte.

Nach einem Regentag, den wir in Vizille bei Grenoble verbracht haben, geht es weiter südwärts über die Berge nach Sisteron. Die Nacht verbringen wir auf dem Campingplatz “Les Prés Hauts” N-44-12-53  O-5-56-10.

Von Sisteron fahren wir zunächst südwestlich in die Gegend bei Apt, um die berühmten Ockerfelsen von Roussillon und Rustrel zu besuchen. Auf dem Weg dorthin machen wir einen kurzen Stopp im netten Städtchen Banon. Kaum jemand würde es kennen, stünde nicht in den Reiseführern etwas von kulinarischen Spezialitäten, die es nur hier gibt.

Zum einen ist das der “ Banon” – Ziegenkäse, der in Kastanienblätter eingewickelt und mit Bast aus Madagaskar verschnürt zu einer wahren Köstlichkeit heranreift.DSC00518

Zum zweiten gibt es hier in einer kleinen Metzgerei die fast einen Meter langen, dünnen Würste “Brindille”, die in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten werden. Wir entscheiden uns für die Varianten “Nature” und “Piments”. DSC00515

Wer in der Gegend ist, sollte sich hier eindecken. Wir haben die beiden Köstlichkeiten nirgendwo sonst mehr gesehen. Hier die Karte des kleinen Ladens. Außer Juli und August ist Mittwoch und Donnerstag geschlossen.DSC00585

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Ockerbrüche von Rustrel. Am Eingang gibt es einen großen baumbestandenen Parkplatz mit Übernachtungsmöglichkeit. N-43-55-12   O-5-56-10. Tagesparkplatz mit Eintritt 8,- €, bei Übernachtung kommen nochmals 4,- € dazu.

Hier und im nahe gelegenen Roussillon wurde bis in die 1930er Jahre Ocker abgebaut. Die alten Ockerbrüche bieten ein unglaubliches Farbenspiel. Die Felsen leuchten in den unterschiedlichsten Ockertönen – von hellem Gelb bis zu kräftigem Rot. Auch die Häuser der Ortschaften sind in diesen Ockertönen bemalt.DSC00550

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Am nächsten Morgen entscheiden wir spontan, wieder ostwärts zu fahren. Wir waren ja schon 2011 an der Verdon Schlucht, einem der größten Canyons Europas; trotzdem wollen wir dieses Erlebnis noch einmal genießen, überqueren die Rhone bei Manosque und fahren über Greoux-les-Bains und Riez nach Moustiers-St. Marie. Wir bleiben auf dem sehr empfehlenswerten Campingplatz Manaysse  N-43-50-41  6-12-55.

Das kleine Städtchen liegt malerisch vor steil aufragenden Felsen und ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Umrundung des Verdon-Stausees “Lac de Sainte Croix” und einem Besuch der Verdon Schlucht.DSC00564

Steiler Aufstieg zur oberhalb von Moustiers liegenden Kapelle, im Hintergrund der Stausee.DSC00573

Alte Handwerkskunst am Beispiel des Türriegels an einem mittelalterlichen Haus in Moustiers.DSC00576

Winzige Schnecken besiedeln einen Weidezaun – ob sie das Kribbeln des Stroms genießen?SmileyDSC00583

Im Umland von Riez befindet sich das Lavendel-Anbauzentrum Frankreichs. Endlos ziehen sich die leider schon abgeernteten Felder dahin. Zur Blütezeit muss das ein herrliches Bild sein.

Die Erntemaschinen haben für uns ein paar Blüten zum Pflücken übrig gelassenDSC00589

Blick auf den Stausee, für den mehrere Dörfer und eine 2000 Jahre alte Römerbrücke geflutet wurden.DSC00596

Dort, wo der Verdon in den Stausee mündet, haben sich zahlreiche Bootsverleiher niedergelassen. Die Touristen machen ausgiebig Gebrauch von ihrem Angebot und paddeln ein Stück in die Verdon-Schlucht hinein.DSC00603

Wir aber machen eine ca. 100 km lange Rollertour rund um die Schlucht mit spektakulären Tiefblicken – und teilweise ohne Leitschienen am Fahrbahnrand.DSC00611

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Von rechts oben im Bild – auf 1400 m Höhe – führt die spektakuläre Teilstrecke “Route des Cretes” abenteuerlich am Schlucht Rand entlang.DSC00623

Die steil aufragenden Felsen sind ein Paradies für Freikletterer – und Adler, die manchmal knapp über unseren Köpfen über die Aussichtsparkplätze kreisenimage

Ein Wohnmobil auf einem solchen Aussichtspunkt am Abgrund. Dort hinüber müssen wir auch noch – zum Glück fahren wir fast immer auf der Bergseite der Straße Zwinkerndes SmileyDSC00635

Nach 3 Tagen in Moustiers geht es nun wieder westwärts. Wir wollen über den Mont Ventoux, einen dominanten 1912 m hohen Berg 50 km nördlich von Avignon fahren. Der Berg ist heutzutage durch eine prächtige Straße erschlossen. Als ihn der Dichter Petrarca im Jahre 1336 mit seinem Bruder bestieg, muss es deutlich mühsamer gewesen sein.

Der Berg besteht im Gipfelbereich aus weißem Kalksteingeröll, so dass man aus der Ferne meint, er wäre schneebedeckt. Für die Radfahrer der Tour-de-France ist er eine der größten Herausforderungen. Aber auch unzählige Hobbyradler quälen sich hinauf auf den Gipfel.DSC00655

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Die Abfahrt ist “nichts für schwache Nerven”. Nein – so schlimm ist es nicht. Aber wie schon gewohnt, gibt´s auch hier auf längeren Abgrundpassagen keine Leitschienen – und das bei grandiosem Tief- und Fernblick. Nur Fliegen ist schöner SmileyDSC00678

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Kilometerlang geht es ziemlich steil hinunter – und die Bremsen werden heiß. Leider haben wir keine Motorbremse und die viereinhalb Tonnen schieben ganz schön nach. Nach einer Abkühlpause erreichen wir am Fuß des Mont Ventoux den netten Ort Malaucene. Es gibt hier einen offiziellen Stellplatz mit Ver-und Entsorgung auf N-44-10-27  O-5-7-19. Am Abend und am Morgen kommt jemand und kassiert die 5 € Stellplatzgebühr.

Unser nächstes Ziel ist “zur Abwechslung” mal wieder eine Schlucht, und zwar die der “Ardeche”. Auf dem Weg dorthin besuchen wir die Stadt Orange, in der wir ziemlich genau vor 40 Jahren auf unserer Hochzeitsreise waren.

Orange hat zwei große Sehenswürdigkeiten aus der Römerzeit – einen “Stadtgründungsbogen” (kein Triumphbogen) und das beeindruckende Theater.

Das Theater stammt aus dem 1. Jhdt. n. Chr. und ist eines der besterhaltenen der Welt.

Wie jedes Mal, wenn wir ins Rhone Tal kommen, weht auch heute wieder ein kräftiger Mistral SmileyDSC00687

Die 103 m lange und 38 m hohe Szenenwand des Theater wurde schon von Ludwig XIV.  als “schönste Mauer Frankreichs” bezeichnetDSC00692

Das Theater fasste ursprünglich 10.000 Besucher. Zum Schutz der Bühnenwand wurde eine moderne Dachkonstruktion aufgesetzt. Heute finden hier prächtige Opernaufführungen statt.DSC00696

Zum Vergleich das Foto von unserer Hochzeitsreise vor 40 JahrenPICT0005

Letztes Ziel dieser Etappe ist die Schlucht der Ardeche nordwestlich von Orange. Lang nicht so spektakulär wie die Verdon Schlucht, ist sie dennoch eine Reise wert. Im Sommer hoffnungslos überlaufen von Paddel-Touristen – angeblich gibt es 14.000 Kanus und Kajaks zum Ausborgen – ist es jetzt schon angenehm ruhig. An der Straße wurden  zahlreiche Aussichtsplattformen errichtet, von denen aus man Schlucht und Paddler beobachtet kann.DSC00717

Die bekannteste Sehenswürdigkeit in der Ardeche Schlucht ist “Le Pont d’Arc”, eine natürliche 60 m lange und 54 m hohe Steinbrücke und ein beliebtes FotomotivDSC00746

Zum Schluss noch etwas zum Thema “Mann und Frau” Smiley

Ein älteres Paar nähert sich einer Stromschnelle – beide arbeiten hart mit ihren Paddeln am DurchkommenDSC00748

Nach einigen Versuchen hat der Mann aufgegeben – seine Frau kämpft weiter und er sieht “wohlwollend” zu. Ob sie es denn alleine schafft? image

Soviel zum Schluss – die Sache ist gut ausgegangen. Sie sind wohlbehalten in ruhigeren Gewässern angekommen.

Wir lernen daraus: Was täten Männer ohne ihre Frauen?❤️❤️❤️🌹🌹🌹

Soviel für heute. Danke für Euer Interesse und liebe Grüße

Helga und Willi

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